deren Rechnungen verzögerte sich jedoch weiter. Im Oktober 1666 hätte der Kellner
gerne, wegen der in diesem Jahr gefährlichen Contagionszeiten, eine schriftliche
Stellungnahme des Freiherm erhalten117.
Es lag nahe, dass Buchholtz nach der Einstellung seines Bruders Mattheis als
Aufseher mit diesem die Geschäfte teilte. Am Neujahrstag 1666 sollte Lommert
mit der Hilfe Gottes die ihm vom Freiherm übertragenen Wein-, Salz-, Küchenund
Speicherrechnungen übernehmen1 damit auch die Verwaltung der betreffenden
Einrichtungen. Kellner Buchholtz glaubte jedoch, die Salz- und Branntweinrechnungen
weiter führen zu können, weil er die eingehenden, offenbar nicht unerheblichen
Gelder weiter für das Bauwesen verwenden wollte. Wütend setzte
Damian Hartard auf den Rand seines Berichts: NB: Waß ist das vor ein Zumuthung,
waß hätte der Keiner dergestalt zu thun119 Buchholtz versicherte bei derselben
Gelegenheit, getreu auf die Sachen des Mattheis Aufsicht zu halten, dass er
aber dafür stehen solle, könne der Freiherr ihm nicht zumuten, gestalt nicht gut, für
ein eigenen Bruder zu stehen. Lommert berichtete in der Folgezeit von den Weinfuhren
und dem Weinabsatz bei den Wirten, dem Branntweinabsatz, den Salzfuhren
und dem Salzverkauf, auch über den Zustand der Schweizereien und Schäfereien
im Land und den jeweiligen Viehbestand. Hier liegen wertvolle und interessante
statistische Angaben vor.
Über die herrschaftliche Wirtschaftstätigkeit im Amt Blieskastel, die von Buchholtz
ebenfalls energisch zu betreiben war, bin ich an anderer Stelle etwas eingegangen*
120, so dass ich mich hier auf wenige Hinweise beschränken kann. Die erwähnten
Schweizereien befanden sich im Blieskasteler Schloss und im nahegelegenen
Lautzkirchen, seit 1664 auch in Modenbach/Amt Burrweiler und seit 1672
in Wustweiler. Möglicherweise gab es auch in Wölferdingen eine Schweizerei. Im
Herbst 1666 standen auf dem Schloss 40 Rinder, in Lautzkirchen 72 Stück, darunter
34 Melkkühe. Schäfereien gab es auf dem Schloss, in Medelsheim, seit 1668
auch in Wecklingen. Im Frühjahr 1666 wurden in Blieskastel 288 Schafe, in
Medelsheim 614 Stück gehalten. Die Herrschaft betrieb einen intensiven Wollhandel,
auch mit Saarbrücker Wollwebern und Hutmachern121. Zur Wirtschaftstätigkeit
gehörte auch die ausgedehnte Fischzucht. Blieskastel belieferte beispielsweise
auch den Trierer Markt mit Karpfen, wie etwa im Oktober 1665122. Nicht weiter
eingegangen wird auch auf die leyenschen Zollstellen, aus denen ebenfalls Einnahmen
flössen. Bedeutung hatten die Wasserzollstellen zu Wölferdingen an der
Saar und in Blieskastel an der Blies, die von Holländerholz passiert wurden. Mit
einigen großen Holzhändlem - darunter auch Wiedertäufer - gab es wegen des
Zolls Streit. Kellner Buchholtz wollte deren Flöße sogar in Trier aufhalten lassen,
um die Händler zur Zahlung zu zwingen. Saargemünder Kaufleute, die Kauf¬11
Bericht Buchholtz vom 8.10.1666 (b).
,lx Bericht Lommert vom 29.12.1665 (b). - Bei der Speicherverwaltung wurden übrigens
noch Kerbstöcke verwendet (Bericht Buchholtz vom 28.2.1666, b).
1 w Bericht Buchholtz vom 7.1.1666 (b), ebenso vom selben Tag Bericht Lommert (b).
120 Läufer, Wildpret (wie Anm. 58).
121 Bericht Lommert vom 8.10.1666 (b). An sie wurde alle Wolle (Mai- und Herbstwolle, 8
Zentner, 18 Pfund) für 18 Reichstaler pro Zentner verkauft. Käufer war auch der Hutmacher
von St. Wendel (Bericht Lommert vom 31.10.1666, b). Ein früher Versuch, die
Wolle in Trier abzusetzen, war gescheitert.
122 Bericht Buchholtz vom 26.10.1665 (a).
234