Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

handel,6.  Wegen  der  Medelsheimer  Obligationes  [habe  er]  der  Pfar  vorgehalten
und  -  wie  befohlen  -  Anforderung  getan,  meldete  der  Kellner  seinem  Herrn  am  17.
September  1665  in  einer  anderen,  nicht  näher  erläuterten  Sache.  Die  Untertanen
hätten  daraufhin  erklärt,  bei  „Ihren  Gnaden“  Abbitte  zu  tun47.  Mitunter  musste
Buchholtz  auch  von  Fronverweigerung  durch  die  Untertanen  berichten,  so  im  Januar
  1666,  als  die  Rubenheimer  dem  Friesen  beim  Weiherbau  hatten  helfen  sollen48.
  Zur  selben  Zeit  weigerten  sich  diejenigen  von  Ballweiler  und  Biesingen,  weder
  die  anteiligen  Kosten  der  Reparatur  des  Blieskasteler  Schulhauses  zu  übernehmen,
  noch  für  dessen  Unterhalt  beizusteuern96 99.
ln  vielfältiger  Weise  war  Buchholtz  auch  sonst  für  die  Herrschaft  tätig.  Am  1.
Dezember  1661  ritt  er  zusammen  mit  Schrämbgen  und  dem  Wölferdinger  Schweizer
  Hans  Jakob  in  das  benachbarte  Wustweiler,  um  dort  die  Möglichkeit  zu  erkunden,
  die  Hauptschweizerei  einzurichten100.  Auch  bei  Erwerbungen  wurde  der  Kellner
  eingeschaltet.  So  tätigte  er  Anfang  November  1664  vor  Meier  und  Gericht  zu
St.  Ingbert  einen  Kauf  von  Gütern  des  ehemaligen  Meiers.  Später  stellte  sich  heraus,
  dass  der  Meier  sich  herrschaftliche  Güter  angeeignet  hatte,  was  der  Kellner
untersuchen  sollte101 103.  Anfang  Mai  1665  besichtigte  er  im  Auftrag  von  Linden  in
Wustweiler  ein  Gut,  das  eine  Petronella  aus  Niederösterreich  für  420  Taler  verkaufen
  wollte.  Er  berichtete  dem  Freiherrn,  auf  dem  Hofplatz  sei  nun  eine  Dornenhecke
  gewachsen,  die  Güter  seien  wie  andere  verwachsen  und  verwüstet  und  zu  diesen
  Zeiten  schwerlich  50  Th[aler]  wertU)2.  Dies  gibt  einen  Einblick  in  den  Zustand
des  Landes  lange  nach  dem  großen  Krieg  und  in  den  Verfall  der  Vermögen.
Einen  großen  Teil  der  Arbeitskraft  des  Kellners  nahm  die  Verwaltung  des  Steuerwesens
  ein.  Buchholtz  hatte  jeweils  im  Herbst  Schaftgelder  und  Früchte  zu  repartieren
  und  beizutreiben10  ’.  Dabei  wurde  durchaus  auf  die  wirtschaftliche  Situation
  der  Untertanen  Rücksicht  genommen.  So  fragte  er  am  8.  Oktober  1666  an,  wie
es  mit  der  Erhebung  des  Zehnten  an  denjenigen  Orten  gehalten  werden  solle,  an
denen  das  Wetter  großen  Schaden  angerichtet  habe104.  Einige  Wochen  später  äußerte
  er,  obwohl  das  Amt  durch  die  Soldaten  und  das  Gewitter  Schaden  gelitten
habe  und  schwerlich  das  wiederzubekommen  [sei],  was  voriges  Jahr  umbgelegt.

96  Uwe  Eduard  Schmidt,  Der  Holländerholzhandel  auf  der  Saar,  in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte
  der  Saargegend  46  (1998),  S.  67-98.  S.  74f.  Hinweise  auf  die  Holzhändler  Bruch
und  Huhn.
97  a.
98  Bericht  Buchholtz  vom  20.  L1666  (b).
99  Der  Kellner  hatte  die  Kosten  für  das  neue  Dach  auf  alle  Dorfschaften  umgelegt,  die  von
der  Blieskasteler  Pfarrkirche  -  wie  es  heißt  -  vor  langen  und  mehr  als  hundert  Jahren  den
Dienst  hatten  (Bericht  Buchholtz  vom  20.1.1666,  b).  -  Einige  Hinweise  zum  Schul-  und
Kirchenbau  vgl.  Läufer,  Neue  Baunachrichten  (wie  Anm.  39),  S.  90,  Anm.  24.
"Kl  Bericht  Buchholtz  vom  15.12.1661  (a).
101  Verkäufer  war  der  Schwiegersohn  des  Meiers,  Johann  Fritsch  von  Boppard.  Kaufpreis
200  Reichstaler.  Weitere  Einzelheiten  in  den  Berichten  von  Buchholtz  vom  12.  und
20.11.1664  (a).
102  Bericht  Buchholtz  vom  7.5.1665  (a).
103  Bericht  Buchholtz  vom  20.11.1664  (a).
104  b.  -  Weil  Ende  1667  Untertanen  in  Mengen,  Bolchen  und  Brücken  durch  lothringische
Einquartierung  alles  verloren  hatten,  schlug  Kellner  Baur  dem  Freiherrn  am  15.12.1667
vor,  die  dortigen  Fronden  zu  mindern  (LA  Sb  vdL,  Nr.  2777).
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