Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Turm  geflohen.  Nun  sage  der  Schütze,  er  wisse  von  allem  nichts  mehr,  sei  sehr  berauscht
  gewesen,  biete  aber  Satisfaktion  an.  Auch  der  neue  Aufseher  Johann  Georg
Falckenstein  musste  über  schwere  Vorfälle  berichten00:  Am  30.  Oktober  1667  sei
unter  den  Steinhauern  im  Wirtshaus  eine  Schlägerei  entstanden,  so  dass  der  Wirt
die  Glocke  gestürmt  habe  und  alle  Bürger  und  Einwohner  des  Fleckens  mit  gewehrter
  Hand  erschienen  seien.  Die  Auctores,  Meister  Franz  und  Meister  Peter,
hätten  die  Bürgerschaft  jedoch  wüst  beschimpft,  so  dass  Falckenstein  sie  auß
Gudtduncken  der  Herren  Patrum  durch  den  Amtsboten  auf  das  Schloss  fuhren  lassen
  wollte;  im  Tumult  war  aber  niemand  zu  fassen  gewesen.  Am  nächsten  Tag  sei
im  Bihrhaus  neuer  Handel  und  Schlägerei  durch  Meister  Franz  und  den  Müller
entstanden.  Ersterer  habe  letzerem  ein  Glas  Wein  ins  Gesicht  geschlagen,  worauf
der  Müller  ihm  mit  einer  Kanne  Bier  an  den  Kopf  geschlagen  und  verletzt  habe.
Über  einen  Wirtshausstreit  zwischen  einem  calvinistischen  Schweizer  Zimmermann
  und  dem  wohl  katholischen  Blieskasteler  Zieglermeister  berichten  die  Quellen
  des  Jahres  1670.  Offenbar  wollte  der  Ziegler,  schon  etwas  beweint  oder  trunken,
  den  Schweizer  mit  blasphemischen  Reden  über  die  Gottesmutter  provozieren01.
  Bei  schweren  Vergehen  verhängte  die  Blieskasteler  Justiz  nicht  nur  Geldstrafen
  oder  Kerkerhaft,  sondern  verfügte  auch  die  Landesverweisung.
Einen  breiten  Raum  nimmt  in  den  Kellnerberichten  die  langwierige  Sache  des
Pastors  Niclas  von  Reinheim  ein,  über  dessen  Magd  sich  die  Pfarrkinder  Ende
1665  beklagt  hatten.  Auf  die  Geschichte  bin  ich  an  anderer  Stelle  ausführlich  eingegangen*
 92 *.  Anfang  Juli  1666  wünschte  Linden,  die  Angelegenheit  ginge  endlich
voran,  womit  der  vermessener  Gesell  [Pastor  Niclas]  dermalen  eins  gezüchtiget
werde92,.  Endgültig  klärte  wohl  der  Metzer  Bischof  die  Sache  im  Verlauf  seiner  Visitation
  im  Westrich  1669.
Der  Kellner  trug  nicht  nur  Verfehlungen  einzelner  Untertanen  in  das  Frevelregister
  ein,  sondern  auch  diejenigen  von  Gemeinden;  er  führte  also  die  Aufsicht
über  sie.  So  notierte  er  im  November  1664,  die  Gemeinde  St.  Ingbert  habe  ohne
sein  Wissen  14  Schweine  von  Nachbarorten  in  ihre  Herde  aufgenommen94.  Am  11.
März  1665  berichtete  er  dem  Freiherrn,  Kaufherr  Cornelius  Zimmermann  habe  im
Ormesheimer  Gemeindewald  etwa  100  Stämme  für  100  Reichstaler  gekauft  und
gleich  mit  dem  Fällen  begonnen.  Als  er,  Kellner,  davon  erfahren  habe,  habe  er  die
Arbeiter  durch  den  Amtsboten  aus  dem  Wald  weisen  lassen.  Die  Gemeinde  erbitte
nun  die  Genehmigung  des  Freiherrn;  sie  brauche  Geld  für  das  Hirtenhaus  und  zur
Abzahlung  von  Schulden.  Für  diese  Verfehlung  drohte  sowohl  der  Gemeinde  als
auch  dem  Käufer  eine  Strafe95.  Hier  begegnen  wir  also  dem  regen  Holländerholz¬911

  Bericht  vom  4.11.1667  (a).
M  Der  Ziegler  war  in  das  pfälz-zweibrückische,  benachbarte  Webenheim  geflohen;  als  man
ihn  dort  nicht  mehr  haben  wollte,  schlich  er  sich  wieder  nach  Blieskastel.  Wegen  der
großen  Kälte  wollte  der  Kellner  ihn  nicht  in  den  Karzer  sperren;  so  konnte  er  erneut  fliehen.
  Reste  seiner  Untersuchungsakte  in  LA  Sb  vdL,  Nr.  2777.  Hier  auch  Belege  für  das
Nachfolgende.  Zum  Gefängnisturm  auf  dem  Blieskasteler  Burgberg  vgl.  Läufer,  Neue
Forschungen  (wie  Anm.  4),  S.  31-33.
9l1  Läufer,  Visitation  (wie  Anm.  79),  S.  244f.,  mit  Anm.  112.
0  Sein  Schreiben  an  den  Freiherm  vom  6.7.1666  (a).  -  Auf  weitere  Einzelnachweise  aus
den  Kellnerberichten  verzichte  ich  hier.
M  Bericht  Buchholtz  vom  20.11.1664  (a).
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