Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Homburg  über  Stärke  und  Weg  der  Truppen.  Die  Lage  entspannte  sich,  als  die
Lothringer  wegen  des  großen  Blieshochwassers  ihren  Weg  nicht  durch  das  Amt
Blieskastel  nehmen  konnten,  sondern  das  Bitscher  Land  passieren  mussten.  So
konnte  Buchholtz  auch  den  vorsorglich  nach  Medelsheim  geschickten  Wein,  den  er
den  Offizieren  hatte  anbieten  wollen,  wieder  zurückholen.  Für  diesmal,  so  stellte  er
fest,  also  kein  Schaden  noch  Kosten*4.  Vor  allem  in  der  zweiten  Jahreshälfte  1665
häuften  sich  die  Truppendurchmärsche  von  Lothringern  und  Franzosen05.  Als  einmal
  Bier  und  Brot  gefordert  wurden,  musste  der  Kellner  dies  wegen  der  großen
Zahl  abschlagen.  Jedem  Soldaten  der  Leibkompagnie  zu  Fuß  hatte  er  zuvor  ein
halbes  Maß  Bier  und  ein  Stück  Brot  gereicht06.  Als  Buchholtz  Ende  Oktober  mit
dem  Saarbrücker  Grafen  wegen  des  dortigen  Hafenzolls  verhandelte,  schlug  dieser
vor,  sich  bei  Durchmärschen  gegenseitig  zu  Hilfe  zu  kommen67.  Ende  1665  kam  es
zu  einer  gefährlichen  Situation,  die  wiederum  auch  den  persönlichen  Mut  des  Kellners
  erforderte.  Zunächst  verlief  der  Durchzug  der  Lothringer  ohne  Zwischenfalle.
Der  Kellner  bot  am  22.  November  abends  Oberst  Duplessi,  der  mit  200  Reitern
Blieskastel  passierte,  einen  Trunk  Wein  an.  In  der  Nacht  wurde  Buchholtz  jedoch
von  zwei  Reinheimer  Untertanen  alarmiert,  die  berichteten,  ein  lothringischer  Reiter
  der  Leibgarde  fordere  unter  Drohungen  Geld.  Der  Kellner  ritt  mit  ihnen  zurück
nach  Reinheim  und  stellte  den  Übeltäter  zur  Rede.  Er  bot  ihm  Fleisch,  Brot  und
Pferdefutter  an,  verweigerte  aber  das  Geld,  worauf  der  Soldat  unter  Morddrohungen
  davonritt.  Buchholtz  blieb  noch  bis  zum  Ende  des  Durchmarsches  am  25.  November
  im  Ort.  Zur  Erleichterung  des  Kellners  wurden  dabei  die  leyenschen  Dörfer
  geschont,  die  benachbarten  lothringischen  aber  von  den  eigenen  Truppen  gahr
ruiniert68.  Die  üblicherweise  den  leyenschen  Gemeinden  übergebenen  Schutzbriefe04
  waren  offenbar  nicht  ohne  Wirkung  geblieben.  Die  Beispiele  zeigen,  dass
der  durch  den  Landesherm  gewährte  „Schirm“,  für  den  die  Untertanen  Abgaben
leisteten,  durchaus  nicht  nur  auf  dem  Papier  stand.  Als  die  Lothringer  im  Sommer
1666  zu  Habkirchen  und  Wustweiler  Steur  und  Unterhalt  suchten,  griff  der  Kurfürst
  selbst  ein:  Er  schickte  fünf  Soldaten  und  einen  Einspännigen  dorthin,  die  Sauvegarde
  zu  manuteniren0.  Offenbar  war  dies  eine  ausreichend  starke  Truppe,  um
der  Situation  Herr  zu  werden.
Die  Zerrissenheit  der  Grenzen  und  der  Flickenteppich  der  Territorien  und  Rechte
  im  Westrich  erklären  die  Tatsache,  dass  immer  wieder  nachbarliche  Streitigkeiten
  zu  klären  waren.  Der  Kellner  hatte  deswegen  nicht  nur  Korrespondenzen
zu  führen,  sondern  auch  persönlich  mit  den  benachbarten  Herrschaften  und  ihren
Beamten  zu  konferieren.  Mitunter  sah  er  sich  auch  Drohungen  gegenüber,  so  Ende
1661  als  der  lothringische  Amtmann  von  Saargemünd  ultimativ  von  jedem  Haushalt
  des  Bebelsheimer  Tals  zwei  Fass  Schirmhafer  und  ein  Huhn  forderte,  wovon

04  Bericht  Buchholtz  vom  20.11.1664  (a).
65  Vor  allem  die  lothringischen  Durchmärsche  in  Richtung  Pfalz  schilderte  Buchholtz  ausführlich
  am  25.8.  und  3.9.1665  (a).
66  Er  erbat  Anweisungen  des  Freiherm  (Bericht  Buchholtz  vom  3.9.1665,  a).
67  Bericht  Buchholtz  vom  26.10.1665  (a).
Schilderung  der  Ereignisse  durch  Buchholtz  am  29.11.1665  (a).
69  Dazu  Details  im  Bericht  Buchholtz  vom  16.5.(7)1666  (b).
70  Bericht  Linden  an  den  Freiherm  vom  9.7.1666  (a).
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