Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

nen  Schoppen  Wein  '5.  Fische  lieferte  auch  der  Müller6.  Im  Frühjahr  1666  hoffte
der  Kellner,  im  leyenschen  Otterbach  Krebse  zu  erhalten,  die  in  den  Medelsheimer
Weiher  gesetzt  werden  sollten,  in  dem  noch  alte  Mauern  stünden67.  Die  Aufsicht
über  die  herrschaftlichen  Weiher  hatten  örtliche  Untertanen,  denen  die  Fronden  erlassen
  wurden.  Dem  Niederwürzbacher  Aufseher  genügte  dies  nicht;  Anfang  1664
wollte  er  nur  weiter  tätig  bleiben  gegen  zwei  Malter  Korn  und  ein  Paar  Schuhe* 58.
Auch  hier  treffen  wir  also  auf  Selbstbewusstsein  und  das  Wissen  um  den  Wert  der
Arbeitskraft.
Eine  besondere  Rolle  spielte  der  Schmied  Nicola,  ein  Franzose,  allerdings  offenbar
  nicht  so  sehr  in  seinem  Handwerk,  sondern  vielmehr  als  Dolmetscher.  Als
Ende  1664  die  Kriegsgefahr  anstieg,  schickte  der  Kellner  ihn  nach  Burrweiler,  um
dem  dortigen  Amtmann  Christoffel  mit  der  Sprache  und  allem  sonst  beizuspringen59.
  Unentbehrlich  waren  seine  Sprachkünste  auch  im  Verkehr  mit  dem  Metzer
Generalvikariat,  vor  allem  im  Streit  wegen  des  Reinheimer  Pfarrers.  Die  Kirchenbehörde
  beharrte  zudem  darauf,  dass  der  Schriftverkehr  nur  in  französischer  Sprache
  erfolgte60.  Aus  diesen  und  anderen  Hinweisen  gewinnt  man  den  Eindruck,  dass
Französischkenntnisse  im  Westrich  damals  nicht  sehr  verbreitet  waren61.
Wendet  man  sich  der  Tätigkeit  des  Kellners  in  seinen  einzelnen  Verantwortungsbereichen
  zu,  so  ist  zuächst  die  Landesverteidigung  anzuführen.  Anfang  1664
hatten  lothringische  Völker  in  Erfweiler,  Wittersheim  und  Bebelsheim  mit  der  Androhung
  von  Sengen,  Brennen,  Rauben  und  Plündern  Kontributionen  gefordert  und
eine  Frist  von  zwei  Tagen  gesetzt.  Buchholtz  bot  daraufhin  das  ganze  Amt  auf  und
wartete  mit  den  Mannschaften62  in  den  Dörfern  Bebelsheim  und  Reinheim  auf  die
Rückkehr  der  Soldaten;  aber  es  erschien  niemand.  Der  Kellner  ritt  daraufhin  persönlich
  zum  lothringischen  Kommandanten,  um  wegen  des  Vorfalls  zu  protestieren62.
  Ende  1664,  beim  teilweisen  Rückmarsch  der  Lothringer  von  ihrem  Einsatz  in
Erfurt,  erkundigte  sich  der  Kellner  zusammen  mit  Schrämbgen  persönlich  im

Bericht  Buchholtz  vom  29.11.1665  (a).
56  Berichte  Buchholtz  vom  6.  und  29.11.1665  (a).  Der  Müller  opponierte  gegen  die  bisherige
  Verpflichtung,  der  Herrschaft  zwei  Drittel  des  täglichen  Fangs  zu  überlassen.
Bericht  Buchholtz  vom  28.4.1666  (b).
58  Bericht  Buchholtz  vom  24.1.1664  (a).  Zur  Fischzucht  in  Blieskastel  vgl.  Wolfgang  Läufer,
  Wildpret  für  Damian  Hartard  von  der  Leyen,  Dompropst  in  Trier.  Zum  Wirtschaftsleben
  in  der  Herrschaft  Blieskastel  in  der  zweiten  Hälfte  des  17.  Jahrhunderts,  in:  Kurtrierisches
  Jahrbuch  36  (1996),  S.  193-205,  hier  S.  200f.  (dortige  Karte  hier  übernommen)
59  Bericht  Buchholtz  vom  24.12.1664  (a).  -  Der  welsche  Schmied  nahm  später  an  einem
Kriegszug  teil.  1673  wurde  ihm  vor  Maastricht  beim  Sensendengeln  durch  eine  Kanonenkugel
  der  Kopf  abgerissen  (Bericht  des  Blieskasteler  Amtmanns  Rosinus  vom
6.7.1673,  LA  Sb  vdL,  Nr.  2669a).
60  Bericht  Buchholtz  vom  28.2,1666  (b).
Der  Pastor  von  Blieskastel  (Philipp  Lassart)  hatte  die  französisch  abgefasste  Metzer  Vorladung
  in  Sachen  des  Pfarrers  von  Reinheim  nicht  lesen  können  und  sie  deshalb  dem  Prior
von  Gräfintal  geschickt,  worüber  der  Termin  verfiel!  (Bericht  Buchholtz  vom  13.1.66,  b).
Die  Stärke  ist  kaum  zu  schätzen.  Als  Graf  Gustav  Adolf  von  Nassau-Saarbrücken  in  den
heftigen  Auseinandersetzungen  mit  von  der  Leyen  bzw.  Kurtrier  einen  militärischen  Zusammenstoß
  erwartete,  hatte  er  um  die  Jahreswende  1669/70  etwa  150  Mann  im  Köllertal
  zusammengezogen  (Bübingen,  ein  Dorf  im  Alten  Reich,  hg.  von  Wolfgang  Läufer,
Saarbrücken  1989,  S.  151).
Bericht  Buchholtz  vom  24.1.1664  (a).

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