Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

nen  Bruder  Mattheis  Lommert.  Als  dieser  im  Sommer  1666  seine  Absicht  bekundete,
  geistlich  werden  zu  wollen,  quittierte  Linden  dies  gegenüber  dem  Freiherrn
  mit  Genugtuung;  allerdings  nicht,  weil  der  junge  Mann  einen  „frommen“  Lebensweg
  einschlagen  wollte,  sondern  weil  für  den  Adressaten  dann  keine  Ausgaben
  für  Weib  und  Kinder  anfallen  würden23.  Offensichtlich  beschäftigte  Damian
Hartard  auch  sonst  bevorzugt  junge  Geistliche;  sein  Trierer  Domizil  ließ  er  während
  seiner  häufigen  Abwesenheit  von  einem  dortigen  Domaltaristen  verwalten24.
Das  ausgeprägte  Kostenbewusstsein  der  Herrschaft  wird  bei  vielen  Gelegenheiten
deutlich.
Was  die  Größe  des  Blieskasteler  Schlosshaushalts  betrifft,  so  ist  zunächst  zu
vermerken,  dass  außer  dem  Kellner  selbst  seine  Frau  im  Haus  beschäftigt  war.  Als
sie  1664  niederkommen  sollte,  rief  er  -  mit  Erlaubnis  des  Freiherrn  -  seine
Schwiegermutter  zu  Hilfe25,  vor  einer  Reise  nach  Irsch  1665  auch  einmal  die  St.
Wendeier  Schwester  seiner  Frau.  Buchholz  hatte  offensichtlich  nur  bei  der  Einstellung
  von  Knechten  und  Mägden  einigermaßen  freie  Hand,  ansonsten  behielt
sich  Damian  Hartard  eine  Anstellung  vor,  schickte  hin  und  wieder  einen  neueingestellten
  Diener  nach  Blieskastel.  Beschäftigt  wurden  jeweils  vier  Knechte  und
Mägde,  die  durchweg  für  ein  Jahr  gedingt  wurden;  der  Wechsel  fand  am  Jahresende
  statt.  In  der  Erwartung,  bald  gute  neue  Bedienstete  anstellen  zu  können,  war
der  Kellner  Ende  1664  entschlossen,  alle  Knechte  und  Mägde  wegzuschicken26 *.  Im
Jahr  darauf,  im  November  1665,  berichtete  er,  nur  eine  Magd  und  die  Viehmagd
würden  bleiben,  zwei  Mägde  seien  bereits  neu  gedingt  worden.  Die  Knechte
schickten  sich,  gestalt  ich  mit  Schlagen  zum  Fleiß  sie  bracht21,  Zwei  Knechte,  starke
  und  getreue  Fuhrknechte,  erhielten  Ende  1665  sogar  eine  Lohnerhöhung  von  1
‘/2  bzw.  1  Reichstaler,  nachdem  sie  damit  gedroht  hatten,  den  Dienst  zu  verlassen.
Die  beiden  neuen,  die  Lommert  in  Saarbrücken  gedingt  hatte,  erhielten  jeweils  20
Reichstaler  Jahreslohn.  Gesinde,  das  etwas  wert  sei  -  so  der  Aufseher  damals  -,  sei
nur  schwer  zu  bekommen.  Nach  dem  Verdingnis  wurden  die  vier  Knechte  auf  Kosten
  der  Herrschaft  im  Wirtshaus  mit  5  Maß  Wein  traktiert;  der  Schmied  leistete
Gesellschaft28 *.
Die  Bediensteten  traten  der  Herrschaft  durchaus  mit  Selbstbewusstsein  entgegen.
  Anfang  1666  forderte  Knecht  Thomas  für  alle  Sonn-  und  Feiertage  einen
Trunk  Wein  und  brachte  damit  Unruhe  unter  die  anderen,  die  auch  so  fleißig,  treu
in  der  Arbeit  sind  und  ihre  Pferde  handhaben,  wie  es  geziemt29  Die  Personalengpässe
  bestanden  wohl  noch  lange  Zeit.  Ende  1667  klagte  der  neue  Aufseher  Johann

Linden  am  8,7,1666  an  den  Freiherm  (a).
Einige  wenige  Schreiben  des  Dompropstes  von  1665  an  Caspar  Stephani,  Altaristen  des
Hohen  Domstifts  Trier,  in  LHA  Ko  48,  Nr.  4269.
Bericht  Buchholtz  vom  24.12.1664  (a).  -  Die  Beschäftigung  von  Verwandten  war  offenbar
  nicht  selten.  Am  28.1.1670  berichtete  Aufseher  Falckenstein,  die  Frau  Kellnerin
(Zeppenfelt)  habe  die  Tochter  ihrer  Schwester  zu  sich  vorne  in  die  Küche  genommen  (a).
j6  Bericht  Buchholtz  vom  24.12.1664  (a).
‘  Bericht  Buchholtz  vom  6.11.1665  (a).
j8  Bericht  Lommert  vom  29.12.1665  (b).
Bericht  Lommert  vom  22.1.1666  (b).

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