Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Verwaltungsalltag  in  der  von  der  Leyenschen  Herrschaft
  Blieskastel  nach  dem  Dreibigjährigen  Krieg

Wolfgang  Läufer
1660  konnte  die  moselländisch-rheinische  Familie  von  der  Leyen,  deren  Stammsitz
damals  das  Wasserschloss  Adendorf  bei  Bonn  war,  das  kurtrierische  Amt  Blieskastel
  als  Lehen  erwerben* 1.  Die  Familie  war  schon  seit  1456  in  der  Bliesgegend  begütert,
  und  auf  dem  Blieskasteler  Burgberg  besaß  sie  ein  eigenes  Haus.  Dort  befanden
  sich  auch  der  kurtrierische  Amtssitz  und  das  Haus  von  Eltz.  Alle  Gebäude
waren  in  den  voraufgehenden  Kriegsjahrzehnten  sehr  heruntergekommen2.  Herr  von
Eltz  lebte  dort  bis  zu  seinem  Wegzug  im  Herbst  1661  in  ärmlichen  Verhältnissen.
Von  der  Leyen  war  in  den  nachfolgenden  Jahren  mit  Erfolg  bemüht,  im  Umland
weitere  Besitzungen  und  Rechte  hinzuzuerwerben.  Zunächst  ging  es  darum,  dem
damiederliegenden  Land  wieder  aufzuhelfen,  das  als  sehr  ödt,  verwüst  und  bewachsen
  geschildert  wird.  Treibende  Kraft  war  Karl  Kaspar  von  der  Leyen,  Kurfürst
  und  Erzbischof  von  Trier,  der  in  der  Folgezeit  die  Verwaltung  der  Neuerwerbung
  allerdings  seinem  Bruder  überließ,  Damian  Hartard  von  der  Leyen,  Dompropst
  in  Trier  und  später  Kurfürst  von  Mainz.  Karl  Kaspar  entsandte  seinen  Rat
und  Kammerdirektor  Linden  an  die  Blies,  der  den  Wiederaufbau  energisch  in  Angriff
  nehmen  sollte.  Wiesen  sollten  instandgesetzt,  Weiher  angelegt,  Scheunen
neuerrichtet  und  Mühlen  in  Betrieb  genommen  werden.  Auf  dem  Blieskasteler
Burgberg  sollten  300  Schafe  eingestellt  werden,  in  Medelsheim  eine  Schäferei  für
1000  Tiere  entstehen,  in  Lautzkirchen  eine  Schweizerei,  für  die  man  Schweizer
Einwanderer  heranzog.  Die  Wiederbesiedelung  wurde  auch  sonst  gefordert1.  Der
Kurfürst  hoffte  anfangs,  die  Zahl  der  Untertanen  von  300  auf  800  erhöhen  zu  können.
  Für  sie  wurden  Kirchen  und  Schulen  erbaut  oder  wiederhergestellt.
Karl  Kaspar  begann  auf  dem  Blieskasteler  Burgberg  sofort  mit  verschiedenen
Baumaßnahmen,  die  er  in  der  Folgezeit  energisch  vorantrieb;  die  nicht  unerheblichen
  Geldmittel  dazu  vermochte  er  immer  wieder  aufzubringen.  Das  kurtrierische
Amtshaus  wurde  wiederhergestellt  und  im  Bereich  des  alten  leyenschen  Berings  im
Südosten  des  Areals  mit  einem  ersten  Bau  begonnen,  der  1663  vollendet  war.

Die  hauptsächlich  hier  herangezogenen  Quellen  aus  dem  Landesarchiv  Saarbrücken,  Bestand
  von  der  Leyen  (LA  Sb  vdL),  Nr.  2660/61  und  2662  (vgl.  auch  Anm.  13),  werden
nachfolgend  in  den  Anmerkungen  kurz  mit  „a“  und  „b“  bezeichnet.
1  Hermann  Peter  Barth,  Die  Erwerbung  des  Amtes  Blieskastel  durch  das  Haus  von  der
Leyen,  in:  Zeitschrift  für  saarländische  Heimatkunde  5  (1955),  S.  25-32.
Der  elende  Zustand  des  erzstiftischen  Hauses  (Kellerei)  wird  in  einem  Bericht  für  das
Trierer  Domkapitel  vom  22.11.1659  geschildert  (Abdruck  bei  Barth,  Erwerbung,  wie
Anm.  1,  S.  25).
Am  15.12.1661  berichtete  Buchholtz  dem  Freiherrn,  er  habe  dessen  Dekret  ad  valvas
ecclesiae  affigirt.  Danach  hatten  alle,  die  sich  im  Amt  niederlassen  wollten,  ihren  Losbrief
  vorzuweisen  (Freizügigkeit).  Auf  6  Goldgulden  Frevel  wurde  bestimmt,  dass  niemand
  in  der  Jurisdiktion  oder  Botmäßigkeit  des  Freiherrn  heiraten  dürfe,  es  sei  denn,  er
habe  sich  mit  der  auswärtigen  Herrschaft  abgefunden  und  in  Blieskastel  den  Freizugsbrief
  vorgelegt  (a).

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