Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

europäischen  Verfolgungen  überhaupt  festzustellen1“0.  Der  kurtrierisehe  Amtmann
auf  der  Grimburg,  Johann  Zandt  von  Merl,  gleichzeitig  auch  Trierer  Statthalter  und
Amtmann  in  Pfalzel,  muss  ebenfalls  als  ein  engagierter  Hexenverfolger  bezeichnet
werden1'1.  Vertreter  der  Familie  von  Sötern  finden  sich  immer  wieder  involviert  in
die  Hexenjagden  im  „Saarraum“,  so  beispielsweise  als  lokale  Gerichtsherren  am
Hochgericht  Neunkirchen/Nahe  oder  als  Amtleute  in  kurtrierischen  und  lothringischen
  Diensten120 122.  Im  Hochgericht  Mandern-Niederkell  konnten  die  nachweisbaren
Hexenausschüsse  demnach  mit  den  offenen  Ohren  aller  vier  Herren  (und  ihrer  Vertreter)
  rechnen,  wenn  es  galt,  angeblich  landschädliche  Hexen  zu  verfolgen  und
damit  auch  noch  herrschaftliches  Prestige  zu  gewinnen.
Ein  ähnlicher  Hintergrund  ist  im  Amt  Blieskastel  anzunehmen,  das  von  1553  bis
1634  an  Nassau-Saarbrücken  verpfändet  war.  Innerhalb  des  Amtes  besaßen  auch
noch  andere  Herren  Rechte,  so  beispielsweise  am  fünf  Ortschaften  umfassenden
Hof  Wölferdingen  die  Junker  von  Heimstatt  und  die  Grafen  von  der  Leyen  (Bannrechte)
  sowie  die  Grafen  von  Eberstein  (Vogteirechte)123.  Die  Überlieferung  eines
Hexenprozesses  gegen  vier  Frauen  aus  Wustweiler  (Weiler)  1599  verdankt  sich  einem
  hier  angesiedelten  herrschaftlichen  Kompetenzstreit  in  Strafsachen,  und  es
liegt  nahe,  schon  die  Zulassung  der  Hexereiverfahren  im  herrschaftlich-politischen
Konfliktfeld  zu  sehen,  wie  im  übrigen  auch  die  Fragmente  zu  Hexereiverfahren  aus
Blickweiler  (1570),  Reinheim  (1593)  und  Glanmünchweiler  (1594)124.  Ob  alle  von
Labouvie  angeführten  20  Verfahren12"  im  eigentlich  nassau-saarbrückisch  und
nicht  kurtrierisch  zu  nennenden  Amt  Blieskastel  einen  solche  Hintergrund  haben,
müsste  noch  näher  untersucht  werden.
Gerade  für  das  Kondominium  Merzig-Saargau  und  das  Nalbacher  Tal  zeichnet
sich  ab,  dass  auch  hier  die  Grenzlage  beziehungsweise  die  herrschaftliche  Gemengelage
  einen  möglichen  Hintergrund  der  Verfolgungsverdichtung  ausmachte.  Vor
allem  spielten  Konflikte  zwischen  Lothringen  und  Kurtrier  eine  Rolle120.  Ähnliches
ist  für  die  Abteien  Wadgassen  und  Fraulautern  zu  vermuten,  wo  es  Streitigkeiten
zwischen  den  Saarbrücker  Grafen  und  Lothringen  um  die  Landeshoheit  gab.  15S1
trat  Graf  Philipp  III.  von  Nassau-Saarbrücken  unter  anderem  die  Hoheitsrechte  an

120  Zu  den  Vorgängen  in  St.  Maximin  vgl.  Voltmer,  Einleitung  (wie  Anm.  119);  Dies.,  St.
Maximin,  Prince-abbey  of,  in:  Golden,  Encyclopedia  (wie  Anm.  23),  Bd.  4,  S.  1082-1083.

121  Zu  Zandts  Rolle  in  den  Hexenjagden  der  Stadt  Trier  wie  auch  der  Ämter  Grimburg  und
Pfalzel  vgl.  Voltmer,  Herrschaftskrise  (wie  Anm.  113);  Dies.,  Konspiration  (wie  Anm.
113),  S.  236-238;  Dillinger,  Leute  (wie  Anm.  85),  S.  319-322.
122  Vgl.  Hiegel,  Bailliage  d’Allemagne  (wie  Anm.  34),  S.  194;  Hoppstädter,  Hexenverfolgungen
  (wie  Anm.  33),  S.  241;  Labouvie,  Zauberei  (wie  Anm.  22),  S.  127f.,  143.
123  Krämer,  Hexenverbrennung  (wie  Anm.  40),  S.  41.
124  Krämer,  Hexenprozesse  (wie  Anm.  53),  S.  79-103.
2"  Labouvie,  Rekonstruktion  (wie  Anm.  71),  S.  56.
12(1  Vgl.  Rita  Voltmer,  Die  Hexenverfolgungen  im  Raum  des  Erzbistums  (15.-17.  Jahrhundert),
  in:  Geschichte  des  Bistums  Trier  Bd.  3:  Kirchenreform  und  Konfessionsstaat  1500-1801,
  hg.  von  Bernhard  Schneider,  Trier  2010,  S.  709-749,  hier  S.  735-737.
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.