vertiefende, noch ausstehende Forschungen für die deutschsprachigen Gebiete der
bailliage d’Allemagne an* 93. So weisen hier beispielsweise die Hexerei-Imaginationen
große Unterschiede im Vergleich zu den französischsprachigen Teilen Lothringens
auf4.
Elisabeth Biesel legte mit ihrer 1994 abgeschlossenen und 1997 publizierten
Dissertation zum lothringisehen Amt Dieuze und zur Bischofsstadt Toul eine weitere
wichtige Untersuchung zur Geschichte der lothringischen Hexenverfolgungen
vor’5 96. Ausdrücklich wies sie daraufhin, dass der lothringische Herzog die in Hexereiverfahren
vorgeschriebene Pflicht zur Aktenversendung an den Change de
Nancy nicht nur in den unstrittigen Amtsbezirken benutzte, sondern auch in lehnsabhängigen
Gebieten, in denen er Souveränitätsrechte behauptete, um sie damit
enger in seine Herrschaft einzubinden. Dies betraf insbesondere Herrschaften in
der bailliage d'Allemagne. Wie in der Herrschaft Eppelborn, in der Deutschordenskommende
Beckingen oder in der Herrschaft Püttlingen-Criechingen konnte
dies zu Jurisdiktionskonflikten bei Strafprozessen, insbesondere bei Hexereiverfahren,
führen46.
III. Untersuchungsräume und Datensamples
Würde man versuchen, die Untersuchungsräume von Biesel, Briggs, Dillinger,
Lauer oder Baumgarten - situiert in der Peripherie des von Hoppstädter und Labouvie
etablierten, an den Rändern jedoch diffus bleibenden „Saarraums“ - zu kartieren,
so ließen sich „Überschneidungsräume“ aufzeigen, in denen besonders intensiv
geforscht worden ist und wo die Geschichte der Hexenjagden zumindest in
ihren grundlegenden Fakten (archivalisch nachweisbare Zahl der Verfahren, Namen
der involvierten Personen, beteiligte Hochgerichte und Ämter) geklärt sein
müsste. Leider ist das Gegenteil der Fall. Ein Blick in das kurtrierische Amt Grimburg
mag das verdeutlichen: Hoppstädter trennte unscharf zwischen den Hochgerichten
des Amtes Grimburg und der Herrschaft Dagstuhl und kam auf mindestens
37 hingerichtete Personen97. Labouvie zählte für Grimburg 16 Prozesse98 (wohl nur
bezogen auf den „saarländischen“ Teil des Amtes), während Lauer insgesamt 47
Verfahren in allen Hochgerichten des Amtes feststellte, darunter 18 des kondomi-URL:
http://www.history.ox.ac.uk/staff/robinbriggs/pdf7Map%202%20copy.pdf,
sowie Briggs, Witches (wie Anm. 56), S. 53.
93 Ebd., S. 3f. - Briggs hat das von ihm in jahrelanger, gründlicher Recherche gesammelte
Material zum Herzogtum Lothringen in einer Internet-Datenbank zur Verfügung gestellt:
http://www.history.ox.ac.uk/staff/robinbriggs/index.html.
94 So William Monter, Review of Briggs, Robin, The Witches of Lorraine, in: H-HRE, H-Net
Reviews. May (2009).
URL: http://www.h-net.org/reviews/showrev.php?id=24608. <20. 03. 2012>.
9:1 Elisabeth BIESEL, Hexenjustiz, Volksmagie und soziale Konflikte im lothringischen
Raum, Trier 1997. - Franz Irsigler war Betreuer und Erstgutachter dieser Dissertation.
96 Elisabeth Biesel, Aktenversendung und Instanzenzug. Die Rolle der Hexenverfolgungen
im Herzogtum Lothringen, in: Voltmer, Hexenverfolgung (wie Anm. 82), S. 229-265,
hier S. 243-261.
97 Hoppstädter, Hexenverfolgungen (wie Anm. 33), S. 258-262.
w Labouvie, Rekonstruktion (wie Anm. 71), S. 56.
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