Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

dings  ging  die  Forschung  in  den  benachbarten  Räumen  weiter,  wobei  es  teilweise
zu  Überschneidungen  kam.  So  publizierte  Johannes  Dillinger  1999  seine  im  Jahr
zuvor  abgeschlossene  Dissertation  zu  den  Hexenverfolgungen  in  Kurtrier  und  in
Schwäbisch-Österreich* 82 *.  Zu  den  genuin  kurtrierischen  Ämtern  im  „Saarraum“
konnte  er  keine  wesentlich  neuen  Ergebnisse  vorweisen.  Dies  lag  am  Quellenschwund,
  aber  auch  daran,  dass  Labouvies  Qurisdiktionelle  Definition  der  Untersuchungsgebiete“
  abwich  von  jener,  die  Dillinger  selbst  getroffen  hatte.  So  konnte
er  ihre  Angaben  zu  Prozessen  in  Blieskastel  und  St.  Wendel  „nicht  näher  spezifizieren“86.
  Zu  Blieskastel  griff  Dillinger  auf  das  von  Wolfgang  Krämer  publizierte
  Prozessfragment  zurück87.  Schon  Hoppstädter  hatte  die  Überlieferungslücken
  für  das  Amt  Saarburg  beklagt  und  nur  auf  eine  Hinrichtung  verweisen  können88.
  Dillinger  machte  deshalb  hier  nur  wenige  Ergänzungen89.  Bezüglich  des
Amtes  Grimburg  stützte  er  sich  auf  die  statistischen  Angaben  von  Dittmar  Lauer90.
Robin  Briggs,  englischer  Spezialist  für  die  lothringischen  Hexenverfolgungen,
führte  die  Ergebnisse  von  Hiegel  und  Labouvie  für  den  östlichen,  deutschsprachigen
  Rand  des  Herzogtums  (die  bailliage  d’Allemagne  sowie  das  Kondominium
Merzig-Saargau)  als  Vergleichsmaterial  an91.  Da  seine  Forschungen  kaum  die
deutschsprachigen  Gebiete  Lothringens  berührten,  obwohl  das  office  Vaudrevange
(Amt  Wallerfangen)  neben  Blämont  und  St.  Die  zu  den  verfolgungsintensivsten
Ämtern  gehörte,  kam  es  zu  keinen  Überschneidungen92.  Immerhin  regte  Briggs

Saarpfalz.  Blätter  für  Geschichte  und  Volkskunde  94  (2007),  S.  52-56.  -  Eine  Ausnahme
ist  der  Beitrag  von  Elmar  Schmitt,  Ein  Primsweiler  Hexenprozess  aus  dem  Jahre  1614,
in:  Schmelzer  Heimathefte  16  (2004),  S.  39-71;  hier  wird  ein  bislang  nur  am  Rande  erwähntes
  Verfahren  zur  Kenntnis  gebracht.  Schmitt  (S.  48  und  51)  hängt  dem  inzwischen
enttarnten  Mythos  um  die  angeblichen  „Keltensteine“  auf  dem  Hoxberg  an;  vgl.  grundsätzlich
  Dillinger,  Tradition  (wie  Anm.  37).
82 Johannes  DILLINGER,  „Böse  Leute“.  Hexenverfotgungen  in  Schwäbisch-Österreich  und
Kurtrier  im  Vergleich,  Trier  1999.  -  Die  Arbeit  wurde  betreut  von  Helga  Schnabel-Schüfe
  und  Franz  Irsigler;  Dillinger,  dem  das  Archiv  des  Trierer  Arbeitskreises  mit  den
bis  dahin  erstellten  Transkriptionen  der  Trierer  und  Maximiner  Hexenprozesse  zur  Verfügung
  gestellt  wurde,  ist  auch  gleichzeitig  Mitglied  im  AKIH.
88  Dillinger,  Leute  (wie  Anm  85),  S.  100,  besonders  Anm.  7,
87  Ebd.,  S.  111,  Anm.  25.  Es  handelt  sich  dabei  nicht  um  ein  „fast  vollständig  überliefertes
Prozessprotokoll“,  sondern  lediglich  um  das  protokollierte  Verhör  unter  der  Folter.  Alle
anderen  Teile  fehlen,  es  liegt  noch  nicht  einmal  ein  Urteil  vor.
88  Hoppstädter,  Hexenverfolgungen  (wie  Anm.  33),  S.  237.
89  Zu  Hexereiverfahren  im  Amt  Saarburg  vgl.  auch  Gerhard  Martini,  Etliche  weiber  von
Greimerath  der  zauberey  berüchtiget,  in:  Hochwälder  Geschichtsblätter  5  (1993),  S.  43-45.
911  Dillinger,  Leute  (wie  Anm.  85),  S.  100,  Anm.  7.  -  Während  Labouvie  für  das  Hochgericht
  Dagstuhl/Wadem  48  und  für  Schwarzenburg  (!)  47  Prozesse  zählte,  gab  Lauer  insgesamt
  99  Prozesse  für  die  Hochgerichte  von  Dagstuhl  an,  darunter  56  für  Schwarzenberg-Weierweiler,
  41  für  Dagstuhl-Wadern  und  zwei  im  Hochgericht  Lockweiler;  Labouvie,
  Rekonstruktion  (wie  Anm.  71),  S.  56,  Dittmar  Lauer,  Hexenprozesse  im  Hochwald,
  in:  Franz  und  andere,  Hexenprozesse  (wie  Anm.  71),  S.  59-68,  hier  S.  61.
91  Als  einen  gelungenen  Überblick  zum  Stand  der  Hexenforschung  in  Lothringen  vgl.
Briggs,  Witches  (wie  Anm.  56),  S.  1-5.
92  Vgl.  die  Karte  zur  relativen  Verfolgungsdichte  in  Lothringen:
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