Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

Eindeutiger als Hoppstädter konnte Labouvie die Gemeinden als „Initiatoren 
und Betreiber der ländlichen Hexenverfolgungen“ benennen, wobei die spezifische 
ländliche Hexenvorstellung ein Motor der Hexenjagden bis ins 17. Jahrhundert 
blieb81. Die gleichzeitig erschienene Dissertation von Walter Rummel zu kurtrieri- 
schen Kondominien und zur Hinteren Grafschaft Sponheim vermochte auf einer 
weitaus günstigeren Quellenlage, das Bild der dörflichen Hexenjäger wesentlich zu 
akzentuieren und die politische wie gesellschaftliche Brisanz der Ausschüsse her¬ 
auszuarbeiten: Die lediglich eine durchsetzungstähige Gruppe (oft von „Aufstei¬ 
gern“) innerhalb der Dorfgemeinschaft repräsentierenden Ausschussmitglieder 
nutzten ihre Machtposition und ihre gewonnene lokale Autonomie zum Ausfechten 
innerdörflicher Feindschaften und zur Befriedigung eigennütziger Interessen. 
Rummel betonte außerdem, dass die Hexenausschüsse mit den lokalen Hochge¬ 
richtsherren und Amtleuten oft ein fatales Bündnis eingingen82 83. Labouvie unter¬ 
strich überdies das finanzielle Interesse der Hochgerichtsherren an möglichen Kon¬ 
fiskationen82. 
Aus der Fülle ihrer Forschungen publizierte Eva Labouvie nachgehend eine hier 
nicht zu referierende Vielzahl an Zeitschriften- und Buchbeiträgen, in denen vor 
allen Dingen die „soziale Logik“ des dörflichen Hexenglaubens und die Multi¬ 
funktionalität der Hexereibeschimpfung beziehungsweise der Ausgrenzung und 
Vernichtung bestimmter Dorfgenossen als „Hexen“ mitsamt den genderspezifi- 
schen Konnotationen herausgestellt wurden. Vor dem Hintergrund der bekannten 
Krisen des 16. und 17. Jahrhunderts erhielt der zunächst obrigkeitlich propagierte 
neue Hexenglaube, rezipiert, eingepasst und modifiziert im Rahmen der ländlichen 
Magievorstellungen, eine Anklagen und Prozesse auslösende Relevanz. Zugleich 
räumten Labouvie wie Rummel und andere Vertreter der modernen Hexenfor¬ 
schung dezidiert mit den alten Vorstellungen vom „Hexenwahn“ auf. 
Damit schien die Erforschung der Hexenverfolgungen im „Saarraum“ abge¬ 
schlossen, zumal neue, ungesichtete Quellen kaum zu erwarten blieben84. Aller¬ 
81 Labouvie, Zauberei (wie Anm. 22), S. 260-265. 
Seine bahnbrechenden Beobachtungen übertrug er auf das Kurfürstentum Trier, wo der 
allgemeine Aktenverlust eine gründliche Analyse der Hexenverfolgung ungemein er¬ 
schwert; vgl. unter anderem Walter Rummel, Bauern, Herren und Hexen. Studien zur 
Sozialgeschichte sponheimischer und kurtrierischer Hexenprozesse 1574-1664, Göt¬ 
tingen 1991; Ders., Phasen und Träger kurtrierischer und sponheimischer Hexenverfol¬ 
gungen, in: Hexenglaube und Hexenprozesse im Raum Rhein-Mosel-Saar, hg. von Gün¬ 
ther Franz und Franz Irsiüler, Trier 21996, S. 255-331; Walter Rummel, Das .unge¬ 
stüme Umherlaufen1 der Untertanen. Zum Verhältnis von religiöser Ideologie, sozialem 
Interesse und Staatsräson in den Hexenverfolgungen im Rheinland, in: Rheinische Vier¬ 
teljahrsblätter 67 (2003), S. 121-161, sowie Ders., So mögte auch eine darzu kommen, so 
mich belädiget. Zur sozialen Motivation und Nutzung von Hexereianklagen, in: Hexen¬ 
verfolgung und Herrschaftspraxis, hg. von Rita Voltmer, Trier 2005, S. 205-227. 
83 Labouvie, Zauberei (wie Anm. 22), S. 151-154. 
84 Selbst die neuesten, in heimatkundlichen Zeitschriften erscheinenden Aufsätze beziehen 
sich in der Regel nur auf das schon bereitgestellte Material; vgl. Joachim Conrad, He¬ 
xenverfolgung an der Saar, in: Zur Geschichte des Warndts 2 (2010), S. 17-25; Ludwig 
Hoffmann, Hexenprozesse im kurtrierischen Amt Blieskastel 1570 und 1593, in: 
201
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.