Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

heraum  promovierte^.  Die  sich  als  Beitrag  zur  Sozial-  und  Kulturgeschichte  verstehende
  Arbeit  versuchte  im  „festumrissenen“  Gebiet  des  Naheraums  und  seiner
Territorien  eine  „vollständige  Bestandsaufnahme  des  noch  vorhandenen  Quellenmaterials
  zum  Hexenwahn“  zu  bewerkstelligen.  So  behandelte  Baumgarten
auch  die  Hexenprozesse  am  Hochgericht  Neunkirchen/Nahe  und  edierte  die  vermeintlich
  einzige  überlieferte  Prozessakte  des  Hochgerichts  aus  dem  Bistumsarchiv
  Trier06.  Ebenfalls  den  nördlichen  Teil  des  „Saarraumes“  mit  den  Hochgerichten
  der  späteren  Reichsherrschaft  Dagstuhl  und  dem  kurtrierischen  Amt  Grimburg
behandelte  Dittmar  Lauer,  Mitglied  der  Trierer  Arbeitsgruppe,  in  einer  1988  publizierten
  ersten  Zusammenstellung  der  Verfahren  aus  dem  Hochwald17.
Eva  Labouvie  wollte  ebenfalls  aus  den  Hinweisen  Schormanns  eine  Anregung
zur  Beschäftigung  mit  den  Hexenverfolgungen  im  „Saarraum“  genommen  haben,
ging  aber  in  ihren  Forschungsfragen  weiter:  „Es  geht  jedoch  nicht  um  die  Ausfüllung
  des  von  Schormann  beschriebenen  ,weißen  Fleck(s)  auf  der  Landkarte4.
Vielmehr  ergibt  sich  [...]  die  Möglichkeit,  über  die  reine  Analyse  des  Prozeß-  und
Verfolgungsgeschehens  hinausgehend,  der  Frage  nach  dem  dörflichen  Hexenglauben,
  nach  der  Verfolgungs-  und  Aussagebereitschaft  der  Bevölkerung  sowie  nach
dem  funktionalen  Stellenwert  jenes  auf  Deutungen  und  Interpretationen,  aber  auch
auf  praktischen  Maßnahmen  basierenden  Phänomens  ländlicher  Hexenverfolgungen
  nachzuspüren“65 68.  Auch  stand  nicht  „die  Darstellung  eines  geistesgeschichtlichen
  Phänomens  [...]  im  Mittelpunkt  des  Interesses,  sondern  die  sozialanthropologische
  Analyse  der  Funktion  und  alltagspraktischen  Relevanz  jenes  Glaubens  an
Hexenkräfte,  Schadenzauber  und  an  die  unumgängliche  Vernichtung  überführter
,Zauberscher4  durch  den  Tod  auf  dem  Scheiterhaufen“69.  Beeinflusst  von  den  Ansätzen
  der  anglo-amerikanischen  und  französischen,  sozial-  und  mentalitätsgeschichtlich
  geprägten  Hexenforschung  zwischen  1968  und  197270  suchte  Labouvie

65  So  legt  es  zumindest  eine  Formulierung  im  Vorwort  nahe:  „Bei  der  Auswahl  des  Gebietes
  fiel  die  Wahl  auf  den  Naheraum,  um  damit  den  noch  immer  bestehenden  weißen
Fleck  auf  der  Karte  der  Hexenprozeßforschung  zwischen  Kurtrier,  den  nassauischen
Grafschaften  und  Frankreich  zumindest  zu  verkleinern.“;  Achim  R.  Baumgarten,  Hexenwahn
  und  Hexenverfolgung  im  Naheraum.  Ein  Beitrag  zur  Sozial-  und  Kulturgeschichte,
  Frankfurt  am  Main  1987,  S.  V.
66  Ebd.,  S.  V,  43-55;  Teil  III,  S.  4-22.  -  Laut  Ausweis  des  Literaturverzeichnisses  hatte
Baumgarten  nicht  Hoppstädters  Aufsatz  aus  dem  Jahr  1959  zur  Kenntnis  genommen,  wo
ausführlich  der  Prozessverlauf  gegen  Engel  Anthes  aus  Gonnesweiler  nach  der  Akte  im
Bestand  38  (Dagstuhl)  des  damaligen  Staatsarchivs  Koblenz  beschrieben  wird;  vgl.
Hoppstädter,  Hexenverfolgung  (wie  Anm.  33),  S.  227-232.
Dittmar  Lauer,  Hexenverfolgung  im  Hochwald,  in:  Hochwälderhefte  zur  Heimatgeschichte
  23/24  (1988),  S.  5-168;  Ders.,  Der  Hexenprozeß  des  Matthias  Barten  aus  Noswendel,
  in:  Hochwälder  Geschichtsblätter  8  (1997),  S.  67-74.  -  Vgl.  jetzt  auch  Rita
VOLTMER,  Die  Hexenverfolgungen  im  Hunsrücker  Raum,  in:  Zwischen  Tradition  und
Aufbruch.  Frauen-Geschichte  der  Hunsrück  Region,  hg.  vom  Projekt  Frauenforum,
Simmem  2009,  S.  109-126.
M  Labouvie,  Zauberei  (wie  Anm.  22),  S.  14.
69  Ebd.
70  Ebd.,  S.  9  mit  Anm.  2.  Diese  Forschungsgenese  bezweifelt  Eichhorn,  Geschichtswissenschaft
  (wie  Anm.  4),  S.  273f.
198
            
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