gen Hexenprozessen beschäftigen, wobei er 1969 Hoppstädters Forschungen er-54
ganzte .
Der Archivar und Landeshistoriker Henri Hiegel* 55 58 stützte - darin Kurt Hoppstädter
vergleichbar - sein materialreiches zweibändigen Werk zur Bailliage
d’Allemagne (erschienen 1961 und 1968) ebenfalls auf intensive Archivrecherchen.
Mitglied im Historischen Verein für die Saargegend sowie zwischen 1952
und 1985 regelmäßiger Teilnehmer an den Sitzungen der Kommission für saarländische
Landesgeschichte und Volksforschung, hat er sich dann auch mit den einschlägigen
Hexenverfolgungen beschäftigt, die bis dahin schon vorliegenden Forschungen
(darunter Hoppstädter und Delcambre76) resümiert und für die Zeit nach
1600 zahlreiche Ergänzungen aus den reichhaltigen, jedoch disparaten Beständen
in den Archives départementales de Meurthe-et-Moselle gemacht. Es gelang ihm
damit eine erste Zusammenstellung der Verfahren aus den zu Lothringen gehörenden
offices (zum Beispiel Sierck, Schaumberg, Siersberg, Wallerfangen) beziehungsweise
den mitverwalteten Kondominien (zum Beispiel Merzig-Saargau) oder
lothringischer Souveränität unterstellten Gebieten (zum Beispiel das Nalbacher
Tal)5 . Wenn auch übersichtliche Tabellen mit Daten, Namen und Archivbelegen
zu den jeweiligen Amtsbezirken fehlen, so lieferte Hiegel doch zumindest mit den
Bestandsangaben die für weitergehende Forschungen so wichtigen archivalischen
Fundstellen mit. Insgesamt ermittelte er 484 Hinrichtungen (darunter 337 Frauen).
Nach seiner Einschätzung zählten die Ämter Sierck (31), Siersberg (18) und
Schaumberg (39) wie auch der Saargau (16) zu denjenigen Regionen, in denen die
Hinrichtungsquote - bezogen auf die räumliche Ausdehnung der Gerichtsbezirke -
vergleichsweise schwach ausgefallen zu sein schien. Lediglich in Wallerfangen
(Vaudrevange), dem Hauptort der bailliage, ergaben seine Recherchen 55 Hinrichtungen'8.
Er bezeichnete die Verfolgungen als eine „crise démonopathique“,
die vor dem Hintergrund schwerer politischer, religiöser, ökonomischer und sozialer
Probleme zu verstehen sei. AufSeiten der konkret Verantwortlichen benannte
4 Georg Colesie, Hexenprozesse am Hochgericht Nalbach, in: Zeitschrift für die Geschichte
der Saargegend 17/18 (3 969/70), S. 229-237. - Colesie (1915-2000) wurde 1988
mit dem Kulturpreis für Heimatpflege und Heimatforschung des Landkreises Saarlouis
ausgezeichnet (Angaben nach http://www.saarland-biografien.de).
55 Zu seiner Biographie vgl. Eugène Voltz, Henri Hiegel (1910-2001), in: Mémoires de
l'Académie nationale de Metz 41 (2002), S. 41-59.
56 Etienne Delcambre, Le concept de la sorcellerie dans le duché de Lorraine aux XVIe et
XVIIe siècles, 3 Bde., Nancy 1948, 1949, 1951; Ders., Les procès de sorcellerie en Lorraine.
Psychologie des juges, in: Revue d’histoire du Droit 21 (1953), S. 389-419; Ders.,
La psychologie des inculpés lorrains de sorcellerie, in: Revue historique du droit français
et étranger 32 (1954), S. 383-403, 508-526. - Der 1961 verstorbene Direktor der Archives
départementales Meurthe-et-Moselle lieferte leider weder eine verwertbare Auflistung
der von ihm konsultierten Prozessakten noch den Versuch einer tiefergehenden Interpretation;
vgl. Robin Briggs, The Witches of Lorraine, Oxford 2007, S. 2f.
57 Hiegel, Bailliage d’Allemagne (wie Anm. 34), S. 188-222.
58 Ebd., S. 218.
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