Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

sehen  Sprachraum  sammeln  sollte4  .  Bis  1944  suchten  die  elf  Mitarbeiter,  allesamt
Mitglieder  der  SS,  in  über  260  Archiven  und  Bibliotheken  nach  den  Spuren  der
Hexenprozesse,  werteten  dabei  sowohl  Akten  als  auch  Forschungsliteratur  aus  und
füllten  mehr  als  33.000  Karteiblätter.  Diese  „Hexenforscher“  gingen  stets  getarnt
zu  Werke,  gaben  sich  bei  den  Archivbesuchen  als  „harmlose“  Heimatforscher,
Studenten  oder  Promovenden  aus.  Vertreter  des  Sonderauftrages  kamen  übrigens
im  Sommer  1936  auch  in  das  damalige  Staatsarchiv  Koblenz,  in  das  Stadtarchiv
Trier  und  in  das  Bistumsarchiv  Trier42 43,  wo  sie  auf  die  dort  lagernden  Akten  von
Hexenprozessen,  die  den  „Saarraum“  betreffen,  gestoßen  sein  müssen.  Nach  Gerhard
  Schormann,  der  als  erster  auf  die  Meta-Quelle  der  Hexenkartothek  hingewiesen
  hat,  scheinen  sie  aber  nicht  viel  Material  gefunden  zu  haben44 *.
Dies  korrespondiert  mit  den  seit  dem  Ende  des  19.  Jahrhunderts  laut  gewordenen
  Klagen:  Von  den  vielen  vermuteten  Hexereiverfahren  waren  nur  mehr  wenige
Akten  erhalten  geblieben.  Herrschaftliche  Zersplitterung,  die  den  „Saarraum“  besonders
  hart  treffenden  Verwüstungen  des  30-jährigen  Krieges,  nachfolgende  Wirren
  wie  auch  absichtliche  Kassation  hatten  die  genuinen  Hexenprozessakten  offensichtlich
  bis  auf  wenige  Exemplare  vernichtet^.
Erst  1959  gelang  Kurt  Hoppstädter  eine  erste  Gesamtsicht  der  „Hexenverfolgungen
  im  saarländischen  Raum“46.  Zu  diesem  Zeitpunkt  war  der  Mitbegründer
der  Arbeitsgemeinschaft  für  geschichtliche  Landeskunde  im  Historischen  Verein
für  die  Saargegend  bereits  als  Mitglied  in  die  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte
  und  Volksforschung  berufen  worden  (1951),  schon  mehrere  Jahre
korrespondierendes  Mitglied  der  Section  d’histoire  de  Luxembourg  und  seit  1955
Geschäftsführer  des  Historischen  Vereins  für  die  Saargegend.  Im  Jahr  1959  sollte
er  außerdem  in  den  Beirat  des  Instituts  für  Landeskunde  des  Saarlandes  berufen
werden47.  Mit  Akribie  machte  Hoppstädter  sich  an  die  Zusammenstellung  der  aus
Archiven  und  älterer  Literatur  auffindbaren  Hinweise  auf  Hexereiverfahren.  Seinen
Untersuchungsraum  gliederte  er  dabei  nach  den  „saarländischen  Territorien“,  be-42

  Vgl.  dazu  die  Beiträge  in:  Himmlers  Hexenkartothek.  Das  Interesse  des  Nationalsozialismus
  an  der  Hexenverfolgung,  hg.  von  Sönke  Lorenz,  Dieter  R.  Bauer,  Wolfgang  Behrigner
  und  Jürgen  Michael  Schmidt,  Bielefeld  1999.
4'  Walter  Rummel,  Die  Erforschung  der  sponheimischen  und  kurtrierischen  Hexenprozeßakten
  durch  Mitglieder  des  „H-Sonderauftrags“.  Anspruch  und  Wirklichkeit,  in:  Lorenz
  und  andere,  Hexenkartothek  (wie  Anm.  42),  S.  143-164,  hier  S.  15  lf.
44  Gerhard  Schormann,  Hexenprozesse  in  Deutschland,  Göttingen  1981,  hier  2.  Autl.
1986,  S.  69.
43  Zur  Quellenlage  vgl.  auch  Eva  Labouvie,  „Gott  zu  Ehr,  den  Unschuldigen  zu  Trost  und
Rettung  ...“.  Hexenverfolgungen  im  Saarraum  und  in  den  angrenzenden  Gebieten,  in:
Hexenglaube  und  Hexenprozesse  im  Raum  Rhein-Mosel-Saar,  Trier  1995,  S.  389-403,
hier  S.  39lf.
46  Hoppstädter,  Hexenverfolgungen  (wie  Anm.  33).  Ein  Jahr  später  erschien  der  Aufsatz
noch  einmal  in  gekürzter  und  überarbeiteter  Form:  Kurt  Hoppstädter,  Hexenwahn  und
Hexenprozesse,  in:  Geschichtliche  Landeskunde  des  Saarlandes.  Vom  Faustkeil  zum
Förderturm,  Bd.  1,  hg.  von  Kurt  Hoppstädter  und  Hans-Walter  Herrmann,  Saarbrücken
  1960,  S.  214-228,  333-334.
4  Angaben  nach  http://www.saarland-biografien.de.
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