Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Irsigler  existiert  der  Forschungsschwerpunkt  „Hexenverfolgungen“  am  Fach  Geschichte
  weiter13.
Mit  dem  Blick  nach  Tübingen  und  Trier  wird  jedoch  allzu  leicht  vergessen,  dass
auch  Richard  van  Dülmen  (Saarbrücken),  als  er  die  Professur  für  die  Geschichte
der  Frühen  Neuzeit  mit  besonderer  Berücksichtigung  der  Landesgeschichte14 *  an
der  Universität  des  Saarlandes  innehatte,  die  Ansätze  der  historischen  Anthropologie
  mit  der  Methodik  der  „klassischen“  Landesgeschichte  so  programmatisch  wie
erfolgreich  zu  verbinden  vermochte.  Deutlich  wird  dies  unter  anderem  an  der  von
ihm  initiierten  Saarbrücker  Ausstellung  „Hexenwelten.  Magie  und  Imagination
vom  16.-20.  Jahrhundert“  des  Jahres  1987,  an  deren  Begleitband  auch  seine  beiden
Schüler  Eva  Labouvie  und  Wolfgang  Behringer  mitwirkten".  Im  gleichen  Jahr  erschien
  Wolfgang  Behringers  Dissertation  zu  den  Hexenverfolgungen  in  Südostdeutschland
  (vorzugsweise  zum  Herzogtum  Bayern),  welche  die  richtungweisende
Darstellung  von  H.  C.  Erik  Midelfort  zu  den  Hexenjagden  in  Südwestdeutschland
wesentlich  ergänzen  und  eine  lange  Reihe  nachfolgender  Regionalstudien  anführen
sollte16.
Landesgeschichte  und  internationale  Hexenforschung  gingen  damit  eine  überaus
fruchtbare  Symbiose  ein.  Dieser  erfolgreiche  Paradigmenwechsel  war  nicht  zuletzt
durch  das  gestiegene  öffentliche  Interesse  am  Thema  initiiert  worden,  getragen  von
der  Frauen-  und  Studentenbewegung,  der  Auseinandersetzung  mit  dem  Justizunrecht
  der  NS-Diktatur  sowie  der  Beschäftigung  mit  Menschenrechts-  und  Toleranzfragen
  7.
Auch  wenn  es  landesgeschichtliche  Lehrstühle  waren,  die  der  professionellen
Hexenforschung  eine  erste  universitäre  Heimat  boten,  so  wird  dieses  Faktum  wis¬13

  Die  internationale  Zusammenarbeit  wird  weiterhin  groß  geschrieben;  verwiesen  sei  hier
nur  -  neben  meiner  Publikationsliste  (http://www.uni-trier.de/index.php?id:=24020)  -  auf
die  gemeinsam  mit  dem  an  der  Université  du  Luxembourg  angesiedelten  Projekt  „Historische
  Wortbildung  des  moselfränkisch-luxemburgischen  Raumes“  (Heinz  Sieburg,  Britta
  Weimann)  veranstaltete  Tagung  „Wissenstransfer  -  Interdisziplinäre  Zugänge  zur
Vermittlung  von  Magie-  und  Zauberei-Imaginationen“  (13.-15.  Oktober  2011)  sowie  den
Forschungsaufenthalt  von  Liv  Helene  Willumsen  (Universität  Tromso)  von  August  bis
Dezember  2011  in  Trier  zur  Vorbereitung  eines  gemeinsamen  Projekt-  und  Publikationsvorhabens.

14  So  laut  Protokoll  der  offiziellen  Gedenkfeier  zum  Tode  Richard  van  Dülmens;  vgl.
http://www.uni-protokolle.de/nachrichten/id/93172/.  Wolfgang  Behringer  spricht  in  seinem
  Nachruf  von  einer  Abteilung  Landeskunde  des  Lehrstuhls  Frühe  Neuzeit;  vgl.
http://www.uni-saarland.de/fak3/behringer/HP/nachruf_rvd.html.
1  Hexenwelten.  Magie  und  Imagination,  hg.  von  Richard  van  Dülmen,  Frankfurt  am  Main
1987.
16  In  einem  Überblick  zum  Stand  der  frühneuzeitlich  orientierten  Landesgeschichte  Altbayerns
  wird  die  Dissertation  Behringers  unter  dem  Stichwort  „Lebensformen“  eindeutig  als
regional-  beziehungsweise  landesgeschichtliche  Arbeit  im  besten  Sinne  eingestuft;  Maximilian
  Lanzinner,  Patient  Landesgeschichte?  Neuere  Forschungen  zur  Geschichte
(Alt-)Bayerns  in  der  Frühen  Neuzeit,  in:  Buchholz,  Landesgeschichte  (wie  Anm.  1),  S.
133-144,  hierS.  139f.
1  So  Eichhorn,  Geschichtswissenschaft  (wie  Anm.  4),  S.  256-268.
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