Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

nen  Aufruf  an  alle  Pfarrer,  ihren  Untertanen  die  Boten  zu  empfehlen  8.  Es  wurde  in
der  späteren  Spitalsgasse  an  der  Ringmauer  errichtet.
Und  erst  von  1523  datiert  der  Erstbeleg  für  eine  der  hl.  Anna  geweihte  Hospitalkapelle
  in  Wallerfangen  9.
Die  zeitliche  Verteilung  der  Erstbelege  für  Hospitäler  im  Einzugsbereich  der
Saar  entspricht  durchaus  der  Phasenverteilung,  die  im  Gesamtraum  zwischen  Maas
und  Rhein  beobachtet  werden  konnte78 80:

Erstbeleg

Saargebiet

Rhein-Maas-Raum

bis  1179

3

11,1%

78

14,4%

1180-1349

16

59,3%

274

51,9%

1350-1500

8

29,6%

178

33,7%

Ungewöhnlich  ist  nur  die  große  Lücke  zwischen  1342  und  1411,  während  der
kein  neues  Hospital  in  den  Quellen  auftaucht.  Das  im  Eisass  beobachtete  Gründungshoch
  im  zweiten  Jahrzehnt  des  14.  Jahrhunderts  lässt  sich  im  Saargebiet  nicht
feststellen.
Im  Überblick  zeichnet  sich  die  Hospitälerlandschaft  des  Saarlandes  dadurch  aus,
dass  sie  von  isoliert  liegenden  Hospitälern  oder  Klosterhospizen  dominiert  wurde
(mindestens  elf  Hospitäler,  vier  weitere  vor  einer  Stadt),  die  zum  Teil  schon  im
12.,  vor  allem  aber  im  13.  Jahrhundert  nachzuweisen  sind,  während  städtische  Hospitäler
  eher  selten  und  spät  gegründet  wurden,  so  dass  nicht  einmal  alle  Kleinstädte
des  Raumes  damit  ausgestattet  waren.  Von  den  27  berücksichtigten  Einrichtungen
wurden  zehn  von  Klöstern  getragen,  fünf  von  einer  Deutschordenskommende  und
nur  zwei  sicher  von  einer  Stadtgemeinde.
Gerade  die  Hospitäler,  die  vom  Deutschen  Orden  verwaltet  (nicht  gegründet)
wurden,  häufen  sich  im  Untersuchungsraum,  dem  man  die  benachbarten  Häuser  in
Metz  und  Einsiedel  bei  Kaiserslautern  noch  hinzuzählen  muss.  Entlang  der  Straße
von  Metz  nach  Worms  standen  sie  in  Metz,  Narbefontaine,  Saarbrücken,  Einsiedel
bei  Kaiserslautern  und  an  der  Straße  von  Metz  nach  Straßburg  außer  in  Metz  noch
in  Mitterswald  (?)  und  Sarrebourg81,  Das  sind  immerhin  sechs  der  zehn  zwischen
Rhein  und  Maas  lokalisierten  Deutschherrenhospitäler82.
Hervorzuheben  ist  des  Weiteren  die  Rolle  des  Adels  im  Saargebiet,  insbesondere
  der  Grafen  von  Saarbrücken,  von  Saarwerden  und  von  Zweibrücken,  als  Stif¬78

  Urkundenbuch  zur  Geschichte  der  ehemals  Pfalzbayerischen  Residenzstadt  Zweibrücken,
hg.  von  Ludwig  Molitor,  Zweibrücken  1888  (ND  Osnabrück  1974),  Nr.  54  (12.5.1480);
vgl.  Karl  Baas,  Mittelalterliche  Gesundheitspflege  im  Gebiet  der  heutigen  Rheinpfalz,
in:  Zeitschrift  für  die  Geschichte  des  Oberrheins  88  (1936),  S.  72-102,  hier  S.  86.
9  Herrmann,  Städte  im  Einzugsbereich  der  Saar  (wie  Anm.  3),  S.  314.
80  Siehe  Pauly,  Peregrinorum  (wie  Anm.  2),  S.  41-50,  auch  zur  Begründung  der  Phaseneinteilung.

81  Pauly,  Peregrinorum  (wie  Anm.  2),  S.  300;  Klein,  Das  Saarbrücker  Spitalwesen  (wie
Anm.  9),  S.  183f.;  vgl.  Karl  Schwingel,  Die  Bedeutung  der  Straße  Metz-Mainz  im  nassau-saarbrückischen
  Reichsgeleit,  in:  Aus  Geschichte  und  Landeskunde.  Forschungen
und  Darstellungen  Franz  Steinbach  zum  65.  Geburtstag  gewidmet  von  seinen  Freunden
und  Schülern,  Bonn  1960,  S.  561-579.
82  Pauly,  Peregrinorum  (wie  Anm.  2),  S.  104;  den  dort  genannten  neun  Einrichtungen  ist
jene  im  Mitterswald  mit  einem  Fragezeichen  (siehe  Anm.  28  und  29)  hinzuzufügen.
182
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.