Im heutigen Saarland ist das älteste Hospital auf Stadtgebiet6, das erst 1290 in
Saarbrücken belegte Deutschherrenhospital63 64 65, das aber möglicherweise älter ist,
denn Graf Simon III. von Saarbrücken schenkte dem Orden schon 1227 den Baugrund66
und nach Hanns Klein weisen auch Erkenntnisse der Baudenkmalforschung
daraufhin, dass das Schiff der vor 1248 erbauten St.-Elisabeth-Kapelle ursprünglich
der Krankensaal war66. Nach 1300 ist allerdings keine Hospitaltätigkeit
mehr nachgewiesen. Hanns Klein zufolge hat Graf Simon III. (1207-1245) auch
das Heilig-Kreuz-Hospital außerhalb der westlichen Vorstadt Saarbrückens gestiftet67,
obschon ein urkundlicher Beleg erst für 1440 vorliegt. Einer Urkunde von
1466 zufolge wurde das Hospital von der Hofgesindebruderschaft St. Georg getragen,
die sich unter dem Vorsitz des Grafen von Saarbrücken aus Hof- und Lehnsleuten
zusammensetzte68. Es lag an der Straße nach Saint-Avold und Metz, an der
etliche der vorgenannten Hospitäler sich in isolierter Lage aufreihten. Weil sich
dieses Hospital zur Versorgungsanstalt der Gesindebruderschaft und anderer wohlhabender
Bürger entwickelt habe, meint Hanns Klein, stiftete 1424 der Bürger
Eschberges Hensel ein weiteres Hospital in der Saarbrücker Neugasse: zu eyme
spidal und allen pilgerynen und armen luden, die des noitdurftig sint, zu einer
hirbirgen. Die Stiftung wurde 1463 von Graf Johann III. von Nassau-Saarbrücken
bestätigt69. Es kann nicht ausgeschlossen werden, dass diese Hospitalgründung eine
Reaktion auf die Verpfründung des Hl.-Kreuz-Spitals darstellte, das zunehmend
besser gestellten Bürgern als „Seniorenheim“ diente, während Arme und Passanten
dort nicht (mehr) aufgenommen wurden. Eine solche Entwicklung lässt sich
vielerorts im 15. Jahrhundert beobachten70 *.
Ähnlich lautete die Begründung, als am 19. August 1455 Junker Johann von
Oppenheim und Tryne ihr Haus mit Scheuern, Höfen und Begriff der Kirche und
Stadt St. Wendel als Spital übertrugen, so wie sie das schon begonnen hatten zu
tun: zu eyme ewigen spital und herberg armer elender lüde ... zu husen und zu her¬63
Nicht aufgenommen wurde in meine Liste ein Hospital beim Kollegiatstift St. Arnual.
Klein, Das Saarbrücker Spitalwesen (wie Anm. 9), S. 181f., nennt zwar eine ganze Reihe
logischer Gründe, warum er die frühe Existenz eines solchen dort annimmt, doch den
Quellenbeleg bleibt er nach eigenen Aussagen wegen der „tristen Quellenlage“ schuldig.
64 BURG, Regesten Wadgassen (wie Anm. 24), Nr. 251. Der Beleg wurde übersehen bei
Klein, Das Saarbrücker Spitalwesen (wie Anm. 9), S. 183, und Herrmann, Städte im
Einzugsbereich der Saar (wie Anm. 3), S. 296, die den Erstbeleg auf 1296 datieren.
65 MRUB III, Nr. 334; Hennes, UB Dt. Orden II (wie Anm. 13), Nr. 30.
66 Klein, Das Saarbrücker Spitalwesen (wie Anm. 9), S. 183.
67 Ebd. S. 188-189. In den Augen von Kurt-Ulrich JÄSCHKE, Saarbrücken im Hochmittelalter,
in: Geschichte der Stadt Saarbrücken. Von den Anfängen zum industriellen Aufbruch
(1860), Bd. 1, hg. von Rolf Wittenbrock, Saarbrücken 1999, S. 159-198, hier S.
194, ist in einer undatierten Urkunde aus dem Zeitraum 1200-1236 sowie in einer von
1219 die Hospitalkapelle gemeint.
68 Klein, Das Saarbrücker Spitalwesen (wie Anm. 9), S. 186f.
69 Klein, Das Saarbrücker Spitalwesen (wie Anm. 9), S. 190f.
11 Michel Pauly, Von der Fremdenherberge zum Seniorenheim: Funktionswandel in mittelalterlichen
Hospitälern an ausgewählten Beispielen aus dem Maas-Mosel-Rhein-Raum,
in: Funktions- und Strukturwandel spätmittelalterlicher Hospitäler im europäischen
Vergleich, hg. von Michael Matheus (Geschichtliche Landeskunde, 56), Stuttgart
2005, S. 101-116.
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