Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

An  der  neueren,  den  Warndtwald  südlich  umgehenden  Parallelstraße  gab  es
Hospitäler  bei  der  Abtei  von  Longeville,  in  Sankt  Avold  und  in  Hombourg-Bas15 *.
Für  das  Kloster  St.-Martin-de-Glandieres  bei  Longeville-lez-Saint-Avold  (Lübeln)
ist  die  Gründungsurkunde  des  hospitale  pauperum  cristi  von  1220  sogar  überliefert;
  der  Abt  nennt  unumwunden  einen  Ministerialen  als  Urheber  der  Stiftung,  der
dem  Konvent  Betten,  Bettzeug  und  Leichentücher  sowie  Eigenbesitz  im  Umkreis
von  einer  Meile  hinzufugte10.  Als  sich  1303  Abt  und  Konvent  über  die  Zuweisung
verschiedener  Einkünfte  an  das  Hospital  stritten,  wird  es  zwar  als  Infirmarium  bezeichnet17,
  es  scheint  jedoch  von  Anfang  an  ein  regelrechtes  Hospital  gewesen  zu
sein,  das  schon  1223  in  der  päpstlichen  Bestätigungsbulle  als  solches  bezeichnet
wurde18,  wie  auch  die  zahlreichen  Schenkungen  zu  seinen  Gunsten  zeigen19 20.  Bei
der  benachbarten  Abtei  von  Saint-Avold  (Sankt  Nabor)  wurde  das  Hospital  erst
1313  durch  Abt  Johann  gegründet,  in  einem  Haus,  das  er  zu  diesem  Zweck  von  den
Testamentsvollstreckern  eines  kürzlich  verstorbenen  Bürgers  gekauft  hatte*9’.  Diese
Umstände  lassen  keinen  Zweifel  daran,  dass  vorher  keine  entsprechende  Anstalt
bestand,  obschon  der  Abt  in  der  Arenga  betonte,  dass  Armenfürsorge  zu  den
Mönchspflichten  gehöre.  Trotzdem  verschwand  das  Hospital  schon  gegen  Mitte
des  Jahrhunderts  nach  seiner  Zerstörung  bei  der  Belagerung  durch  die  Grafen  von
Salm-Rodenmacher  im  Kampf  gegen  den  Bischof  von  Metz21.  Dafür  wurde  1427
von  einem  Händlerehepaar  ein  neues  gegründet,  das  dank  zusätzlicher  Immobilienschenkungen
  von  Seiten  anderer  Stadtbürger  sehr  schnell  einen  ansehnlichen
Grundbesitz  ansammelte  und  Kredite  vergeben  konnte22,  aber  wohl  nicht  wie  alle
bisher  genannten  Institutionen  in  erster  Linie  Reisenden  diente.  Die  späte  Grün¬15

 Zu  Hombourg-Bas  siehe  unten  zu  Anm.  61.
Bibliothèque  nationale  de  France  [künftig:  BnF],  ms.  lat.  10030,  fol.  XXXVHIbis,  col.  2
-  fol.  XXVIII1,  col.  1.  Henri  Tribout  de  Morembert,  Le  temporel  de  l’abbaye  de  Longeville-lès-Saint-Avold
  au  Moyen  Age,  in:  Annuaire  de  la  Société  historique  et  archéologique
  de  Lorraine  77  (1977),  S.  73-94,  hier  S.  83,  nennt  irrtümlicherweise  1215  als
Gründungsjahr.
1  AD  Moselle  H  1028:  Kartular  des  17.  Jh.,  S.  279f.  (super  censibus  assignatis  inßrmariae).

!s  26.5.1223:  Honorius  III.  bestätigt  abbati  et  conventui  monasterii  s.  Martini  Glanderiensis
ecclesiam  de  Helimere  (...)  et  hospitale  de  Longavilla  cum  pertinent  iis  suis  sicut  ea  omnia
  canonice  et  pacifice  possidetis  (AD  Moselle,  Hl  123;  Wolfram,  Ungedruckte  Kaiser-Urkunden
  der  Metzer  Archive,  in:  Annuaire  de  la  Société  historique  et  archéologique
de  Lorraine  1  (1888-89),  S.  149-161,  Nr.  51;  Clément  Schmitt,  Le  Bullaire  de  l’abbaye
Saint-Martin-des-Glandières  à  Longeville-lès-Saint-Avold  (1163-1756),  in:  Les  Cahiers
Lorrains  1988,  S.  379-386,  Nr.  7);  28.9.1223:  ebenso  nur  fürs  Hospital  (BnF,  ms.  lat.
10030,  P  3v°;  Schmitt,  Bullaire,  Nr.  8).
19  BnF,  ms.  lat.  10030;  AD  Moselle  H  1025:  rotes  Kartular,  Anfang  15.  Jh.;  AD  Moselle  H
1028:  Kartular  aus  dem  17.  Jh.
20  AD  Moselle,  H  4684/1  (7.7.1313);  vgl.  Hans-Walter  Herrmann,  Réflexions  sur  le  développement
  urbain  de  la  ville  de  Saint-Avold,  in:  Les  Cahiers  Lorrains  2004/3,  S.  167-185,
  hier  S.  183;  Pascal  Flaus,  Assistance  et  santé  à  Saint-Avold  des  origines  à  la  guerre
de  Trente  Ans,  in:  Annales  de  l’Est  1997,  S.  3-29,  hier  S.  4;  Herrmann,  Städte  im  Einzugsbereich
  der  Saar  (wie  Anm.  3),  S.  309.  Klein,  Das  Saarbrücker  Spitalwesen  (wie
Anm.  9),  S.  180,  Anm.  10,  schreibt  das  1313  erstmals  belegte  Hospital  der  Stadt  zu.
21  Flaus,  Assistance  et  santé  à  Saint-Avold  (wie  Anm.  20),  S.  4.
22  Ebd.  S.  5f.
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