Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

eben  definierten  Saargebiet  nur  27  berücksichtigt4.  Das  sind  immerhin  noch  zwölf
Hospitäler  mehr  als  Hans-Walter  Herrmann  erfasst  hat,  doch  hatte  dieser  sich  auf
städtische  Institutionen  beschränkt.  So  sehr  ein  Hospital  auch  zur  Grundausstattung
einer  mittelalterlichen  Stadt  gehörte5,  so  wenig  darf  man  aber  das  mittelalterliche
Hospitalwesen  auf  die  Städte  reduzieren.  Die  Bedeutung  beider  Typen  lässt  sich  in
der  Saargegend  dies-  und  jenseits  der  heutigen  Staatsgrenzen  leicht  verdeutlichen.
Obschon  die  älteste  Urkunde  aus  dem  Rhein-Maas-Mosel-Raum,  das  Testament
von  Adalgisel  Grimo  vom  30.  Dezember  6346,  ganz  zentral  auch  die  Saargegend
betrifft  und  in  dem  Text  13  der  26  Bestimmungen  die  Armenfürsorge  betreffen,
liegen  die  beschenkten  Institutionen  der  sozialen  Sicherung  alle  außerhalb  des  hier
untersuchten  Raums,  oder  anders  ausgedrückt:  bei  der  von  Adalgisel  Grimo  gegründeten
  Kommunität  in  Tholey  wird  trotz  der  ausführlichen  Zugehörigkeitsangaben
  weder  im  Testament  noch  in  einer  späteren  Quelle  ein  Hospiz  oder  ein  Infirmarium
  erwähnt.
Im  Untersuchungsraum  ist  das  1123  genannte  Infirmarium  des  am  Oberlauf  der
Saar  liegenden  von  der  Abtei  Marmoutier  abhängigen  Priorats  Saint-Quirin  die  älteste
  nachweisbare  Institution7 *.  Es  muss  aber  auch  für  Passanten  offen  gestanden
haben,  denn  noch  1278  und  1326  sorgten  die  jeweiligen  Metzer  Bischöfe  für  eine
Aufbesserung  der  Einnahmen  durch  Vereinigung  des  St.-Nikolaus-Hospitals  mit
dem  Priorat*.  Grund  für  die  starke  Frequentierung  des  Hospitals  war  eine  nahe  gelegene
  Wunderquelle.
Von  den  Grafen  Folmar  von  Saarwerden  (1131-1166)  und  Dietrich  von  Homburg
  (1120-1155)  wurde  das  Hospiz  in  Vogelbach  gestiftet,  einer  von  der  Zister¬4

  Nicht  behandelt  werden  in  diesem  Beitrag  -  wie  bei  Herrmann  -  die  Hospitäler  an  der
oberen  Seille,  auch  wenn  sie  auf  dem  Kartenausschnitt  eingetragen  sind.
Michel  Pauly,  Hospitäler  im  Mittelalter  -  wo  und  ab  wann  gehörte  das  Hospital  zur
Stadt?,  in:  Was  machte  im  Mittelalter  zur  Stadt?  Selbstverständnis,  Außensicht  und  Erscheinungsbilder
  mittelalterlicher  Städte.  Vorträge  zum  gleichnamigen  Symposium  vom
30.  März  bis  2.  April  2006  in  Heilbronn,  hg.  von  Kurt-Ulrich  JÄSCHKE  und  Christhard
Schrenk  (Quellen  und  Forschungen  zur  Geschichte  der  Stadt  Heilbronn,  18),  Heilbronn
2007,  S.  245-269.
6  Zum  Testament  siehe  den  lateinischen  Wortlaut  bei  Wilhelm  Levison,  Das  Testament
des  Diakons  Adalgisel-Grimo  vom  Jahr  634,  in:  Trierer  Zeitschrift  7  (1932),  S.  69-85;
Camille  Wampach,  Urkunden-  und  Quellenbuch  zur  Geschichte  der  altluxemburgischen
Territorien  bis  zur  burgundischen  Zeit  [künftig:  UQBL],  10  Bde.,  Luxemburg  1935-55,
hier  UQBL  I,  Text  Nr.  4;  Neuedition  mit  Übersetzung  bei  Hans-Walter  Herrmann,  Das
Testament  des  fränkischen  Adligen  Adalgisel  Grimo.  Ein  Zeugnis  merowingerzeitlichen
Lebens  an  Saar,  Mosel  und  Maas,  in:  Studien  und  Mitteilungen  zur  Geschichte  des  Benediktinerordens
  96  (1985),  S.  264-276;  zur  neuesten  Textrekonstruktion  und  Interpretation
Franz  Irsigler,  Gesellschaft,  Wirtschaft  und  religiöses  Leben  im  Obermosel-Saar-Raum
zur  Zeit  des  Diakons  Adalgisel  Grimo,  in:  Hochwälder  Geschichtsblätter  1  (1989),  S.  5-18.
  Vgl.  dazu  in  diesem  Band  den  Beitrag  von  Brigitte  Kasten.
Actes  des  princes  lorrains,  2e  série:  Princes  ecclésiastiques,  I.  Les  évêques  de  Metz,  B.
Étienne  de  Bar  1120-1162,  éd.  p.  Michel  Parisse,  Nancy,  s.  d.,  Text  Nr.  8.
x  Memorandum  zur  Abteigeschichte  aus  dem  17.  Jh.  in  AD  Meurthe-et-Moselle,  H  303;
vgl.  Henri  Lepage,  L’ancien  diocèse  de  Metz  et  pouillés  de  ce  diocèse,  Nancy  1872,  S.
124.
172
            
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