Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Gustav  Adolf  war  jener  patruus,  auf  den  die  Butzbacher  Inschrift  anspielt.  Unverkennbar
  versucht  sie,  zwischen  dem  heroischen  Ende  des  Onkels  und  dem
frühen  Tod  des  Neffen  eine  gedankliche  Verbindung  herzustellen:  Angeblich  hatte
Karl  Siegfried  noch  versucht  (vellet),  dem  Schwerverletzten  wieder  in  den  Sattel  zu
helfen,  und  unmittelbar  nach  der  Schlacht  soll  er  sich  aus  Erschöpfung  jenes
Lungenleiden  zugezogen  haben,  an  dem  er  zwei  Jahre  später  verstarb.  Warum  ihn
gerade  in  Butzbach  der  Tod  ereilte,  ist  aus  den  Quellen  nicht  zu  erschließen.  Auch
das  Kirchenbuch  weiß  lediglich,  dass  er  „von  Weilburg  krank  hieher“  kam.  Als
nassauische  Residenz  könnte  Weilburg  dem  chronisch  Kranken  als  Erholungsort
gedient  haben;  warum  er  aber  von  dort  in  Richtung  Butzbach  aufbrach,  muss
letztlich  offen  bleiben.
Die  Grabinschrift,  die  die  trauernden  Eltern  ihrem  früh  verstorbenen  Sohn
setzen  ließen,  verdient  es,  dem  Vergessen  entrissen  zu  werden.  Sie  ist  ein  eindrucksvolles
  Zeugnis  dynastischen  Selbstverständnisses,  zugleich  aber  auch  ein
menschlich  bewegendes  Dokument,  das  schlaglichtartig  verdeutlicht,  wie  in  einer
Zeit  gespaltener  Loyalitäten  selbst  engste  Verwandte  zu  Feinden  werden  konnten.

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