Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

Organisation:  Von  der  Geschäftsordnung  zur  Satzung
Die  Funktionsweise  der  neu  gegründeten  wissenschaftlichen  Forschungseinrichtung
  wurde  in  der  Verordnung  vom  7.  Juni  1951  in  elf  Paragraphen  geregelt,  in  der
linken  Spalte  in  deutscher,  in  der  rechten  in  französischer  Sprache.  Organe  der
Kommission  sollten  ihre  Mitglieder  und  ein  Kuratorium  sein.  Die  Mitglieder  der
Kommission,  nicht  mehr  als  dreißig,  sollten  fürs  erste  von  der  Landesregierung
„aus  dem  Kreise  der  wissenschaftlichen  Forscher  auf  dem  Gebiete  der  saarländischen
  Landesgeschichte  und  Volkskunde“  berufen,  im  Weiteren  aber  von  der  Versammlung
  der  Mitglieder  selbst  auf  Vorschlag  des  Kuratoriums  gewählt  werden  (§
1).  Das  erstmals  von  der  Landesregierung  zu  bestellende  Kuratorium,  bestehend
aus  dem  Vorsitzenden,  dessen  Stellvertreter,  dem  Geschäftsführer  und  zwei  Beisitzern,
  von  denen  einer  ein  Vertreter  der  Landesregierung  sein  musste,  hatte  folgende
  Obliegenheiten:  a)  die  Vorbereitung  der  Mitgliederversammlung,  b)  die
Vorschläge  für  die  Neuwahl  von  Mitgliedern,  c)  die  Bestellung  von  wissenschaftlichen
  Mitarbeitern,  d)  die  Aufstellung  des  Arbeitsplanes  und  seine  Bekanntgabe  an
die  Mitgliederversammlung,  e)  die  Vergebung  [!]  von  Forschungsaufträgen  an  die
Mitarbeiter,  f)  die  Kontrolle  der  Arbeiten,  g)  die  Aufstellung  eines  Haushaltsvoranschlages
  spätestens  bis  zum  15.  Juni.  Die  Einflussnahme  der  Regierung  war
dadurch  gesichert,  dass  das  Ministerium  für  Kultus,  Unterricht  und  Volksbildung,
dessen  Geschäftsbereich  die  Kommission  zugeordnet  war,  die  gewählten  Mitglieder
  bestätigte  (§  1),  das  Kuratorium  nach  Anhörung  der  Mitgliederversammlung  in
einem  dreijährigen  Turnus  neu  bestellte  (§  2)  und  den  vom  Kuratorium  erstellten
Haushalt  genehmigte  (§  3).
Diese  Struktur  ist  auch  in  der  heutigen  Organisation  noch  erkennbar,  obwohl
sich  die  Kommission  Anfang  der  60er  Jahre  als  eingetragener  Verein  konstituierte.
Aus  dem  Kuratorium  wurde  ein  Vorstand,  der  von  der  Mitgliederversammlung  alle
drei  Jahre  gewählt  wird.  Die  Mitglieder  ergänzen  sich  selbst  unter  Berücksichtigung
  der  Vorschläge  des  Vorstands.  Einige  der  genannten  Aufgaben  des  Kuratoriums
  sind  auch  die  des  heutigen  Vorstands  (a,  b,  d,  g).  Eine  Einflussnahme  der
Regierung  auf  die  personelle  Zusammensetzung  der  Kommission  ist  heute  nicht
mehr  vorgesehen.  Da  die  Kommission  einen  Zuschuss  der  Regierung  erhält,  ist
dieser  allerdings  Rechenschaft  über  die  Haushaltsführung  abzulegen.
Die  Umwandlung  der  Kommission  in  einen  eingetragenen  Verein  wurde  notwendig,
  als  1959  das  Institut  für  Landeskunde  gegründet  und  beim  Kultusministerium
  angesiedelt  wurde".  Da  in  der  Landesverwaltung  nicht  zwei  Dienststellen  mit

11 Die  näheren  Umstände  der  Gründung  einer  Einrichtung  mit  nahezu  identischer  Zielsetzung
  wären  eine  eigene  Untersuchung  wert.  Bereits  bei  Gründung  der  Kommission
gab  es  erhebliche  Irritationen  beim  Historischen  Verein  für  die  Saargegend  und  die  Befürchtung
  von  Mitgliederüberschneidungen,  Doppelarbeit  und  Zersplitterung  der  staatlichen
  Zuschüsse,  dazu  JÄSCHKE,  Gründungszeit  (wie  Anm.  5),  S.  33-42.  1959  äußerte
Eugen  Meyer  dann  auch  Bedenken  hinsichtlich  einer  Überorganisation  auf  landesgeschichtlichem
  Gebiet,  vgl.  Herrmann,  Eugen  Meyer  (wie  Anm.  5),  S.  77.  Aber  1959,
wie  auch  schon  1951,  wusste  man  eine  beide  Seiten  befriedigende  Aufgabenteilung  zu
finden:  Das  Institut  klammerte  bei  seinen  landeskundlichen  Forschungen  das  Feld  der
Historie  im  engeren  Sinn  aus  und  überließ  es  der  Kommission.  Zudem  kam  es  zu  personellen
  Verschränkungen:  Der  Schweizer  Hektor  Ammann,  von  1957/58  bis  1963  Professor
  für  Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte  an  der  Universität  Saarbrücken  und  Direktor
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