wig persönlich bei Friedrich vorstellig geworden war, nahm der Fürst diesen sogar
in seine Dienste auf und sah von einem Einschreiten in der Sache ab"2.
In der Zwischenzeit waren Bärbel von Ottenheim und Graf Jakob von Lichtenberg
wieder miteinander in Kontakt getreten. Da Ludwig seinen Bruder entgegen
dem Vertrag vom Juni 1462 in der Ausübung seiner Herrschaft wie oben geschildert
behinderte, sah dieser sich auch nicht an die Bärbel betreffende Klausel
gebunden"2. Um ihren angeschlagenen Ruf wiederherzustellen, bestätigte Jakob
1462 und nochmals 1464 urkundlich, dass Bärbel in der Vergangenheit stets mit
seinem Wissen und in seinem Auftrag gehandelt hatte"4. Ebenfalls 1464 überschrieb
er ihr auch noch die ihm überlassene Hälfte des Stephansfelder Hofes, wo
sie fortan gemeinsam lebten"5. Dies und die Tatsache, dass Jakob mit einigen Verbündeten
1463 versuchte, militärisch gegen seinen Bruder vorzugehen, um seine
verletzte Ehre wiederherzustellen und wieder in seine frühere Herrschaftsstellung
zu gelangen, sah nun Ludwig wiederum als doppelten Vertragsbruch an"6. Erneut
kam es zu kämpferischen Auseinandersetzungen zwischen den Brüdern.
Die Streitigkeiten zogen sich noch bis zur endgültigen Entmachtung Jakobs im
März 1466 hin. Dabei wurden immer wieder unterschiedliche Schlichter für den
Bruderzwist vorgeschlagen, so unter anderen Kurfürst Friedrich I. von der Pfalz,
Herzog René I. von Lothringen oder die Verwandten, die schon 1462 geschlichtet
hatten. Jakob agierte allerdings nach dem Vergleich von 1462 immer aus der
schwächeren Position heraus, vor allen Dingen nachdem er 1463 wegen mehrerer
Streitfälle in die Reichsacht getan worden war"7. Dies nahmen dann Meister und
Rat der Stadt Straßburg auch mehrfach zum Anlass auf Beschwerdebriefe Jakobs
von Lichtenberg zu antworten, einem Geächteten seien sie in keiner Weise
52 Dazu Battenberg/Metz, Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7), Nr. 3870, 3870a,
3873-3881,3888,3889.
53 Lempfrid, Bärbel (wie Anm. 3), S. 57.
"4 [...] als uns die ersame Bärbel von Ottenheim in unserm dienst getruwelichen gedient
hat, und ouch als sie in unsern slössern und herrsehaft geregieret und gepflegen, ouch
unser gelt und gut von unserm geheiss und empfelhe verhandelt hat, und nu etliche
sprechen, sie habe ein solichs one unsern wissen und willen geton, dass, was sü do geton,
und wie sich das gemacht [...] mit unserm guten wissen und willen ouch geheiss und
empfehle gehandelt [...] und uns ouch von des regemenz und handeis wegen, sü in unser
herrsehaft von unserm empfehle wegen geton hat, ein ganz vollkommen genügliche
rechnung genügen geben [...], zitiert nach LEMPFRID, Bärbel (wie Anm. 3), S. 57 und
Battenberg/Metz, Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7), Nr. 3903 und Nr. 4058.
55 Wir Jacob [...] tun kunt qffelichen [...] das wir umbe soliche getruwe dienste, so uns die
ersame Bärbel von Ottenheim unser dienerin bitzhar geton und bewisen hat [...] und
gebent ouch [...] mit einem halme usser unser hant und gewalt reht [...] der
obengenanten Bärbeln von Ottenheim [...] in ihr hant und gewalt den halben hof mit dem
gehuse, stellen, garten und hofstetten, daran die obgenant Bärbel vor den iiberigen
halben hat, mit allen und iclichen sinen begriffen, witen, rehten und zugehörungen, als
der gelegen ist in der stat Hagenowe [...] und darzu alles das, was wir in dem egenanten
hofe und gehuse habent, es sie husrat, früh/, kleinoter und anders klein und gross [...],
zitiert nach Lempfrid, Bärbel (wie Anm. 3), S. 88, ebd. S. 57 und Battenberg/Metz,
Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7), Nr. 4076.
Dazu Battenberg/Metz, Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7), Nr. 3973.
57 Ebd. Nr. 3991-4005.
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