Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar

Bärbel blieb es überlassen, wann und auf welche Weise sie Maßnahmen zur Ver¬ 
größerung ihres Besitzes in Angriff nahm. Weitere Hilfestellung leistete Jakob 
nicht ganz ein Jahr später, indem er den Konvent des Heiliggeist-Spitals in Hage¬ 
nau, dessen Vögte die Herren von Lichtenberg waren, bat, ihm und seiner treuen 
Dienerin Bärbel einen Hof in der Stadt zu lebenslanger Nutznießung zu überlassen. 
So war schon einmal ein geeigneter Ort zur Unterbringung der Bärbel zugespro¬ 
chenen Habe besorgt. Ludwig von Lichtenberg gab als Mitvogt im Juni 1461 
urkundlich seine Zustimmung zu dieser Übertragung’6. 
2. Der Buchsweiler Weiberkrieg und seine Folgen 
Da Bärbel von Ottenheim schon seit einigen Jahren mit der Verwaltung von Jakobs 
Gütern betraut war, ihre administrativen Tätigkeiten aber, abgesehen von der vagen 
Formulierung in der oben angeführten Schenkung, in den Quellen keinen Nieder¬ 
schlag gefunden haben, muss es im darauffolgenden Jahr eine einschneidende Ver¬ 
änderung in ihrem Vorgehen gegeben haben. Offensichtlich bemühte sich Bärbel 
darum, das zur Beschaffung der geschenkten Mobilien nötige Kapital aus den lich- 
tenbergischen Gütern zu erwirtschaften und wandte dabei Methoden an, die Lud¬ 
wig von Lichtenberg Anlass gaben, sich massiv in die Angelegenheiten seines Bru¬ 
ders einzumischen. Er fürchtete wohl durch eine von Bärbel allzu intensiv betrie¬ 
bene Ausschöpfung der liehtenbergischen Ressourcen eine langfristige Schädigung 
des Familienbesitzes, der schließlich aufgrund von Jakobs Kinderlosigkeit erst in 
sein und nach Ludwigs Tod in das Erbe seiner beiden Töchter Anna und Elisabeth 
eingehen sollte’7. 
Wie im Folgenden noch ausführlich zu beschreiben sein wird, ist es Ludwig 
durch Verbreitung einer schlechten Presse vor allem in Briefen an den Straßburger 
Rat nachhaltig gelungen, Bärbel für die Geschehnisse des Jahres 1462 verantwort¬ 
lich zu machen, so dass Bernhard Hertzog etwa hundert Jahre nach den Ereignissen 
in seiner Chronik festhielt, wie die Geliebte des Lichtenberger Grafen die Unter¬ 
tanen ihres Gönners hartherzig in die Fron gezwungen haben soll. Dort heißt es: 
Dises unehelich weit [...] thet anno 1462 den armen leut viel zu leidt [...] und 
mussten die armen leut ir alle woch in der fron arbeiten [...] und wann dann 
solches geschähe, gab man ihnen kein kosten [...] und wer ein wort wider sie redet 
und sie desselben inen wart, der musste in den thurn. Nun begab sich dass sie zwo 
frawen in den thurn legte, gienge die eine mit einem kindt. Das gieng ir in dem 
thurn ab. Item sie ließ weiber an das halßeisen stellen, so groß kinds giengen. Was 
darauf geschah, beschrieb Hertzog wie folgt: Als sie nun abermalen einen 
frontagen gebotte und die von Bußweiler es nimmer gethun mochten, da giengen 
sie zusamen unnd wurden zu rhat unnd schichkten zu irem herren und klagten ime 
alle noth, wie sie die uneheliche fraw ungebürlich hielte, das kondten sie nicht 
36 Wir Ludwig herre zu Lichtenberg bekennen uns mit disem briefe, als der meister und 
convent des huses zu Steffensfeld unserm lieben bruder Jacoben [...] und Bärbeln von 
Ottenheim siner dienerin das huss und den hof gelegen in der stat zu Hagenowe hi den 
barßissen irer beider leptagen lang gegeben haben [...] und uswiset, dass das mit unserm 
guten willen, wissen und geheile zugegangen ist [...], zitiert nach Lempfrìd, Bärbel (wie 
Anm. 3) S. 79 und S. 48 und Battenberg/Metz, Lichtenberger Urkunden (wie Anm. 7) 
Nr. 3809. 
Eyer, Territorium (wie Anm. 2), S. 36 und S. 108. 
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