Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

nisterium  auch  das  Kultusministerium  übernommen  hatte,  die  Kultusbehörde  nur
politisch  leitete,  und  Meyer  „im  Kultusbereich  weitgehend  freie  Hand  ließ“7.  Auch
dem  Übergangskabinett  Welsch  und  der  „Heimatbundregierung“  von  Hubert  Ney
gehörte  Eugen  Meyer,  der  zeitlebens  parteilos  blieb  und  auch  nicht  der  Nationalsozialistischen
  Arbeiterpartei  Deutschlands  angehört  hatte,  als  Direktor  des  Kultusministeriums
  an.  Ab  1955  spielte  er  als  Vertreter  des  Kultusministers  eine  wichtige
Rolle  bei  der  Neugründung  des  Saarländischen  Rundfunks.  Zeitweise  war  er  dessen
  Geschäftsführer.  Von  April  1957  bis  Herbst  1959  fungierte  er  als  stellvertretender
  Vorsitzender  des  Verwaltungsrates.  Vom  1.  Juli  1959  bis  zu  seinem  Tod  am
29.  August  1972  war  er  deutsches  Vorstandsmitglied  der  Europäischen  Rundfunkund
  Femseh  AG,  die  den  vom  Saarland  (Berus  bei  Saarlouis)  aus  sendenden  privaten
  französischen  Rundfunksender  Europa  1  betrieb.
Vielfältig  ist  auch  Eugen  Meyers  ehrenamtliches  Engagement.  Dazu  gehörten
seine  Mitgliedschaften  in  den  Historischen  Kommissionen  von  Westfalen,  Brandenburg
  und  schließlich  des  Saarlandes,  seine  Tätigkeit  als  Redakteur  des  Korrespondenzblattes
  der  deutschen  Geschichts-  und  Altertumsvereine  (ab  Jahrgang  83,
1936,  umbenannt  in  Blätter  für  deutsche  Landesgeschichte)  und  als  Schriftführer
des  Gesamtvereins  der  deutschen  Geschichts-  und  Altertumsvereine,  ln  seiner  Saarbrücker
  Zeit  zählte  er  mit  zu  den  Begründern  der  Vereinigung  der  Freunde  der  Universität
  des  Saarlandes,  zeitweise  war  er  ihr  Geschäftsführer,  und  er  fand  auch  noch
Zeit,  den  Vorsitz  der  Volkshochschule  Saarbrücken  zu  übernehmen  (1956-1960).
Schon  unmittelbar  nach  Aufnahme  seiner  Lehrtätigkeit  in  Saarbrücken  ließ  Eugen
  Meyer  Ministerpräsident  Johannes  Hoffmann,  den  er  aus  der  gemeinsamen
Schulzeit  am  Friedrich-Wilhelm-Gymnasium  in  Trier  kannte,  eine  Denkschrift  zukommen
  Über  die  Organisation  der  saarländischen  Landes-  und  Volksforschung  .
„Sie  zielte  auf  nichts  Geringeres  als  die  staatliche  Gründung  einer  Historischen  Kommission
  und  die  Schaffung  eines  saarländischen  Staats-  und  Landesarchivs  ...  “* 9.
Nur  wenige  Monate  nach  Übernahme  des  Amtes  eines  Direktors  des  Ministeriums
für  Kultus,  Unterricht  und  Volksbildung  erfolgte  die  Gründung  der  Kommission
für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung  als  einer  staatlichen  Stelle
mit  dem  Auftrag  die  Geschichte,  einschliesslich  der  Sozial-  und  Wirtschaftsgeschichte,
  sowie  die  Volkskunde  des  Saarlandes  wissenschaftlich  zu  erforschen  und
insbesondere  die  Quellen  der  Geschichte  des  Landes  und  Volkes  in  einer  den  Forderungen
  der  Wissenschaft  entsprechenden  Weise  herauszugeben.  Darüber  hinaus
erhielt  die  Kommission  die  Aufgabe,  das  nichtstaatliche  Archivgut  des  Landes  und
die  sonstigen  schriftlichen  Denkmäler  der  Landesgeschichte  [...]  pflegerisch  zu  betreuen.
  Zur  Erfüllung  dieser  Aufgabe  sollte  sie  staatliche  Vollmachten  erhalten10.

Herrmann,  Eugen  Meyer  (wie  Anm.  5),  S.  77;  Heinrich  Küppers,  Bildungspolitik  im
Saarland  1945-1955  (Veröffentlichungen  der  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte
  und  Volksforschung  14),  Saarbrücken  1984,  S.  206  beschreibt  Meyers  Amtsführung
  als  unpolitisch  und  weniger  gestaltend  als  vielmehr  verwaltend  „im  Geist  der  strengen
  und  gerechten  Maßstäbe,  die  für  ihn  ...  als  Archivbeamter...  verbindlich  waren“.
*  Jäschke,  Gründungszeit  (wie  Anm.  5),  S.  23.
9  Ebd.  S.  30.
10  Amtsblatt  des  Saarlandes  (wie  Anm.  1),  S.  831.

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