Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

seinem  Sohn  einige  Lehen24.  Lise  musste  Hannemann  verlassen.  Wer  den  Vertrag
brechen  würde,  sollte  aller  seiner  bischöflich-straßburgischen  Lehen  verlustig
gehen  und  von  den  Verwandten  der  jüngeren  Linie  mit  Waffengewalt  zur  Raison
gebracht  werden.  Hannemann  ließ  jedoch  nicht  von  seiner  Geliebten,  ln  einem
Brief  bat  er  den  Vetter  Simunt,  Geld,  das  König  Karl  IV.  ihnen  beiden  schuldete,  in
Empfang  zu  nehmen  und  Hannemanns  Anteil  an  Lise  und  ihre  Kinder  weiterzugeben”5.
  1352  ging  Hannemann  sogar  soweit,  seine  Ehefrau  Jutta  und  den  Sohn
Heinrich  zu  verstoßen  und  von  seiner  Burg  zu  vertreiben,  um  Lise  und  ihre  Kinder
wieder  zu  sich  zu  nehmen.  Mit  vereinigter  Macht  belagerten  darauf  Heinrich,
Emicho  von  Leiningen  und  die  Lichtenberger  Vettern  den  Eidbrüchigen  auf  seiner
Burg.  Hannemann  wurde  besiegt  und  von  den  Verbündeten  eingekerkert.  Seine
Geliebte  Lise  stürzten  sie  aus  einem  hochgelegenen  Fenster  der  Burg.26  Erst  nach
einem  Jahr  erlangte  Hannemann  die  Freiheit  wieder.  Den  Kindern  aus  seiner  Verbindung
  mit  Lise  von  Steinbach  hatten  seine  Gegner  nichts  zuleide  getan.  Seine
Älteste  Agnes  konnte  Hannemann  mit  dem  Ritter  Götz  von  Grostein  vermählen.
Mit  dem  Einverständnis  Heinrichs  setzte  er  ihr  eine  Mitgift  von  700  Pfund  Straßburger
  Pfennigen  aus27.  Kunigunde  und  Adelheid  wurden  mit  Renten  ausgestattet
und  als  Nonnen  im  Kloster  Stephansfeld  aufgenommen”8.
Bärbel  von  Ottenheim
1. Bärbel  von  Ottenheim  und  Graf  Jakob  im  Bart
Im  Gegensatz  zu  Lise  von  Steinbach,  von  der  wir  außer  den  wenigen,  oben  bereits
geschilderten  Fakten  nichts  wissen,  bleibt  Bärbels  Herkunft  und  Gestalt  nicht  völlig
  im  Dunkeln.  Sie  wurde  zwischen  1430  und  1435  im  rechtsrheinischen  Ottenheim
  geboren,  wohl  als  Tochter  eines  kleinen  Handwerkers.  Seit  mindestens  1450,
wahrscheinlich  aber  schon  früher,  stand  sie  in  den  Diensten  der  Lichtenberger,  erst
im  Straßburger  Hof  der  Familie  in  der  Brandgasse  und  später  bei  Jakobs  Verwalter
in  Buchsweiler29.
Jakob  von  Lichtenberg  betraute  die  junge  Frau,  nachdem  seine  Ehefrau  Walburga,
  eine  geborene  Gräfin  von  Mörs  und  Saarwerden  im  Jahr  1450  gestorben  war,
mit  der  Verwaltung  seines  eigenen  Haushalts.30 *  Bernhard  Hertzog  vermerkte  dazu
in  seinem  Chronikon  Alsatiae:  nach  diser  Gräffin  absterben  dieweil!  sie  ihme  keine
Kinder  verließ  nam  er  ein  Concubinam  Bärbel  von  Ottenheim  genant  zu  sich,  mit
deren  hielt  er  zu  Buchsweiler  [...]  Haus  Über  Bärbels  adligen  Gönner  selbst
wusste  der  Chronist  Specklin  Seltsames  zu  berichten.

^  Battenberg/Metz,  Lichtenberger  Urkunden  (wie  Anm.  7),  Nr.  594.
25  Ebd.  Nr.  678;  Eyer,  Territorialgeschichte  (wie  Anm.  22),  Nr.  324.
J:'  Lehmann,  Urkundliche  Geschichte  (wie  Anm.  2),  S.  59.
2  Battenberg/Metz,  Lichtenberger  Urkunden  (wie  Anm.  7),  Nr.  738.
28  Lehmann,  Urkundliche  Geschichte  (wie  Anm.  2),  S.  60.
”9  Ernstotto  Graf  zu  Solms-Laubach,  Bärbel  von  Ottenheim,  Frankfurt  am  Main  1936,  S.
9  und  Lempfrid,  Bärbel  (wie  Anm.  3),  S.  44f,
Ebd.
Bernhard  Hertzog,  Chronikon  Alsatiae.  Edelsasser  Chronik  und  ausführliche  Beschreibung
  des  untern  Elsases  am  Rheinstrom,  Straßburg  1592,  Fünftes  Buch,  S.  32.

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