Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

erlosch  1480  das  Geschlecht  der  Lichtenberger  und  fiel  an  die  Schwiegersöhne
Ludwigs  V.,  die  Grafen  Philipp  von  Hanau  und  Simon  Wecker  von  Zweibrücken"0.
Lise  von  Steinbach
Anfang  des  15.  Jahrhunderts  schrieb  der  Chronist  Jacob  Twinger  von  Königshofen
über  einen  Zwist  in  der  Familie  der  Lichtenberger:  Do  men  zalte  1352  jor,  do
vermohete  her  Hanneman  von  Liehtenberg  sine  biderbe  eliche  frowe,  und  die  was
eine  von  Lyningen,  und  hing  sich  an  ein  unehlich  böse  wip  genant  ver  Lyse,  und
machte  mit  der  vii  kint,  knaben  und  döhter  [...]  dis  verdros  hem  Heinrichen  von
Liehtenberg  des  vorgenanten  hern  Hannemans  sun,  und  grofe  Emichen  von
Lyningen  der  elichen  frowen  bruoder,  und  vingent  die  vorgenante  frowe  Lyse"'.
Das  Jahr  1352  stellte  allerdings  schon  das  Ende  der  hier  geschilderten
Ereignisse  dar.  Johann  II.  aus  der  älteren  Linie  der  Lichtenberger,  den  die  Quellen
oft  einfach  Hannemann  nennen,  nahm  Lise  von  Steinbach  schon  etliche  Jahre
früher  als  seine  Geliebte  zu  sich.  Urkundlich  fassbar  wird  diese  Frau  erstmals
1345.  Ihr  adliger  Gönner  überschrieb  Lise  und  seinen  mit  ihr  gezeugten  unehelichen
  Töchtern  Agnes,  Adelheid  und  Kunigunde  je  einen  Hof  in  Uttweiler  und
Buchsweiler,  eine  Mühle,  sowie  den  dazugehörigen  Zehnten,  sämtliche  Wiesen,
Äcker  und  Reben  in  Hattmat  und  noch  weitere  Güter  aus  dem  lichtenbergischen
Besitz* 22 *.  Bedenkt  man  die  Tatsache,  dass  Lise  Hannemann  zu  diesem  Zeitpunkt
schon  drei  Töchter  geboren  hatte  -  von  Söhnen  wissen  die  Quellen  nichts  -  kann
man  davon  ausgehen,  dass  sie  schon  seit  einigen  Jahren  seine  Geliebte  war.  Etwa
ein  Jahr  nach  der  Übertragung  dieser  Güter  verbündete  sich  Heinrich,  Hannemanns
Sohn  aus  der  Ehe  mit  Jutta  von  Leiningen,  mit  dem  Bruder  seiner  Mutter,  Graf
Emicho  von  Leiningen,  um  seinen  Vater  zu  befehden.  Im  Zuge  der  Auseinandersetzungen
  gelang  es  diesen  beiden,  Lise  und  ihre  Kinder  gefangenzunehmen.
Über  die  folgenden  Ereignisse  berichtet  Jacob  Twinger:  Do  wurdent  sü  erbetten,
das  sü  sü  liessent  gon,  und  dotent  sü  versweren,  das  sü  niemer  me  kerne  zuo  her
Hanneman  [...]  doch  brach  sü  den  eyt  [...]  und  mähte,  das  die  eliche  frowe  und  ir
elichen  kint  wurdent  usgetriben  und  sü  und  ir  kint  alleine  bi  her  Hannemann
blibent.  Herumb  der  vorgenante  grofe  von  Lyningen  und  her  Heinrich  von
Liehtenberg  fuorent  mit  iren  helfern  uf  die  bürg  Liehtenberg,  und  vingent  hern
Hannemann  von  Liehtenberg  und  wurfent  frowe  Lyse  zuo  eime  venster  us  abe  der
bürge  zuo  tode  [...]2i.
Bischof  Berthold  II.  von  Straßburg  (1328-1353)  erreichte  eine  Aussöhnung  der
beiden  Parteien.  Am  29.  Oktober  1346  schlossen  Hannemann  und  Heinrich  vor
dem  Bischof  und  weiteren  Zeugen,  darunter  auch  die  Brüder  Johann,  Ludwig  und
Simunt  von  Lichtenberg  aus  der  jüngeren  Linie  und  Graf  Emicho  von  Leiningen,
einen  Vertrag.  Beide  gelobten,  sich  fürderhin  gegenseitig  nicht  zu  enterben  oder
ihre  Besitzungen  zu  entfremden.  Hanneman  verpflichtete  sich  darüber  hinaus,  die
Gefangennahme  von  Lise  weder  heimlich  noch  öffentlich  zu  rächen,  und  übergab

2IJ  Eyer:  Territorium  (wie  Anm.  2),  S.  97f.;  Reichsland  (wie  Anm.  10),  S.  573.
21  Jacob  Twinger  (wie  Anm.  5),  S.  803f.
22  Fritz  Eyer,  Regesten  einer  Territorialgeschichte  der  Herren  von  Lichtenberg,  Gilbhaud
1943,  Nr.  268.  Lehmann,  Urkundliche  Geschichte  (wie  Anm.  2),  S.  56f.
Jacob  Twinger  (wie  Anm.  5),  S.  804.
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