Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

gefallen  und  erst  1950  wieder  zugelassen  worden.  Er  musste  seine  Aufgaben  nach
dem  Krieg  erst  wieder  neu  bestimmen4.
In  dieser  Situation  erhielt  das  damals  teilautonome  Saarland,  das  wirtschaftlich
an  Frankreich  angeschlossen  war,  mit  der  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte
  und  Volksforschung  eine  eigene  wissenschaftliche  Forschungseinrichtung
  nach  dem  Vorbild  Historischer  Kommissionen  anderer  deutscher  Landschaften,
  heute  an  den  Bundesländern  orientiert.  Deren  Arbeitsweise  kannte  der  Initiator
und  erste  Vorsitzende  der  Kommission,  Prof.  Dr.  Eugen  Meyer  (Vorsitzender
1952-1965,  danach  Ehrenvorsitzender),  aus  eigener  Anschauung,  hatte  er  doch  der
Historischen  Kommission  für  Westfalen  angehört  (während  seiner  Tätigkeit  als
Staatsarchivdirektor  in  Münster  1932-1939)  und  der  Historischen  Kommission  der
Mark  Brandenburg  (berufen  am  6.  März  1942  während  seiner  Zeit  als  außerordentlicher
  Professor  für  historische  Hilfswissenschaften  an  der  Universität  in  Berlin)5.
Der  im  saarländischen  Püttlingen  am  17.  Februar  1893  geborene  Eugen  Meyer
war  die  treibende  Kraft  bei  der  Gründung  der  Kommission.  Als  er  im  November
1948  an  die  Universität  in  Saarbrücken  berufen  wurde6 *,  konnte  er  schon  auf  ein  erfolgreiches
  Berufsleben  zurückblicken,  das  er  1921  im  Archivdienst  begonnen  und
1939  als  Universitätslehrer  in  Berlin  fortgesetzt  hatte.  In  Saarbrücken  nahm  er  nach
einem  Gastsemester  im  Winter  1949  mit  dem  Sommersemester  1950  seine  Tätigkeit
  als  ordentlicher  Professor  für  Geschichte  des  Mittelalters  auf  (emeritiert  30.
März  1961).  Im  Saarland  sollte  dieser  archivarisch-wissenschaftlichen  Karriere
noch  eine  weitere  in  der  saarländischen  Kultusverwaltung  folgen.  In  das  zweite
Kabinett  Hoffmann  (14.4.1951-23.12.1952)  wurde  Eugen  Meyer  als  Direktor  des
Ministeriums  für  Kultus,  Unterricht  und  Volksbildung  berufen.  Als  solcher  hatte  er
die  tatsächliche  Verantwortung,  während  Erwin  Müller,  der  neben  dem  Justizmi¬4

  Vgl.  Jahrgang  37  (1989)  der  Zeitschrift  für  die  Geschichte  der  Saargegend,  der  aus  Anlass
  seines  150-jährigen  Bestehens  ganz  der  Geschichte  des  Historischen  Vereins  gewidmet
  ist  und  in  zahlreichen  Einzelstudien  die  Geschichte  des  Vereins  vor  allem  im  19.
und  zu  Beginn  des  20.  Jahrhunderts  beleuchtet,  sowie  im  vorliegenden  Band  den  Beitrag
von  Gabriele  B.  Clemens.
Zur  Biographie  Eugen  Meyers  vgl.  Hans-Walter  Herrmann,  Eugen  Meyer  1893-1972.
Eine  biographische  Skizze,  in:  Saarheimat  17  (1973),  S.  74-79;  Kurt-Ulrich  Jäschke,
Die  Gründungszeit  der  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte  und  Volksforschung,
  in:  Forschungsaufgabe  Industriekultur.  Die  Saarregion  im  Vergleich,  hg.  von
Hans-Walter  Herrmann,  Rainer  Hudemann  und  Eva  Kell  unter  Mitarbeit  von  Alexander
  König  (Veröffentlichungen  der  Kommission  für  Saarländische  Landesgeschichte  und
Volksforschung  37),  Saarbrücken  2004,  S.  24-29  mit  stärkerer  Berücksichtigung  von
Meyers  Tätigkeit  als  Wissenschaftler,  gedacht  als  Ehrenrettung  angesichts  der  „harschen
Kritik“  durch  Meyers  Saarbrücker  Kollegen  Walter  Mohr.
6  Zu  Meyers  Beweggründen,  sich  um  die  Berufung  an  die  neu  gegründete  Saarbrücker
Universität  zu  bemühen  vgl.  seine  Briefe  an  seinen  1939  nach  Amerika  emigrierten  Studienfreund
  und  Berliner  Kollegen  Ernst  Posner,  erstmals  ediert  von  Wolfgang  MÜLLER,
„Eine  Pflegestätte  des  Geistes,  der  die  Enge  zu  überwinden  sucht  und  nach  europäischer
Weite  strebt“  -  Impressionen  zur  Geschichte  der  Universität  des  Saarlandes,  in:  „Grenzen“
  ohne  Fächergrenzen:  Interdisziplinäre  Annäherungen,  hg.  von  Bärbel  Kuhn,  Martina
  Prrz  und  Andreas  Schorr  (Annales  Universitatis  Saraviensis,  Philosophische  Fakultäten
  26),  St.  Ingbert  2007,  S.  265-302,  hier  S.  287-299  unter  der  Überschrift  „Einen  Weg
zur  Überwindung  von  Grenzen  zu  finden“  -  Die  Berufung  Eugen  Meyers  an  die  Universität
  des  Saarlandes  1948-1949.

16
            
Waiting...

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.