Jahrhundert eine Differenzierung der Aufgaben zwischen Amtmann und Kellner,
von Ausnahmen abgesehen, in der Regel noch nicht kannte. Davon zu separieren
sind Zollrechnungen. Ein anderer territorialer Rechnungstyp ist im Zusammenhang
mit Fehde und Krieg entstanden; dazu gehören Kriegszugs-, Verlust- und Mannschaftsberechnungen.
Baurechnungen sind schließlich eine weitere Gruppe. In den
Rechnungen des Kirkeler Kellers finden sich ganze Rubriken, die sich dem Bauwesen
zuordnen lassen, und vereinzelt auch militärische Betreffe. Bestandteil der
Kirkeler Rechnungen ist ferner der pfalz-zweibrückische Geleitzoll an der Königsstraße,
der in Limbach erhoben wurde.
Ein Großteil spätmittelalterlicher Territorialrechnungen ist auf Burgen entstanden.
Diese geben Auskunft über den Rechnungsführer und die Besatzung der Burg
beziehungsweise das Personal des Amtes und weisen somit die Burg als zentralen
Ort für Herrschaft, Verwaltung, Personal, Wirtschaft und Kommunikation aus14.
Außerdem enthalten die Rechnungen zahlreiche Informationen zu Fronarbeiten,
Handwerkern und ihren verschiedenen Gewerken, Weinbau, Getreideanbau und -
Verarbeitung, Tierhaltung, Fischzucht, Bau- und Reparaturarbeiten an der Burg und
den herrschaftlichen Weihern, Transportkosten, Tagelohn, Jahresgehältern, Besteuerung,
Bewaffnung, Wohnkomfort, Boten, Gästen und vielem anderen mehr.
Wie entstanden die Rechnungen? Offensichtlich gab es chronologisch geordnete
Vorlagen, aus denen nachträglich in die entsprechenden Sparten eingetragen wurde;
denn nur so können Buchungen mit demselben Datum an anderer Stelle in der
Rechnung erklärt werden. Diese Vorlagen bestanden ihrerseits ebenfalls aus Papierheften,
mit Wachs beschichteten Holztafeln oder aus losen oder zusammengenähten
Zettelsammlungen. Ein Hinweis auf solche Vorlagen ist in der Kirkeler
Formulierung nach Inhalt zinshuchs zu erblicken. Die Korrektheit einer Rechnung
konnte und kann oft nur stichprobenweise überprüft werden. Natürlich sind Betrug,
Unterschlagung und andere Manipulationsmöglichkeiten denkbar, die schon in
zeitgenössischen Quellen erwähnt werden. Dies wurde erleichtert durch die Vermischung
verschiedener Getreide- (Roggen und Hafer, aber auch Gerste, Weizen
und Dinkel) oder Getränkearten (Wein und Bier). Die Rechnungsabnahme und
Kontrolle durch den Landesherm oder seine Beauftragten, wie etwa den Landrentmeister
oder die Räte, erfolgte nach förmlicher Ladung des Rechnungsführers
am Sitz des Amtsinhabers oder in anderen Burgen des Landesherrn. Vorzulegen
war die Rechnung mit Anlagen (quitancie, reces oder zetel), die mittels Kerbholz
und Rechenbrett kontrolliert wurden; letzteres war unabdingbar bei der Verwendung
römischer Zahlzeichen und den umständlichen Umrechnungsverfahren
14 Marc Mersiowsky, Zentrale Funktionen der spätmittelalterlichen Burg im Spiegel von
Rechnungen, in: Zentrale Funktionen der Burg (Veröffentlichungen der Deutschen Burgenvereinigung,
Reihe B: Schriften 6), hg. von Barbara Schock-Werner, Braubach
2001, S. 13-24, hier S. 14, 16 und 18; Ders., Landesherrliche Bauausgaben im Spiegel
der ältesten lippischen Rechnungen, in: Öffentliches Bauen in Mittelalter und früher
Neuzeit. Abrechnungen als Quellen für die Finanz-, Wirtschafts- und Sozialgeschichte
des Bauwesens, hg. von Ulf Dirlmeier, Rainer S. Elkar und Gerhard Fouquet (Sachüberlieferung
und Geschichte 9), St. Katharinen 1991, S. 116-171; siehe auch Claudia
Feller, Item von erst han ich kawft 18 lerchen flecken - Bauausgaben für die Burg Rodenegg
im 15. Jahrhundert, in: Burgen und Schlösser. Zeitschrift für Burgenforschung
und Denkmalpflege 51 (2010), S. 181-189.
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