{Bailliage d’Allemagne) umfasste, diese Arbeit noch aussteht’. Im Grenzbereich zu
Frankreich gelegen empfiehlt es sich, für zukünftige vergleichende Untersuchungen
das Herzogtum Lothringen nicht ganz außer Acht zu lassen, um abschätzen
zu können, ob sich französische Modernisierungstendenzen im 15. Jahrhundert
bemerkbar machten, zumal es bedeutende Vermittler gab, zum Beispiel
Herzogin Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken (1429-1456)* 4.
Bevor diese Fragen angegangen werden können, soll als notwendiger erster Schritt
hierzu die Edition und die Auswertung der einzigartig umfangreich erhaltenen
Rechnungen der Kellerei Kirkel aus dem 15. Jahrhundert erfolgen, was ein in sich
abgeschlossenes und sinnvolles Unternehmen von eigenem Wert darstellt. Während
der laufenden Arbeit an der Edition der Rechnungen aus Kirkel sind dem Bearbeiter
weitere landesherrliche Rechnungen aus dem Westrich und angrenzenden
Gebieten bekannt geworden, die in diesem Artikel als wichtige Quelle zur spätmittelalterlichen
Regionalgeschichte vorgestellt werden sollen.
Zum spätmittelalterlichen Rechnungswesen in Deutschland
Die Zahl erhaltener Rechnungen im deutschsprachigen Raum aus der Zeit vor dem
Jahr 1300 ist verschwindend gering (Passau, Boianden, Katzenelnbogen, Kurköln5),
was sich für das 14. Jahrhundert nur unwesentlich bessert (Kurtrier, Kurmainz,
Jülich, Geldern etc.). Es gibt in aller Regel bloß Einzelstücke, ln den nordwestlichen
Landesherrschaften (beispielsweise Holland, Brabant, Hennegau, Bar)
setzt das Rechnungswesen gemäß der heutigen Überlieferung zwar deutlich früher
ein als im sonstigen Reich6 8, doch selbst aus dem 15. Jahrhundert sind vielfach nur
Einzelstücke erhalten. Um so höher ist der Kirkeler Rechnungsbestand für die Erforschung
landesherrlicher Finanzen einzuschätzen, da er nach derzeitigem Kenntnisstand
als die größte Serie von Rechnungen aus dem 15. Jahrhundert gelten kann,
obgleich auch er Lücken aufweist. Die Kirkeler Kellereirechnungen setzen
1434/35 ein und umfassen bis 1503 29 Hefte mit durchschnittlich je 30 Blättern.
Bei einer geschätzten Überlieferungsquote von lediglich 2 % bei den Kellereirechnungen
Nordwestdeutschlands5 kommt daher der Kellerei Kirkel eine hohe exemplarische
Bedeutung für das (lokale) Rechnungswesen einer spätmittelalterlichen
Darauf wies bereits Hans-Walter Herrmann, Spätmittelalterliche und frühneuzeitliche
Rechnungen als Geschichtsquelle, in: Unsere Archive [Saarland] 5, 1976 (ohne Seitenzählung)
hin.
4 Zwischen Frankreich und Deutschland - Elisabeth von Lothringen, Gräfin von Nassau-Saarbrücken,
hg. von Wolfgang Haubrichs und Hans-Walter Herrmann (Veröffentlichungen
der Kommission für Saarländische Landesgeschichte und Volksforschung 34),
St. Ingbert 2002.
Wilhelm Janssen, Die kurkölnischen Territorialrechnungen des Mittelalters, in: Jahrbuch
für westdeutsche Landesgeschichte 6 (1980), S. 97-115.
6 Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung (wie Anm. 1), S. 75-77.
Nicht erst 1436, wie Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung (wie
Anm. 1), S. 63 meint.
8 Mersiowsky, Die Anfänge territorialer Rechnungslegung (wie Anm. 1), S. 261 und 264-269
(zur Erklärung der Überlieferungsverluste).
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