Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

liehen  Objektgruppen  zu  nennen,  die  im  Laufe  der  Jahrhunderte  hinein  geraten
waren-\  Leider  war  der  Keller,  der  eine  Grundfläche  von  circa  3  m  im  Quadrat
aufweist,  in  der  ersten  Hälfte  des  20.  Jahrhunderts  partiell  schon  bis  zur  Sohle  in
circa  5  in  Tiefe  aufgegraben  worden:  Zwei  annähernd  senkrechte  Störungen  aus
dieser  Zeit  ließen  sich  erkennen.  Von  den  ursprünglich  vorhandenen  Ablagerungen
waren  deshalb  nur  noch  geringe  Bereiche  an  den  Schachtwänden  in  situ  erhalten
geblieben,  an  denen  man  eine  stratigrafische  Abfolge  vom  circa  11.  Jahrhundert  bis
circa  zum  frühen  15.  Jahrhundert  erkennen  konnte.  Anscheinend  hatte  sich  das
Bodenniveau  des  Schachts  allmählich  durch  die  Ablagerungen  angehoben.  Das
während  der  Grabung  im  früheren  20.  Jahrhundert  ausgehobene  Erdmaterial  war
nach  Beendigung  der  Maßnahme  wieder  locker  in  die  beiden  Löcher  gefüllt
worden,  und  im  eingefüllten  Material  konnten  1994-1995  während  der  vollständigen
  archäologischen  Freilegung  des  Schachtes  noch  viele  Fundstücke  entdeckt
werden.  Ein  Jahr  später  fanden  sich  nochmals  Erdmassen,  die  ebenfalls  während
der  Grabung  im  20.  Jahrhundert  aus  dem  Schacht  gefördert  und  nach  Osten  den
Schutthang  der  Oberburg  hinab  geworfen  worden  waren.  Auch  sie  enthielten
weitere  Keramikfragmente,  die  an  Scherben  anpassten,  die  zuvor  aus  dem  Schacht
selbst  geborgen  worden  waren.  Sämtliche  Fragmente  der  glasierten,  reich  verzierten
  Irdenware  wurden  im  Schacht  gefunden  oder  verworfen  in  dem  am  Osthang
abgelagerten  Aushub  gefunden.
Es  ließen  sich  in  der  Gesamtheit  der  Keramikfunde  mindestens  20  glasierte
Krüge  unterscheiden,  eventuell  sogar  einige  mehr,  denn  einige  Scherben  passten  in
ihrer  Beschaffenheit  nicht  zu  den  identifizierten  Gefäßen.  Leider  waren  von
keinem  der  Krüge  sämtliche  Bruchstücke  gefunden  worden,  so  dass  kein  einziger
vollständig  wieder  zusammengesetzt  werden  konnte.  Dennoch  gelang  die  zeichnerische
  Teilrekonstruktion  mehrerer  Gefäße  derart  weitgehend,  dass  gesicherte  Aussagen
  zu  Größe  und  Form  der  Objekte  ablesbar  werden.  Soweit  die  Gefaßform  ersichtlich
  ist,  handelt  es  sich  allgemein  um  bauchige  einhenkelige  Krüge  mit  zylindrischem
  bis  leicht  konisch  erweitertem  Hals  und  meist  flachem  Standboden.  Die
meisten  Randlippen  sind  leicht  dreieckig  verdickt  und  zur  Innenseite  schräg  abfallend.
  Die  Henkel  mit  überwiegend  rundlichem  bis  ovalem  Querschnitt  setzen
knapp  unterhalb  der  Mündung  an  und  reichen  bis  zur  Schulter  herab.  Häufig  kann
man  an  der  oberen  Ansatzstelle  der  Henkel  von  der  Halsseite  her  eine  Druckmulde
erkennen.  Die  Glasuren  sind  meistens  durchscheinend  und  gelb-bräunlich  bis
olivgrün  eingefarbt.  Farblich  wirken  sie  unterschiedlich  je  nach  ihrer  Auftragsdicke
sowie  nach  dem  Farbton  des  Scherbens,  auf  den  sie  aufgetragen  wurden.  Es  lassen
sich  je  nach  der  Gefäßform,  dem  Scherben  und  der  Glasur  mehrere  Gruppen
glasierter  Gefäße  unterscheiden* 30.

Die  sorgfältige  Grabung  und  Befunddokumentation  besorgte  Alexander  Recktenwald.
Eine  ausführliche  Publikation  mit  einem  Katalog  der  vielfältigen  Funde  steht  noch  aus.
30  Der  Scherben  wurde  im  Tageslicht  bei  zwölffacher  Vergrößerung  an  den  Bruchflächen
hinsichtlich  seiner  Farbe,  seiner  Konsistenz  und  der  Struktur  der  Magerungsbestandteile
begutachtet.  Bei  der  Magerungsmenge  wurde  nach  schwach,  mittel  und  stark  unterschieden
  und  die  Körnung  der  Magerungspartikel  mittels  Fadenzählerlupe  mit  1/10  mm
Skala  vermessen.

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