Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

wohin  missratene  Produkte  entsorgt  worden  waren.  Die  Untersuchung  solcher
Abfallhaufen  oder  -gruben  bei  Töpferöfen  bietet  in  aller  Regel  einen  guten
Überblick  über  die  Gesamtheit  der  hergestellten  Gefäße,  da  es  immer  wieder  einmal
  vorkam,  dass  fertige  Gefäße  direkt  nach  dem  Brand  zerbrachen  oder  wegen
verschiedener  Qualitätsmängel  aussortiert  wurden.  Gelegentlich  misslang  auch
eine  ganze  Ofenladung,  weil  die  Temperatur  zu  hoch  war  und  das  eingestellte  keramische
  Brenngut  sich  dadurch  verformte.  Die  Untersuchung  der  Gefäßfragmente
aus  den  Ablagerungen  im  Töpfereibezirk  von  Metz-Pontiffroy  ergab,  dass  die  glasierte,
  reich  verzierte  Irdenware  nur  einen  Teil  der  gesamten  Herstellung  ausmachte,
und  dass  es  fast  ausschließlich  Krüge  waren,  die  in  dieser  besonders  aufwändigen  Art
hergestellt  wurden.  Es  ließen  sich  in  der  Gesamtheit  der  Gefäße  aus  glasierter,  reich
verzierter  Irdenware  zwei  Gruppen  unterscheiden,  die  sich  sowohl  in  der
Beschaffenheit  des  Scherbens  als  auch  den  Verzierungsarten  unterscheiden.  Die
Datierung  der  Befunde  kann  sich  nur  auf  wenige  Anhaltspunkte  stützen.  Es  ergab
sich  ein  terminus  post  quem  über  eine  Münze  (1249-1277),  die  in  der  Verfüllung
eines  Brennofens  gefunden  wurde,  und  über  zwei  Reiterfigürchen  aus  Keramik,  die
stilistisch  an  die  Wende  des  13.  zum  14.  Jahrhundert  einzuordnen  sind.  Mit  Hilfe
der  Archäomagnetik  konnte  das  Nutzungsende  eines  Ofens  zwischen  1360  und
1440  datiert  werden“1.  Allgemein  können  die  in  Metz  aufgefundenen  Dekorformen
in  den  Raum  Nordfrankreich/Belgien/Niederlande  eingeordnet  werden.
In  den  archäologischen  Befunden  des  13.  und  14.  Jahrhunderts  in  der  Stadt  Metz
ist  die  genannte  Ware  der  schlichteren  und  wahrscheinlich  jüngeren  Gruppe  1
verbreitet,  während  aus  einigen  umliegenden  Dörfern  jeweils  noch  wenige  Scherben
  dieser  Keramik  stammen.  Dies  entspricht  den  Beobachtungen  von  Verhaeghe,
  dass  die  mit  großer  Sorgfalt  hergestellten,  reich  verzierten  Gefäße  am
Anfang  der  Entwicklung  standen  und  mit  der  Popularisierung  die  Dekore  einfacher
wurden22.  Ansonsten  sind  vereinzelte  Funde  dieser  glasierten,  reich  verzierten
Keramik  vor  allem  im  Einzugsgebiet  der  Mosel  bis  in  ca.  40-50  km  Umkreis  von
Metz  bekannt  geworden,  beispielsweise  in  Pont-ä-Mousson,  Nancy,  Toul,  Vaucouleurs,
  Yutz,  Puttelange-les-Thionville  sowie  in  Vic-sur-Seille  23.  Soweit  zu  den
Fundstätten  in  Lothringen.

1  Vermutlich  sind  in  Metz  die  Gefäße  der  Gruppe  1,  die  auf  Hals  und  Bauch  jeweils
einheitliche  Stempelauflagen  in  Form  von  Beerennuppen,  Kreuzen,  Kreisen,  Spiralen
oder  Blumen  aufweisen,  jünger  als  diejenigen  der  aufwändiger  verzierten  Gruppe  2  mit
kombinierten  Dekoren.  Letztere  sind  häufig  zweifarbig  durch  die  Verwendung  hellen
Tons  für  die  Applikationen  sowie  durch  unterschiedlich  gefärbte  Glasuren  und  zeichnen
sich  weiterhin  durch  die  Kombination  von  verschiedenen  Stempelauflagen  mit  frei  modellierten
  Applikationen  aus.  Nathalie  Dautremont,  Daniel  Dufournier  und  Murielle
Georges-Leroy,  Un  atelier  de  potier  des  XIlL-XIV*  siècles  à  Metz  (Moselle),  in:  La
céramique  très  décorée  dans  l'Europe  du  Nord-Ouest  (X°-XVe  siècle),  Actes  du  colloque
de  Douai  (7-8  avril  1995),  Nord-Ouest  Archéologie  7  (1996),  S.  26.
22  Verhaeghe,  Aspects  sociaux  (wie  Anm.  12),  S.  235.
Dautremont,  Dufournier,  Georges-Leroy,  Un  atelier  de  potier  (wie  Anm.  21),  S.  25
Abb.  13,  S.  26.

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