Full text : Historische Blicke auf das Land an der Saar

bei  sehr  hohen  Temperaturen  gebrannt  und  hat  dadurch  einen  versinterten  wasserundurchlässigen
  Scherben.  Sie  ist  darüber  hinaus  sehr  stoßfest  und  somit  im  Gebrauch
  gewiss  robuster  als  die  glasierte  Irdenware.  Steinzeuggeschirr  aus  den
großen  Töpferzentren  am  Niederrhein  in  Siegburg,  Raeren  und  Langerwehe  wurde
ab  dem  13.  Jahrhundert  entlang  der  Wasserwege  weithin  vertrieben.  Es  wurde  ab
dem  frühen  14.  Jahrhundert  auch  im  nördlichen  Eisass  hergestellt18,  wenn  auch  die
dortige  Produktion  in  bescheidenerem  Umfang  als  im  Rheinland  blieb.  Das  große
Angebot  von  niederrheinischem  Steinzeug,  das  moselaufwärts  vertrieben  wurde,
könnte  die  Ursache  für  das  Fehlen  glasierter  Irdenware  aus  dieser  Zeit  im  Trierer
Land  darstellen.  Sogar  rund  150  km  weiter  moselaufwärts  und  somit  im  Einzugsgebiet
  von  Metz  lässt  sich  dieses  Phänomen  beobachten:  An  der  Fundzusammensetzung
  im  Château  de  l’Avant-Garde  in  Pompey  nahe  Nancy  zeichnet  sich  ab,  dass
dort  die  zunächst  verwendete,  reich  verzierte,  glasierte  Irdenware  von  jüngerem
Steinzeug  als  Schank-  und  Trinkgeschirr  abgelöst  wurde,  das  wahrscheinlich  ebenfalls
  von  den  niederrheinischen  Töpferzentren  geliefert  wurde* 14.  Ob  allerdings  die
These  einer  Bevorzugung  des  Steinzeugs  gegenüber  der  glasierten,  reich  verzierten
Irdenware  im  Allgemeinen  haltbar  ist,  bedarf  einer  eingehenden  flächendeckenden
Analyse  von  spätmittelalterlichen  Keramikfunden.
Lenkt  man  den  Blick  wieder  zurück  auf  die  Saargegend,  so  lässt  sich  sagen,  dass
die  Region  abseits  der  hauptsächlichen  Verbreitungswege  des  Steinzeugs  gelegen
zu  haben  scheint,  denn  soweit  es  derzeit  zu  beurteilen  ist,  wurde  hier  viel  weniger
Steinzeug  benutzt  als  zum  Beispiel  im  Trierer  Land.
Inwiefern  die  Verbreitungsbilder  verschiedener,  vermutlich  importierter  Keramikarten,
  wie  zum  Beispiel  der  glasierten,  reich  verzierten  Irdenware  und  des
Steinzeugs,  in  der  Saargegend  eventuell  mit  politischen  Grenzen  und  Bistumsgrenzen
  Zusammenhängen  könnten,  wäre  ebenfalls  zu  untersuchen.
Metz  als  Produktionszentrum  glasierter,  reich  verzierter  Irdenware

Schaut  man,  wo  in  nächster  Nähe  größere  Fundvorkommen  der  glasierten,  reich
verzierten  Irdenware  verzeichnet  sind,  stößt  man  zuerst  auf  Metz,  wo  eine
umfangreiche  Kollektion  dieser  Gefäße  im  Musée  de  la  Cour  d'Or  ausgestellt  wird.
Während  der  1980er  Jahre  konnte  im  nördlichen  Metzer  Stadtbereich  im  Pontiffroy
ein  Töpfereibezirk  ausschnittsweise  archäologisch  erforscht  werden,  wo  man  spätestens
  ab  dem  letzten  Drittel  des  13.  und  im  14.  Jahrhundert  glasierte,  reich  verzierte
  Keramik  neben  schlichterer  glasierter  und  gewöhnlicher  Irdenware  hergestellt
  hatte20.  Außer  den  Resten  von  mehreren  Brennöfen  fand  man  Abwurfhalden,

ziert,  die  sich  in  der  Nähe  der  entsprechenden  Tonlagerstätten  ansiedelten.
Ix  Yves  Henigfeld,  La  céramique  à  Strasbourg  de  la  fin  du  Xe  au  début  du  XVIIe  siècle,
(Publications  du  Centre  de  Recherches  Archéologiques  et  Historiques  Médiévales
CRAHM),  Caen  2005,  S.  216-218,  237-239.
14  Vergleiche  die  typologischen  Tafeln  von  Agnieszka  KoziOL,  La  céramique  commune,  S.
168  und  Cédric  MOULIS,  La  céramique  en  grès,  S.  198,  in:  Le  Château  de  l'Avant-Garde  à
Pompey.  Tome  1:  Céramiques  et  verres  du  Moyen  Âge  et  de  la  Renaissance,  hg.  von
Gérard  Giuliato,  Nancy  2010.
20  Murielle  Georges-Leroy,  Pichet  très  décoré,  in:  Metz  médiéval,  Katalog,  Metz  1996,  S.
73,  Nr.  19,  Taf.  10.
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