Full text: Historische Blicke auf das Land an der Saar (45)

Brennofen. Bis die Gefäße schließlich zum Brennen bereit waren, waren folglich 
viel mehr Arbeitsschritte, Zeit, Kreativität sowie Investitionen nötig als bei der 
üblichen grauen Irdenware (Abb. 5, S. 298). 
Die aufwändige Herstellungsweise und höheren Materialkosten mündeten ohne 
Zweifel in einen höheren Verkaufspreis, und demnach kann man davon ausgehen, 
dass vor allem die besonders schmuckvollen Krüge vermögenderen Haushalten 
Vorbehalten blieben. Gewiss beruht die große Seltenheit dieser Gefäße weiterhin 
darauf, dass im 13.-14. Jahrhundert noch längst nicht jede Töpferei die Techno¬ 
logie des Glasierens kannte und beherrschte. Sie wurde deshalb wahrscheinlich nur 
von verhältnismäßig wenigen Herstellern vertrieben, und wer sich dieses zu seiner 
Zeit optisch herausragende Geschirr leisten wollte und konnte, war gegebenenfalls 
auf dessen Bezug aus entfernteren Produktionsorten angewiesen. 
Die Verbreitung der glasierten, reich verzierten Irdenware und 
mögliche Konkurrenzprodukte 
Bei der Nachforschung, in welchen Regionen solche Funde bisher archäologisch 
nachgewiesen wurden, deutet sich an, dass die glasierte, reich verzierte Irdenware 
nicht überall vertreten ist. Dies dürfte eine Forschungslücke sein, und gewiss sind 
viele Fundstellen bislang unbekannt. Schließlich warten nicht nur im Saarland in 
den archäologischen Funddepots vorhandene Keramikkollektionen aus dem Mittel- 
alter noch auf eine wissenschaftliche Auswertung. Insbesondere werden Fragmente 
glasierter Irdenware des 13. und 14. Jahrhunderts beim flüchtigen Blick leicht mit 
jüngerer glasierter Ware verwechselt, wenn man die Charakteristika der spätmittel¬ 
alterlichen Glasuren nicht kennt* 11. Dies gilt vor allem dann, wenn die gefundenen 
Fragmente außer der Glasur keinen typischen Dekor aufweisen. Jedoch zeichnet 
sich ab, dass der fehlende Nachweis glasierter Keramik der betreffenden Zeitstel¬ 
lung nicht nur im lückenhaften Forschungsstand begründet ist, sondern dass der¬ 
artige Ware vorrangig in Siedlungshorizonten des nordwesteuropäischen Raumes 
rund um Nordsee und Ärmelkanal auftritt. In den Landschaften zwischen Somme 
und Ems findet man sie, insbesondere im nördlichen Gebiet des heutigen Frank¬ 
reich und westlich der Schelde in Kronflandem, während sie in anderen Regionen 
selten oder überhaupt nicht vorkommt. Vermutlich entstand die glasierte, reich ver¬ 
zierte Irdenware im späten 12. Jahrhundert im südlichen England und ihre Her¬ 
stellung wurde bis gegen Ende des ersten Viertels des 13. Jahrhunderts in vielen 
Töpferzentren aufgenommen. In Frankreich verbreitete sich die glasierte, reich 
verzierte Irdenware bis ungefähr nördlich der Linie Lyon-Bordeaux im Laufe des 
13. Jahrhunderts. In der Ile-de-France, der Champagne und Lothringen wurden an¬ 
scheinend noch im 14. Jahrhundert reich verzierte, glasierte Waren hergestellt, 
während sie in den Ursprungsgebieten bereits nicht mehr geläufig waren. Auch in 
dieser Befund noch kein Beweis für die stete Durchführung des Schrühbrands darstellt: 
Nathalie Dautremont, Daniel Dufournier, Murielle Georges-Leroy und Milan 
Milutinovic, La production potière des XIIIe-XVe siècles du quartier du Pontiffroy à 
Metz (Moselle): Les fouilles 1987-1988, in: Revue Archéologique de l'Est 51 
(2001/2002), S. 361-414, hier S. 380. 
11 Zur Charakteristik der jüngeren glasierten Irdenware, deren Herstellung vielerorts im 15. 
Jahrhundert begann, siehe Bernard, Gefäßkeramik Burgen (wie Anm. 3), S. 22. 
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