Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

... er hat guter tugent vil, 
wenn dag er sich ir luge! went, 
sein berge sich nach em sent, 
als nach der chagen tut die maus, 
hört wie er lebt in seinen haus ... 
(„Er nennt wohl viele gute Tugenden sein Eigen, freilich macht er wenig Gebrauch von 
ihnen; sein Herz sehnt sich nach Ehre, wie nach der Katz sich sehnt die Maus. Hört, wie 
er lebt in seinem Haus!“). 
Der Held zeigt keine Freigebigkeit, kennt keine Gastfreundschaft; er hasst Feste, Tänze 
und die Liebe; die Turniere, auf denen Tapferkeit zu zeigen wäre, verschläft er lieber; sei¬ 
ne Abenteuerreisen führen ihn bis zum Acker und zur Linde; als wär’ er in La Mancha, 
schreckt ihn schon ein Has’ zur Umkehr (v. 18ff.): 
er hat gu groggen eren phlicht, 
davor in gott wol sicher wais. 
sein lop nimpt auf in em chrais 
als durreg salcg in Wasser warm, 
der heit hat einen heiggen dam, 
darin er schänden vil verdewt... 
(„Er hat wohl große Ehren unter seiner Aufsicht, doch hat ihn Gott von deren Übung 
freigestellt. Nehmt lobend ihn in unsre Ehrenrunde aut, wie mager Salz in warmes Was¬ 
ser. Der Held hat einen heißen Darm, in dem er viele Schanden kann verdauen“). 
Noch mehr (v. 44f.): 
sein hercg smilgt auf der minne rost, 
als auf dem eys ein chalter stahl. 
Das Lob dieses Anti-Helden, dieses Un-Ritters gipfelt in Wappenbeschreibung und 
Namennennung. Als wahrer rusticus führt er im Wappen Leberwurst, Futtersack und Ha¬ 
ferstroh, bekrönt von einem Topf voll Sauerkraut. Aber erst sein Name (v. 138ff.): 
sein nam der swaymt aus hoher art 
SumolfEapp von Em wicht 
gu guten Sachen unhericht. 
(„Sein Name klingt nach hoher Abkunft — Sumolf Lapp von Ehrenmcht, zu allen guten Din¬ 
gen nicht geschickt“). 
Der sprechende Name ist selbst raffiniert gestaltete Parodie in der Parodie auf die Eh- 
ren-Werte des Rittertums. 
1) Sum-olf klingt nach sümen „versäumen, zögern, zu spät sein“, also nach dem Ungesell¬ 
schaftlichen par excellence, dessen Übung das Leben bestraft. 
2) Eapp, das Cognomen, stellt sich zu mhd. lappe „einfältiger Mensch, ungeformtes Stück“, 
nhd. Eaffe. 
3) Em-mcht charakterisiert den „Wicht, den Nichtsnutz an Ehren“, der er ist. 
Im Zeitalter der Verbindung von Adel und Kapital ließe sich solches nomen wohl in et¬ 
wa mit « Faulwolf Flapp von Minderwert » wiedergeben. 
Es ist das gleiche Publikum, das hier angesprochen wird, nur ist die Gelegenheit eine 
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