Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

nes aus. Zum zweiten Male musste sie Wilhelm die Regentschaft der Grafschaften Hol¬ 
land, Seeland und Friesland abtreten. Sie starb am 23. funi 1356 in Valenciennes. 
Der Herold und Chronist Gelre stand offenbar auf der Seite der Mutter, denn er schloss 
1355, ohne ihren — später wegen Wahnsinns abgesetzten — Sohn zu erwähnen, seine 
Chronik der Grafen von Holland mit auf die Würdigung ihres Bruders folgenden, ihren 
kaiserlichen Rang fraglos repräsentierenden (niederländischen) Versen ab”: 
Margriet, gnu zuster; nemetgoom, 
hadde Lodewiic den keyser van Room, 
ende hertooch van Beyeren was becant; 
A wart gravitine ontfaen int laut, 
ende gi regneerde voir waer 
bicant in Hollant ml teen iaer. 
(„Margarethe, seine Schwester, habt wohl Acht, hatte Ludwig den römischen Kaiser [zum 
Mann], der auch als Herzog von Bayern bekannt war; sie wurde als Gräfin in diesem Land 
empfangen und sie regierte — das ist wahr — anerkannt in Holland wohl zehn Jahre“). 
Auch in einem leider nur fragmentarisch erhaltenen, zwischen 1328 (Jahr der Kaiser¬ 
krönung) und 1347 im Kreis um den Kaiser in Schwaben entstandenen Panegyrikos auf 
Kaiser Ludwig den Bayern, in dem Schwierigkeiten, die der Kaiser mit dem Papst hatte, 
die dann 1324 zu seiner Bannung durch Johannes XXII. führten, durchaus erwähnt wer¬ 
den, wird die Gemahlin deutlich in eigenen Preispartien gewürdigt“'. Insbesondere ihre 
nicht ohne sorgen durchgeführte Beteiligung an der zur Kaiserkrönung und Wahl eines 
Gegenpapstes führenden Romfahrt von 1328 wird hervorgehoben. Wieder ist es eine Al¬ 
legorie, die die Narration treibt, hier berichtet „Frau Ehre“ von den Qualitäten der Kaise¬ 
rin, freilich von den Lücken der Überlieferung deudich behindert (P-IV, v. 14ff,): 
Ich weis von ir noch mère, 
Ich mein ir ganzen trüwe 
Die si hat stete nüwe 
Zu ir vii lieben herren, 
Das künden vnde verren 
Ist mit warheit worden kunt, 
H ie manger bande sorgen bunt 
Dü reine hat erlitten 
Mit tugentlichen sitten 
I 'erre in welschem lande 
Als manger wol erkande. 
22 Bouton: Wapenboek (wie Anm. 1), S. 21-32, hier S. 32. 
2j Pfeiffer, Franz: „Bruchstücke eines Gedichtes auf Kaiser Ludwig den Baier“, in: Sitzungsberichte derphil- 
hist. Classe der Kaiserlichen Akademie der Wissenschaften 41 (1863), S. 328-365 [Fragment P]; Dr. Englert: 
„Zwei Bruchstücke des Gedichtes auf Kaiser Ludwig den Baier“, in: Anzeiger für deutsches Altertum 12 
(1886), S. 71-75 [Fragment E]; Schaus, Emil: „Das Gedicht auf Kaiser Ludwig den Baiern“, in: Zeitschrift 
für deutsches Altertum 42 (1898), S. 07-105; Thoma, Flerbert: „Ein neues Bruchstück des Gedichtes auf 
Kaiser Ludwig den Baiern“, in: Zeitschrift für deutsches Altertum 58 (1921), S. 87-91 [Fragment Tj; Blank, 
Walter: Die deutsche Minneallegorie. Gestaltung und Funktion einer spätmittelalterlichen Dichtungsform, Stuttgart 
1970, S. 66, 112; Nolte: Lauda post mortem (wie Anm. 1), S. 7Qf.; |anota: Orientierung (wie Anm. 9), S. 346, 
348f.; Glier, Ingeborg: Ludwig der Bayer1 (Preisgedicht auf Kaiser L. den Bayern“, in: Die deutsche Litera¬ 
tur des Mittelalters. Werfasserlexikon, 2. Aufl., Bd. 5 (1985), Sp 991-993. 
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