Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

telalterlichen deutschen Reiches vergleichsweise wenig gearbeitet worden,1 Das hängt 
zum einen wohl mit einer eher schmalen Quellenbasis zusammen, die durch Ar¬ 
chivrecherchen erst noch zu verbreitern wäre, zum anderen aber sicherlich auch mit den 
enormen methodischen Schwierigkeiten, die sich zum Beispiel mit Bibliotheksinventaren 
und Nachlassverzeichnissen verbinden, weil die hier aufgelisteten Bücher eben nicht so 
ohne weiteres die tatsächlichen Lesegewohnheiten widerspiegeln.10 11 
Trotz der quellenbedingten und methodischen Probleme ist es dennoch auffallend, wie 
wenig wir über die Bildung und die Bücher der weiblichen Mitglieder der Königshäuser 
im spätmittelalterlichen Reich wissen. Das gilt grosso modo auch für die Dynastien, deren 
Höfe als Kulturzentren galten. Dazu gehörten die Luxemburger und der Prager Hof, wo 
Kaiser Karl IV. und sein Sohn und Nachfolger Wenzel großes Engagement in den Auf¬ 
bau von Bibliotheken legten. Beide verband ihr großes Interesse an Kunst, Kultur und 
Büchern. So wurde eine Vielzahl von Büchern mit Texten ganz unterschiedlichen Inhalts 
für den Prager Hof geschrieben, übersetzt und illuminiert, maßgeblich gefördert durch die 
Herrscher selbst, die gut ausgebildet und mehrsprachig waren.12 
Uber die Bildung und Bücher ihrer Ehefrauen, Töchter und weiblichen Verwandten ist 
jedoch wenig bekannt. In der Forschungsliteratur steht die generationenübergreifende 
England, 1100-1500, Cambridge 2007; Green, Dennis H.: Women Readers in the Middle Ages (Cambridge 
Studies in Medieval Literature 65), Cambridge 2007. 
10 Exemplarische Studien gibt es freilich zu den erwähnten literarischen ,Ausnahmefrauen4, den Schriftstel¬ 
lerinnen und Übersetzerinnen Elisabeth von Nassau-Saarbrücken und Eleonore von Österreich; vgl. Lie- 
bertz-Grün, Ursula: „Höfische Autorinnen. Von der karolingischen Kulturreform bis zum Humanis¬ 
mus“, in: Gisela Brinker-Gabler (Hg.): Deutsche IJteratur von Dräuen, Bd. 1: Vom Mittelalter bis gum Ende des 
18. Jahrhunderts, München 1988, S. 39-64, hier S. 54-60; sowie zu den bibliophilen Fürstinnen1 Mechthild 
von der Pfalz und Anna von Katzenelenbogen; zu Mechthild: Theil, Bernhard: „Literatur und Literaten 
am Hofe der Erzherzogin Mechthild in Rottenburg“, in: Zeitschrift für Württemhergische Handesgeschichte 42 
(1983) S. 125-144; Kruska, Renate: Mechthild von der Pfeif . Im Spannungsfeld von Geschichte und IJteratur (Eu¬ 
ropäische Hochschulschriften, Reihe I: Deutsche Sprache und Literatur 1111), Frankfurt am Main / Bern 
1989; Maurer, Hans-Martin (Hg.): Eberhard und Mechthild. Untersuchungen gu Politik und Kultur im ausgehenden 
Mittelalter (Lebendige Vergangenheit 17), Stuttgart 1994; Rückert, Peter (Hg.): Der württemhergische Hof im 
15. Jahrhundert (Veröffentlichungen der Kommission für geschichtliche Landeskunde in Baden- 
Württemberg, Reihe B: Forschungen 167), Stuttgart 2006. Zunehmend wird auch der Themenschwer¬ 
punkt ,Bildung und Kloster1 bearbeitet, vgl. etwa Ehrenschwendtner, Marie-Luise: Die Bildung der Domini¬ 
kanerinnen in Süddeutschland vom 13. bis 15. Jahrhundert (Contubernium 60), Stuttgart 2004; Kruppa, Nathalie 
/ Wilke, |ürgen (Hg.): Kloster und Bildung im Mittelalter (Veröffentlichungen des Max-Planck-Instituts für 
Geschichte 218, Studien zur Germania Sacra 28), Göttingen 2006, 
11 Wichtig dazu Spieß, Karl-Heinz: „Zum Gebrauch von Literatur im spätmittelalterlichen Adel“, in: Ka- 
sten/Paravicini/Perennec (Hg.): Kultureller Austausch (wie Anm. 8), S. 85-101; speziell zu den adeligen 
Frauen: Signori, Gabriela: „Bildung, Schmuck oder Meditation? Bücher, Seidenhüllen und Frauenhände 
in der flämischen Tafelmalerei des 15. Jahrhunderts“, in: Andrea Löther u.a. (Hg.): Mundus in imagine. Bil¬ 
dersprache und Hebenswelten im Mittelalter. Festgabe für Klaus Schreiner., München 1996, S. 125-168. 
12 Zu Kunst und Kultur der Luxemburger zuletzt der umfangreiche Ausstellungskatalog: Fajt, }ifi (Hg.): 
Karl IV. Kaiser von Gottes Gnaden. Kunst und Repräsentation des Hauses Luxemburg 1310-1437. Unter Mitarbeit 
von Markus Hörsch und Andrea Langer mit Unterstützung von Barbara Drake Boehm, München / Ber¬ 
lin 2006; zu den Bibliotheken vgl. den Beitrag von Fajt, Jiri / Drake Boehm, Barbara: „Herrschaftsreprä¬ 
sentation in den Fussstapfen des Vaters“, S. 461-481, bes. S. 479-481. Grundlegend zur Bibliothek Wen¬ 
zels IV. noch immer Krasa, Josef: Die Handschriften König Wenzels IV, Wien 1971. 
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