Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

Gerhard von Rodemachern - 
Rebell gegen die burgundische Herrschaft im Herzogtum Luxemburg 
Exkurs 
Die Lebensläufe Gerhards von Rodemachern und seiner Ehefrau Margarethe sind verwo¬ 
ben in die politischen und militärischen Auseinandersetzungen von vier europäischen Dy¬ 
nastien um die Herrschaft im Herzogtum Luxemburg. Der Schwerpunkt der Interessen 
der Luxemburger hatte sich mit dem Erwerb der Königreiche Böhmen und Ungarn in 
den mittelosteuropäischen Raum verlagert, die Kaiser und Könige aus dieser Familie und 
deren Nachkommen in weiblicher Linie wollten ihr Stammland im Westen des Reiches 
nicht ohne Kompensation preisgeben. Für die Herzoge von Burgund war das Herzogtum 
Luxemburg ein wichtiger Baustein in der von ihnen angestrebten Landbrücke zwischen 
ihren Herrschaftsbereichen an Saône und Doubs einerseits, Ärmelkanal und Zuidersee 
andererseits. Die französischen Könige versuchten das Entstehen eines neuburgundischen 
Reiches zwischen Regnum und Imperium zu vereiteln, die Habsburger suchten dagegen 
durch Heirat große Teile der von den Burgunderherzögen in vier Generationen erheirate¬ 
ten, erkauften und eroberten Ländermasse ihrer Hausmacht einzufügen. 
Zu Beginn der 1440er jahre waren der nördliche und der südliche burgundische Besitz¬ 
komplex noch durch die Herzogtümer Bar, Lothringen und Luxemburg, das Kurfürsten¬ 
tum Trier und die Hochstifte Lüttich, Metz, Toul und Verdun voneinander getrennt. Das 
Herzogtum Luxemburg, größer als das heutige gleichnamige Großherzogtum, befand sich 
im Pfandbesitz der Elisabeth von Görlitz.1 
Die Lösung des Herzogtums Luxemburgs aus einem Herrschaftsbereich und seine Ein¬ 
fügung in einen anderen bedurfte der Zustimmung der luxemburgischen Stände, inner¬ 
halb derer die Ritterschaft der größte und einflussreichste Stand war. Sie war nie eines 
Sinnes, sondern in Interessengruppen gespalten, meist in zwei Blöcke: Auf der einen Seite 
diejenigen, die sich zu ihren natürlichen Erbherren4 (sgrs. proprietaires et heretiers) — den Lu¬ 
xemburgern und ihren Nachkommen in weiblicher Linie — hielten, auf der anderen die 
Anhänger der Pfandherren (sgrs. gaigiers), zunächst Elisabeth von Görlitz, dann die Bur- 
gunderherzöge und schließlich deren (Erb-)Nachfolger aus dem Hause Habsburg. Inner¬ 
halb der luxemburgischen Ritterschaft tat sich Gerhard von Rodemachern hervor als lang¬ 
jähriger Parteigänger der luxemburgischen Dynastie und ihrer Erbnachfolger, zeitgenös¬ 
sisch ausgedrückt als Führer der ,böhmischen Partei4 — party du roy de Bahaigne, also als 
Gegner von Burgund und Habsburg, was fast zwangsläufig dazu führte, den Schutz der 
französischen Könige anzustreben. 
Ein Überblick über seinen Besitz soll der Schilderung seiner Verwicklungen in die Aus¬ 
einandersetzungen um das Herzogtum Luxemburg und seiner Rebellion gegen Maximilian 
von Habsburg vorangestellt werden. 
Eine neuere Zusammenfassung der Ambitionen auf das Herzogtum Luxemburg bei Weber-Krebs, 
Fridolin: Die Markgrafen von Baden im Herzogtum Luxemburg (1487-1797), Trier 2007, vornehmlich S. 71- 
136. 
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