Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

Eine Reihe von Quellen belegt, dass Gerhard nicht 1458 verstorben ist. In einem Ver¬ 
trag vom 22. Februar 1463 zwischen ihm und Graf Vinzens von Mörs über die Heirat 
seiner Tochter Elisabeth mit dem Junggrafen Friedrich von Mörs wird mehrfach das 
Ehepaar Gerhard — Margarethe erwähnt. In der Korroboratio heißt es „wir Gerhart und 
Margrete, heren und frauwe zu Rodenmachern etc. und wir Ermgart, eiste dochter zu Ro¬ 
demachern“ und dann mit Bezug auf den mitsiegelnden Grafen Johann von Nassau- 
Saarbrücken „unse liebe schweger, bruder, ohemen“.1,1 Am 21. April 1475 gestatteten 
Bürgermeister und Schöffen von Trier als Provisoren des Jakobspitals Gerhard und seiner 
Gattin Margarethe den Rückkauf einer Jahresrente.1 Am 3. Mai 1479 versprachen beide 
Ehegatten Bernhard IV., Herrn von Bourscheid, der sich für sie gegenüber Emich von 
Enschringen für die Rückzahlung von geschuldeten 950 rh.fl. verbürgt hatte, Schadloshal¬ 
tung. Is Schließlich spricht eine Formulierung Margarethes in einer Urkunde von 1484, 
dass sie „by unserm elichen gemahel unser libs narung nyt haben oder nit können haben“, 
für einen noch lebenden Ehemann11 und nicht für eine Witwenschaft. Die Bezeichnung 
Bernhards und Margarethes von Mörs als Enkelkinder stimmt mit dem aus anderen Quel¬ 
len bekannten Verwandtschaftsgrad überein und spricht gegen einen von Schenk von 
Schweinsberg angenommenen ,Gerhard 11/. Die Angabe von Gerhards Todesjahr mit 
,1458‘ im Gothaer Gebetbuch und in der sich darauf stützenden Literatur muss also kor¬ 
rigiert werden/1 
Wann ist Gerhard tatsächlich gestorben und wie ist die falsche Angabe seines Todesjah¬ 
res durch seine Gatdn zu erklären? 
Der letzte mir bekannte Beleg für Gerhards Agieren ist eine von ihm selbst ausgestellte 
Urkunde vom ,Montag dem 6. Tag im März 1485‘, worin er alle seine Forderungen an den 
Virneburger wegen der Schäden, die durch dessen Verhalten an den Burgen Rodema¬ 
chern, Richemont, Neuerburg und Kronenburg entstanden, seinen Enkelkindern Bern¬ 
hard, Junggraf zu Mörs, und Margarethe von Mörs übertrug. 1 Aus der Tatsache, dass im 
Jahr 1485 der 6. März nicht auf einen Montag, sondern einen Sonntag fiel, ergibt sich, 
dass Gerhards Urkunde nicht nach dem heute üblichen Circumcisionsstil (Jahresbeginn 1. 
W eimar und ihrer Sammlungen. Festschrift gur Feier ihres 250jährigen Bestehens und %ur 175jährigen Wiederkehr ihres 
Einzuges ins Grüne Schloss (Zeitschrift des Vereins für Thüringische Geschichte und Altertumskunde, Bei¬ 
heft 23), Jena 1941, S. 127; dies übernimmt auch Eratzsch: Gebetbuch (wie Anm. 10), S. 34. 
16 Ediert bei Keussen, Hermann: FJrkundenbuch der Stadt Krefeld und der alten Grafschaft Mörs, Krefeld 1938- 
1940, Bd. 11 Nr, 3162, nach drei verschiedenen Abschriften in Berleburg, HStA Düsseldorf und Staats¬ 
bibliothek München Sammlung Redinghoven. Das Verwandtschaftsverhältnis Elisabeths zu Gerhard als 
Tochter — Vater wird auch in anderen Stücken belegt: Keussen: UB Krefeld Nr. 4613, Publ. Eux. 32 (1878) 
S. 8 Nr. 10, (1463 11/28). 
17 LHA Koblenz Best. 54 R 147. 
18 Decker, François: Kegesten des Archivs der Herren von Bourscheid (Veröffentlichungen der Fandesarchivver¬ 
waltung Rheinland-Pfalz 49), Bd. 1, Koblenz 1989, Reg. Nr. 249. 
19 Vgl. S. 55 unten. 
20 Stammtafeln gur Geschichte der europäischen Staaten, Bd. 1 (1953) Tafel 108 enthielt noch das falsche Todesda¬ 
tum Gerhards (1458), in der Neuen Folge Bd. Vll Tafel 18 (erschienen 1979) wird Gerhards Tod zwi¬ 
schen 1481 und 1487 angesetzt. 
21 Druck in: Publ. Eux. 35 (1881) S. 232-235ff. Nr. 231, Regest bei Keussen: UB Krefeld (wie Anm. 16) Nr. 
4010 mit Hinweis auf Original in Berleburg, weitere Überlieferung in LHA Koblenz Best. 54 R 150. 
125
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.