Full text: Zwischen Herrschaft und Kunst

Die Muttersprache beider Ehegatten war deutsch, Schriftstücke in französischer Spra¬ 
che sind von beiden nicht überliefert, doch wird man französische Sprachkenntnisse anset¬ 
zen dürfen, bei Margarethe von Herkunft und literarischen Interessen der Mutter her, bei 
Gerhard wegen seiner Besitzungen in frankophonem Gebiet. ' 
Im Vergleich mit den meisten anderen Frauen, die im Kolloquium vorgestellt wurden, 
stand Margarethe in der adligen Rangfolge einige Stufen tiefer. Uber die Ausübung von 
Herrschaft durch sie kann im Gegensatz zu ihrer Mutter nichts berichtet werden. Ihr Le¬ 
ben wurde dadurch geprägt, dass ihr Gatte, der Familientradition folgend, in dem Kräfte¬ 
spiel zwischen Frankreich und Burgund-Habsburg konsequent eine antiburgundische Ein¬ 
stellung behielt. Sein Verharren auf diesem politischen Kurs führte zu einer Annäherung 
an die französischen Könige Karl VII. und Ludwig XI., die ihm Wohlwollen und auch 
Schutz zuteil werden ließen, aber nur in dem Maße, wie es für ihre eigenen politischen 
Ambitionen günstig erschien. Der Wert der Figur Gerhard im politischen Spiel lag nicht 
bei seinen Burgen und Besitzungen, sondern in seinem Einfluss in der luxemburgischen 
Ritterschaft, innerhalb der er Wortführer einer zunächst größeren Gruppe Gleichgesinn¬ 
ter war. Ihre Zahl verringerte sich, weü immer deutlicher erkennbar wurde, dass nach dem 
Erlöschen der Luxemburger Dvnastie Im Mannesstamm die Interessen der Ehegatten der 
weiblichen Nachkommen Kaiser Sigismunds viel mehr auf die Königreiche Böhmen und 
Ungarn ausgerichtet waren als auf das alte Stammland der luxemburgischen Dynastie im 
Westen des Reiches. Während der luxemburgische Adel trotz Unzufriedenheit mit der 
burgundischen Landes Verwaltung sich in die neuen Herrschaftsverhältnisse einfügte, be- 
harrte Gerhard auf Opposition, was ihm schwere materielle Nachteile eintrug und letztlich 
zum Verlust seiner Herrschaft führte.14 
Uber das Verhältnis der Gatten zueinander ist nichts Präzises bekannt. Bei Gerhards 
konsequent antiburgundischer Einstellung und seinem auch sonst zu beobachtenden um¬ 
triebigen Naturell dürften Frustrationen der Ehefrau nicht ausgeblieben sein. 
Die Dauer einer Ehe war allezeit ein das Leben einer Frau prägender Faktor. Über die 
Dauer von Margarethes Ehe, näherhin über das Todesdatum ihres Gatten, finden sich 
freilich in der Literatur falsche Angaben. In dem Gothaer Gebetbuch Margarethes ist ein¬ 
getragen: 
Item vff den fridag nest nach unßers heren leichonges dag da starp der edel wolgeboren Gerhart herr 
zu Rodenmacheren zu Croneborg vnd zu der Nuenborg dem got der almechtig vnd gnedig vnd 
barmherzig sin wolle mvn hußwirt selge da man schreibt dußent vier hondert vnd VIII und fontzig. 
Die Eintragung wird von Schenk von Schweinsberg als eigenhändige der Witwe ange¬ 
sehen und ihr daher hohe Zuverlässigkeit zuerkannt. Darauf aufbauend sieht er in dem in 
den 1480er Jahren seiner Güter für verlustig erklärten Gerhard von Rodemachern nicht 
den Gatten Margarethes, sondern ihren Sohn.1 
Mörs. 
13 Vgl. Exkurs: „Gerhard von Rodemachern — Rebell gegen die burgundische Herrschaft im Herzogtum 
Luxemburg“, S. 156-180, hier S. 160. 
14 Vgl. Exkurs. 
15 Schenk von Schweinsberg, Eberhard Freiherr von: „Margarete von Rodemachern, eine deutsche Bü¬ 
cherfreundin in Lothringen“, in: Hermann Blumentahl (Hg.): Aus der Geschichte der Gandesbibliothek %u 
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