Full text: Interferenz-Onomastik

Raum im Übergangsbereich zwischen dem bayerisch-alemannischen Vor¬ 
alpenland und dem romanisch-sprachigen Süden weist eine mehrschichtige 
Namenlandschaft und zudem kleinräumig wechselnde Integrationsverhältnisse 
auf. Hier bot ein archäologisch-historisch-landeskundliches Forschungsprojekt 
zur Frühgeschichte die Möglichkeit/ nach den historischen Bedingungen 
dieser Entwicklungen zu fragen. 
Obwohl Nordtirol und insbesondere das Inntal eine hohe Siedlungsgunst 
besitzt, war es weder zu Beginn der Römerzeit noch im frühen Mittelalter ein 
Siedlungsraum, der neue Bevölkerungsgruppen anzog - dies in erster Linie 
deshalb, weil es nach archäologischen wie sprachlichen Zeugnissen ein längst 
besiedelter Raum war und über alle Umbrüche hinweg auch blieb. Aufgrund 
seiner geographischen Lage im Norden der beiden wichtigsten Übergänge im 
mittleren Alpenraum, des Brenner- und Reschenpasses, war es jedoch in jeder 
Epoche ein Begegnungs- und Austauschraum schlechthin und darüber hinaus 
für alle politischen Kräfte, die von Süden nach Norden oder von Norden nach 
Süden strebten, von höchster strategischer Bedeutung, was von der römischen 
Eroberung bis in fränkische Zeit für eine gezielte herrschaftliche Erfassung 
und lückenlose Herrschaftsübergänge sorgte. Organisatorisch stand dabei das 
Inntal als Passfußraum und Zubringer beziehungsweise Verteiler des Verkehrs 
von oder nach Norden und Osten im Vordergrund. Das verdeutlicht Abbil¬ 
dung 1 mit einer Karte, die den historischen Tiroler Verkehrsraum und seine 
Einbindung in das transalpine Straßensystem im mittleren Alpenabschnitt 
zeigt. 
deutschen Sprachraum", in: Gerhard Emst / Martin-Dietrich Gießgen / Christian 
Schmitt / Wolfgang Schweickard. (Hg.): Romanische Sprachgeschichte, Bd. 1/1, 
Berlin / New York 2003, S. 695-709; Ders,: „Romanisch-Germanische Sprachbe- 
ziehungen, Westliches Deutschland, Luxemburg und germanophones Frankreich“, 
in: Heinrich Beck / Dieter Geuenich / Heiko Steuer (Hg.): Reallexikon der Germa¬ 
nischen Altertumskunde, Bd. 25, Berlin / New York 22003, S. 251-258, besonders S. 
254-257. 
Das Projekt wurde vom Fonds zur Förderung der wissenschaftlichen Forschung 
Wien finanziert und an der Universität Innsbruck (Institut für Klassische Archäo¬ 
logie) durchgeführt. Zu dessen Ergebnissen ausführlich: Heitmeier, Irmtraut: Das 
Inntal. Siedlungs- und Raumentwicklung eines Alpentales im Schnittpunkt der poli¬ 
tischen Interessen von der römischen Okkupation bis in die Zeit Karls des Großen 
(Schlem-Schriften 324; Studien zur Frühgeschichte des historischen Tiroler Raums 
1), Innsbruck 2005. 
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