Full text: Interferenz-Onomastik

um eine Merkurdarstellung handelt. Sprachlich gesehen gehört der Na¬ 
me jedenfalls in den Bereich des Keltischen, wie eine ganze Reihe wei¬ 
terer Ga/ir-Namen aus der Gallia Narbonensis, Lugdunensis, Aqui¬ 
tania, Belgica, Germania Inferior und Superior sowie den Agri Decu- 
mates erweist.* 76 
3. Die erwähnte ubische -/mwx-Derivation in Gebrinius scheint aufs Ger¬ 
manische zu weisen, da abgesehen von den sprachlichen Gesichtspunk¬ 
ten statistisch gesehen jeder fünfte Ubier ein solches Gentiliz trug. Die 
Ableitung hat, wie die Verbreitungskarte von Weisgerber zeigt,7' je¬ 
doch auch Verwandte im südlichen Frankreich und könnte damit, vor¬ 
sichtig formuliert, mit einem keltischen homographen Namensuffix 
kontaminiert sein.™ 
4. An Außersprachlichem lässt sich bemerken, dass sich Mercurius 
Gebrinius mit einiger Wahrscheinlichkeit als das männliche Gegen¬ 
stück der weiblichen Aufanien im Bonner Tempelbezirk betrachten 
lässt:79 „A Husband for the Mother Goddess“, wie Christoph B. Rüger 
den Gott genannt hat.MI Tatsächlich erscheint Merkur in den römischen 
Provinzen vor allem des Westens immer wieder im Zusammenhang 
und im Ensemble mit weiblichen Gottheiten. Die Konstellation in der 
busies de la Gaule Romaine, Bd. 7, Paris 1918, S. 217, Nr. 5644. 
76 Zusammenstellung der Belege bei Graf: Schaf und Ziege (wie Anm. 7), S. 43; zum 
Gabro von Gerstheim ebd., S. 71. 
Weisgerber: Rhenania Germano-Celtica (wie Anm. 25), S. 425. 
s Vgl. Herz: „Einheimische Kulte“ (wie Anm. 30), S. 207f; Weisgerber, Leo: „Zu 
den rheinischen -mms-Bildungen“, in: Edith Ennen / Günter Wiegelmann (Hg.): 
Festschrift Matthias Zender. Studien zu Volkskultur, Sprache und Landesge¬ 
schichte, Bd. 2, Bonn 1972, S. 931-948; Ders.: „Homographe Namensuffixe“, in: 
Rudolf Schützeichel / Matthias Zender (Hg.): Namenforschung. Festschrift für 
Adolf Bach zum 75. Geburtstag am 31. Januar 1965, Heidelberg 1965, S. 32-37. 
9 Die gegenteilige Ansicht bei Hupe: „Studien zum Gott Merkur“ (wie Anm. 73), S. 
100, ist weitgehend haltlos, da es, wie der Autor selber angibt, durchaus positive 
Evidenz für gemeinsames Auftreten der Matronen mit Merkur gibt und darüber 
hinaus Merkur eine sehr deutliche Affinität zu weiblichen Gottheiten aufweist, 
darunter insbesondere Rosmerta und Maia, aber auch Diana, Minerva und Venus 
(vgl. Graf: Schaf und Ziege [wie Anm. 7], S. 89). Vgl, zu dieser Frage auch Derks: 
Gods, Temples (wie Anm. 28), S. 119. 
xo Rüger, Christoph B.: „A Husband for the Mother Goddess - Some Observations on 
the Matronae Aufaniae“, in: Brian Hartley / John Wacher (Hg.): Rome and her 
Northern Provinces. Papers presented to Sheppard Frere in honour of his retire¬ 
ment from the Chair of the Archaeology of the Roman Empire, University of 
Oxford, Oxford 1983, S. 210-219. 
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