Full text: Interferenz-Onomastik

SN *Zivogoscb (zum PN *Zivogost'b): 1139 Sugast, um 1285 Seugastmvl > 
[s^exads], Seugast (Lkr. Amberg-Sulzbach) 
Eine Ausnahme stellt der Personenname *Nanibgosth im Mischnamen 
Nunsting (Lkr. Cham), 1178-85 Nangoztingin, 1381 Nongasting, 1577 
Nungsting, dar. Hier ist -gost- zunächst rein phonemisch als -go^t- integriert 
worden. Die Anlehnung an -gast lässt sich erst im 14. Jahrhundert nachwei- 
sen. Wie die heutige Schreibform und die Mundartform [nopsden] belegen, 
ging der Bezug zu -gast im Laufe der Entwicklung verloren. Dies gilt auch für 
die Mundartformen der Siedlungsnamen Trebgast und Seugast, die eine An¬ 
gleichung an [-ods], eine dialektale Entsprechung zu häufigem schreibsprach¬ 
lichem -itz2' dokumentieren. 
3.4. Slav. Personennamenzweitglied {-mirb} ({-mert}) 
Bei dem Zweitglied *-mirb (zu *mirb ,Friede4) und dem davon zum Teil nur 
schwer zu unterscheidenden *-men (zu nur aus Personennamen erschlosse¬ 
nem *men ,berühmt4?)2'' ist festzustellen, dass alle einschlägigen Namen 
Nordbayems in den frühesten Erwähnungen -mar- aufweisen. Es liegt hier 
nicht etwa eine lexikalisch-semantische Angleichung an ahd. märi, mhd. 
mcere ,berühmt4 vor, sondern ein Morphemersatz durch ein bei deutschen Per¬ 
sonennamen überaus häufiges Zweitglied (enthalten in Namen wie Tagamär, 
Herimär, Sigimär usw.). Diese Substitution kann bereits zeitgleich mit der 
lautlichen Integration erfolgt sein.22 24 
PN *Chotemin (-men): SN 1109 (Verzeichnis 12. Jh. 2. H.) Chotemaresdorf 
> [khönsdQf|, Köttmannsdorf (Lkr. Bamberg) 
PN *Nedamin (-men): SN 1149, 1176 Nedemarestorf 1179 Nedemarstorf> 
[nemosdQf], Nemmersdorf (Lkr. Bayreuth) 
PN *Shdemin (-men): SN 1167-75 Citmaringen, 1184-85 Cidemaringen > 
[dsprmrjg], Zimmering (Lkr. Cham) 
Aufgrund des ausnahmslosen Eintretens von dt. -mär für bsl. -min ergeben 
sich Bedenken gegen die in BSDS vertretene Erklärung"2 des Bestimmungs¬ 
22 Vgl. BSDS II, S. 277. 
23 Vgl. Svoboda 1964, S, 79f. - Schlimpert (1978, S. 179) spricht sich im Zusammen¬ 
hang mit im slavisch-deutschen Kontaktgebiet überlieferten Personennamen gegen 
einen Ansatz *-merb aus. 
24 Sehr früh - im späten 9. und im frühen 10. Jahrhundert - bezeugen eingedeutschte 
Formen des slavischen Personennamens *Sv%top'blkb wie Zuentibaldus oder Zwenti- 
pold (Schwarz 1960, S. 218) den Ersatz von *-pbl/cb (zu slav. *pbllcb ,Heer, Schar4) 
durch das deutsche Zweitglied -baldl-bold. 
25 BSDS I, S. 151. 
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