Full text: Interferenz-Onomastik

(1) Die Adaptation kann sich zu völlig verschiedenen Zeiten vollziehen, 
wie etwa die folgende Gegenüberstellung zweier Beispielnamen zeigt: 
SN *Slemetibnikb: 1232 Zlemmingen, 14. Jh. 1. H. Slemming > ma. [lernen], 
Leming (Lkr. Cham) 
SN *L’ubbniky\ 1249 Lubenik, 1365 Lewbnich, 1445 Lewbing, 1595 Loihling> 
ma. [lüjwlen], Loibling (Lkr. Cham) 
Bei Leming mit der slavischen Grundform *Slemenbnikb, einer -/^-Ablei¬ 
tung von dem -bn-Adjektiv zu slav. *slemq ,Dachfirst; Bergrücken4, erscheint 
-ing- bereits im ersten Beleg aus dem 13. Jahrhundert. Dagegen ist der Sied¬ 
lungsname Loibling, der am ehesten als Pluralform des Personennamens 
*Lubbnikb erklärt werden kann, nach Ausweis der Überlieferung erst im 
Laufe des 15. Jahrhunderts umgestaltet worden. 
(2) Die Angleichung an -ing- muss nicht obligatorisch eintreten, wie man 
am Beispiel des Bergnamens Deffernik im nordöstlichen Niederbayern 
sieht, der auf dieselbe slavische Grundform zurückgeht wie der Sied¬ 
lungsname Debring, der vom Erstbeleg an -ing- aufweist: 
BergN *Debrnik: 1582 von dem Döfernickhenn herab > Deffernik (heute 
Lackenberg\ Lkr. Regen) 
SN *Debrnik (< *Dhbrbnikh): 1285-87 Deberingen > ma. [debrjq], Debring 
(Lkr. Bamberg) 
3.3. Slav. Personennamenzweitglied {-gostb} bzw. Ortsna¬ 
men-Bestandteil {-gOSCb} 
Slav. *-gost-b (zu *gostb ,Gast‘) bzw. *-goscb (< *-gostb + Suffix -jb) wurde 
in der Regel früh an das deutsche Personennamenzweitglied -gast (enthalten 
in Personennamen wie Altgast, Hadugast, Nantgast usw.) angeglichen oder 
bereits bei der Eindeutschung durch dieses ersetzt. Letzteres kann z.B. bei den 
folgenden drei Namen sowie beim Siedlungsnamen Nunkas (s.o.) angenom¬ 
men werden, die in der Überlieferung von Anfang an -gast zeigen: 
SN *Lubogoscb (zum PN *Lubogost'b): 14. Jh. (zu um 1224) Leubgast, um 
1400 Leugast > [l^egos], Leugas (Lkr. Tirschenreuth) 
SN *Treb-goscb (zum PN *Treb-gostb): 1028-40 Trebegast, 1151 Treuegast 
> [dreysds], Trebgast (Lkr. Kulmbach)21 
21 Dieser Siedlungsname und der Gewässername Trebgast (links zum Weißen Main), 
1398 an der Trebgast, werden in BSDS II, S. 218-220 im Zusammenhang mit dem 
SN Trebgast, Alten- (heute Sankt Johannis', Lkr. Bayreuth), 1149 Uetus Trebegast, 
behandelt. 
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