Full text: Interferenz-Onomastik

2.5. Slav. /cf (im Anlaut) 
Der dem Bestimmungswort des Mischnamens Zießelsberg zugrunde liegende 
Personenname *Cbst-nb dürfte früher integriert worden sein als der Siedlungs¬ 
name *Cbrnovici, dessen Anlaut im Deutschen als s erscheint: 
PN *CbSt-n-b\ SN 1105-12 Cistanesberch, 1301-07 Zisteinsperg > [dsjs- 
lus'b^u], Zießelsberg (Lkr. Regen) 
SN *Cbrnovici (zum PN *('bnib): um 1225 Schirnwitz, 1318 Schirmwicz > 
[sjnmnds], Schirmitz (Lkr. Neustadt a. d. Waldnaab) 
3. Morphemische Integration 
Durch zahlreiche Beispiele lässt sich die allgemeine Tendenz zur Anlehnung 
slavischer Morpheme an geläufige deutsche Namenbestandteile belegen. Im 
Rahmen des vorliegenden Beitrags werden neben einigen «-haltigen Suffixen 
die häufigen Personennamenzweitglieder -gostb, -mirb (-merb) und -myslb 
behandelt. 
3.1. Slavische Suffixe {-jane}, {-in-}, {-ina}, {-i»n-} 
Diese Suffixe erfüllten im Bayemslavischen verschiedene Funktionen: -jane 
diente zur Bildung von Bewohnernamen, mit -in- wurden possessivische Sied¬ 
lungsnamen von Personennamen, mit -ina denominale Substantive und mit -bn- 
desubstantivische Adjektive abgeleitet, ln Bezug auf die Übernahme ins Deut¬ 
sche und die weitere Entwicklung dieser Suffixe lassen sich Regelmäßigkeiten 
feststellen, die bei der Rekonstruktion slavischer Grundformen nutzbringend 
verwendet werden können.16 Bei -jane, -in- und -ina wurden die slavischen 
Voll vokale a und i durch die deutschen Langvokale ä und I ersetzt, die nach 
Ausweis der Namenüberlieferung in der Regel noch längere Zeit erhalten blie¬ 
ben, obgleich der Hauptton auf einer anderen Silbe lag (I konnte auch noch 
diphthongiert werden). Schließlich fiel im 14./15. Jahrhundert der Konsonant 
-n im Auslaut ab und der vorangehende Nebensilbenvokal bzw. -diphthong 
wurde zum Reduktionsvokal [n] abgeschwächt. In den Schreibformen kam es 
in der Folge meist zu Angleichungen an die häufigen deutschen Grundwörter 
-au, -ach und -bach: 
-jane: SN *Lesane (zu *lesb ,Wald‘): 1139 (Fälschung 12. Jh. M.) Lesan, 
1378 Lesein, 1512 Lesaw > [lesu], Lesau, Klein- (Lkr. Bayreuth) 
-in-: SN *Lubin- (zum PN *Lubb): 1223 Lubin, 1433 Kirchenlewbein ... 
Kirchen Lewba, 1494 Kirchenleybach > [läewn], Laibach, Kirchen- (Lkr. 
Bayreuth) 
16 Vgl. BSDS II, S. 278-280. 
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