Full text : Interferenz-Onomastik

Mischnamen'  enthalten  sind.  Die  Übernahme  dieser  Orts-  und  Personennamen
ins  Deutsche  vollzog  sich  in  Nordbayem  im  Zeitraum  vom  8.  bis  zum  12./13.
Jahrhundert.  Nach  der  phonemischen  und  morphemischen  Eingliederung  entwickelten
  sich  die  Ortsnamen  im  Ostfränkischen  bzw.  in  bairischen  Dialekten
lautlich  weiter  bis  hin  zur  rezenten  mundartlichen  Aussprache.  Es  zeigt  sich,
dass  die  Berücksichtigung  von  Mundartformen  bei  der  Analyse  von  Integrationsphänomenen
  unerlässlich  ist.
2. Phonemische  Integration
Hier  werden  exemplarisch  die  vokalischen  Phoneme  slav.  /a/,  /0/,  /t>/,  /1/  und
die  konsonantischen  Phoneme  slav.  /b/  und  /c/  beleuchtet.  Bei  den  Beispielnamen
  wird  jeweils  von  der  erschlossenen  slavischen  Grundform  ausgegangen.
Es  folgen  wichtige  historische  Belege,  die  Mundartform* 4  und  die  heutige  amtliche
  Namenform.
2.1. Slav.  /a/
Bei  dem  Phonem  a  handelte  es  sich  ursprünglich,  d.h.  im  Urslavischen,  um
einen  Langvokal,  der  jedoch  positionsbedingt  schon  früh  gekürzt  werden
konnte.  In  einigen  Fällen  kann  aus  der  Untersuchung  der  Entwicklung  von
Ortsnamen  im  Deutschen  auf  die  Quantität  dieses  Vokals  zum  Zeitpunkt  der
Lautsubstitution  geschlossen  werden.  Dabei  muss  man  allerdings  auch  grundsätzlich
  beachten,  dass  im  Deutschen  originäre  Langvokale  -  v.a.  in  nebentonigen
  oder  unbetonten  Silben  -  von  einer  Kürzung  bzw.  sogar  von  einer  Abschwächung
  bis  zum  Reduktionsvokal  betroffen  sein  können.
SN  *Lazane\  1218  (Kopie  13.  Jh.  E.)  Lasan,  um  1225  Lasan  >  [lpgstt],  Losau
(Lkr.  Schwandorf)
Bei  der  slavischen  Grundform  *Lazane,  einer  Ableitung  mit  dem  Bewohnernamensuffix
  -jane  von  slav.  *lazb  ,Rodung1,  stand  das  erste  a  nach  der
Eindeutschung  des  Toponyms  in  der  haupttonigen  Silbe.  Die  ältesten  schriftlichen
  Nennungen  des  Siedlungsnamens  aus  dem  13.  Jahrhundert  lassen  zwar

In  Nordbayem  lassen  sich  drei  Grundtypen  von  slavisch-deutschen  Mischnamen
unterscheiden:  (1)  Personenname  slavischer  Herkunft  in  genetivischer  Form  +  deutsches
  Grundwort  (-dorf  -berg,  -reuth  u.a.),  (2)  Personenname  slavischer  Herkunft
im  Genetiv  (ohne  Grundwort),  (3)  Personenname  slavischer  Herkunft  als  Ableitungsbasis
  +  deutsches  Suffix  -ing  (vgl.  Janka  2003,  S.  35-38).
4  Die  Transkription  der  dialektalen  Aussprache  erfolgt  gemäß  den  Richtlinien  für  die
Bearbeitung  des  Historischen  Ortsnamenbuchs  von  Bayern  (HONB),  siehe  Zeitschrift
  für  bayerische  Landesgeschichte  53/2  (1990)  S.  444-446.  Davon  abweichend
wird  hier  der  Hauptton  nicht  durch  Akzent,  sondern  durch  der  betreffenden  Silbe
vorangestelltes  1  bezeichnet  (Betonung  der  ersten  Silbe  bleibt  unmarkiert).  Der
Zirkumflex  A  dient  zur  Bezeichnung  der  Halblänge.

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