Full text: Interferenz-Onomastik

Die fränkisch-alemannische Neubesiedlung in merowingischer Zeit erfolgte 
in zwei Stoßrichtungen, Eine erste alemannische Einwanderungswelle rollte 
im 677. Jahrhundert vom Schwarzwald her über den Rhein aareaufwärts und 
schwappte auch über den Tafeljura östlich von Basel Ein zweiter Einwande¬ 
rungsschub kam im 778. Jahrhundert aus dem Eisass und besiedelte die Täler 
und Höhen des Faltenjura."1 Im Westen bildete sich neu eine Sprachgrenze, je¬ 
doch mit zahlreichen romanischen Einschlüssen auf der deutschen Seite, aber 
auch mit alemannischen Vorbrüchen im romanischen Gebiet. Auch später 
noch kam es durch politische Gegebenheiten zu kleineren Verschiebungen 
und Überlagerungen. 
Die einwandemden Alemannen übernahmen von ihren verbliebenen roma¬ 
nischen Nachbarn zweierlei: bestehende Lokalbezeichnungen und Appella¬ 
tiva. Die Ersteren wurden lautlich adaptiert, die Letzteren konnten selber wie¬ 
derum zur Benennung von bisher unbenanntem Gelände verwendet werden. 
Ein relativ häufiges Beispiel ist Balm < galloroman. balma ,überhängiger 
Fels* 4 10, ein anderes möglicherweise Chall < lat. callis ,Pfad4. 
Das genannte Gebiet wurde mehrmals auf seine vordeutschen Namenreste 
hin untersucht. Für die Gewässernamen hat Albrecht Greule die Pionierarbeit 
geleistet.11 Als indoeuropäisch-voreinzelsprachliche beziehungsweise ,alteuro¬ 
päische4 Flussnamen gelten seither: Aare < *Amra (idg. *er-/*or- ,in Bewe¬ 
gung setzen4), Bits < *Bersiä, Birsig < *Bersikos mit kelt. À-Suffix (idg. *bhers- 
,schnell4), *01ä (heute Dünnem) im Ortsnamen Olten (idg. *el-/*ol- ,fließen, 
strömen4), Ergolz < *Argantiä (idg. *arg- ,glänzend, weißlich4), Sissle < 
*Sisalä (idg. *sei-/*si-(s)-, tröpfeln, rinnen, feucht4), Some < * Sorna (idg. *ser-l 
*sor- ,fließen4), Trame < *Dromä (idg. *drem-/*drom- ,laufen4), als keltisch: 
Magdenerbach < *Magä ,die Große4, Möhlinbach < vorahd. *Malina, gali. 
malina ,Flut‘; als romanisch (durch Namenübertragung): Violenbach < lat. 
*viallna ,Straßenbächlein4, abgeleitet von lat. via ,Straße, Weg4.1' 
15. März 1995 (Archäologie und Museum 33), Liestal 1995, S. 9-16; Martin, Max: 
„Das Fortleben der spätrömisch-romanischen Bevölkerung von Kaiseraugst und 
Umgebung im Frühmittelalter auf Grund der Orts- und Flurnamen44, in: Stiftung Pro 
Augusta Raurica (Hg.): Provincialia. Festschrift für Rudolf Laur-Belart, Basel / 
Stuttgart 1968, S. 133-150; Ders.: „Das Gebiet des Kantons Solothum im frühen 
Mittelalter. Ein Bericht zum Stand der archäologischen Forschung“, in: Jahrbuch 
der schweizerischen Gesellschaft für Ur- und Frühgeschichte 66 (1983) S. 215-239. 
10 Marti, Reto: Zwischen Römerzeit und Mittelalter. Forschungen zur frühmittelalter¬ 
lichen Siedlungsgeschichte der Nordwestschweiz (4.-10. Jahrhundert) (Archäologie 
und Museum 41), Liestal 2000. 
" Greule, Albrecht: Vor- und frühgermanische Flußnamen am Oberrhein. Ein Beitrag 
zur Gewässernamengebung des Elsaß, der Nordschweiz und Südbadens (Beiträge 
zur Namenforschung, Beiheft N.F. 10), Heidelberg 1973. 
Greule, Albrecht: „Kontinuität durch Wechsel. Zur Bewahrung römischer Sied¬ 
lungsnamen in heutigen Flussnamen“, in: Rolf Max Kully (Hg.): Dauer im Wech- 
133
	        

Note to user

Dear user,

In response to current developments in the web technology used by the Goobi viewer, the software no longer supports your browser.

Please use one of the following browsers to display this page correctly.

Thank you.