Änderung der Produktionsstruktur oder der Technologie findet in den Saarhütten
aber nicht statt.1)1
Die Roheisen- und Rohstahlproduktion bricht in der Nachkriegszeit nicht
grundlegend ein. Dieses ist insbesondere darin begründet, dass die saarländischen
Hütten ziemlich schnell auf dem französischen Markt Fuß fassen.1'2 1928
wird mit 2,1 Mio t Rohstahl der Stand des letzten Vorkriegsjahres 1913 erreicht,
1929 die Maximalproduktion der Periode bis 1935 mit 2,2 Mio tf’ Wie im
übrigen Deutschland und in Frankreich nimmt die Produktion der Hüttenindustrie
an der Saar während der Weltwirtschaftskrise ab 1930 mit einer Minimalproduktion
1932 (70,3% der Rohstahlproduktion von 1913) ab.1'4
Am 13. Januar 1935 entscheidet sich die Saar-Bevölkerung mit großer Mehrheit
für die Rückgliederung nach Deutschland.
Eine der wichtigsten wirtschaftspolitischen Fragen ist die, ob Frankreich bereit
ist, die Saarhütten weiterhin mit Minette zu versorgen.9'' Verschiedene politische
Richtungen in Frankreich votieren für einen totalen Lieferstopp, wohl um - wie
vermutet wird - die saarländische Stahlindustrie zu ruinieren. Dies kann aber aus
eigentumsrechtlichen Gründen gar nicht in Frage kommen, denn die Hütten in
Dillingen und Brebach sind immer noch französisches Mehrheits-Eigentum, und
Burbach gehört nach wie vor der luxemburgischen ARBED. Da außerdem die
lothringischen Minettegruben den Absatz an der Saar brauchen, wird der Erzbezug
zwischen 1935 und 1939 nicht gravierend eingeschränkt.
Um hinsichtlich des Rohstoffes Erz wenigstens etwas unabhängiger von den
lothringischen Lieferungen zu sein, werden von den Saar-Hütten zwei Wege
beschritten: Erstens wird der Bezug von luxemburgischer Minette erhöht, allerdings
lediglich von 7% auf 11% des Bedarfs, und zweitens werden als neuer
Rohstoff Dogger-Erze eingesetzt, die in Südbaden anstehen.
Das badische Erz ist besonders minderwertig. Der Eisengehalt liegt bei 20%. Der
unerwünschte Schwefelgehalt beträgt das Zehnfache des Gehaltes der lothringischen
Minette. Die 1936 gegründete "Doggererzbergbau GmbH" bringt es auf
eine monatliche Förderung von 35.000t,91 96 weit weniger als 10% des saarländischen
Bedarfs.
Mit der Besetzung Frankreichs durch die deutsche Wehrmacht 1940 setzen die
nur wenige Monate unterbrochenen Minette-Lieferungen umgehend wieder ein.
Die zeitweise außer Betrieb gegangenen saarländischen Hüttenwerke in unmittelbarer
Grenznähe nehmen die Produktion wieder auf. Die Förderung der
91 Nutzinger u.a. (Anm. 38), S. 78.
92 Latz (Anm. 20), S. 199.
93 Ebd., S. 181.
94 Ebd., S. 190-197.
95 Ebd., S. 224.
96 Ebd., S. 181.
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