Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

Im  Jahr  der  Rückgliederung  des  Saarlandes  an  Deutschland  1957  ziehen  sich
die  Franzosen  aus  der  Saarkohle  zurück.  Es  wird  die  "Saarbergwerke  AG"  gegründet,
  deren  Grundkapital  zu  74%  die  Bundesrepublik  und  zu  26%  das
Saarland  übernimmt.84
Zu  keiner  Zeit  innerhalb  der  Phase  1919  bis  1959  ist  die  Versorgung  der  Eisenhüttenindustrie
  mit  Saarkohle  eingeschränkt.

Eisenerz
Unmittelbar  nach  dem  Ende  des  Ersten  Weltkrieges  wird  das  in  Lothringen
liegende  Eigentum  der  saarländischen  Hüttenunternehmungen  unter  Sequester
gestellt.  Den  Saarhütten  ist  daher  der  Zugriff  auf  eine  eigene  Erzgrundlage,  z.T.
auch  die  eigene  Roheisengrundlage,  entzogen.8"
Die  Dillinger  Hütte,  die  schon  in  der  Vorkriegszeit  eine  französische  Aktienbeteiligung
  hatte,  erhält  nun  eine  60%ige  französische  Mehrheit.  Sie  kann  ihre
unter  Sequester  liegende  lothringische  Hütte  in  Redingen  und  einen  Teil  des
Grubenbesitzes  erwerben.  Damit  sichert  sie  ihre  Eisenerzbasis.86
Die  Giesserei  Haiberger  Hütte  wird  von  ihrer  französischen  Konkurrenz,  der
Gießerei  Pont-ä-Mousson,  zu  60%  übernommen,  die  sich  verpflichtet,  die
Brebacher  im  benötigten  Umfang  mit  Minette  zu  versorgen.  Das  Neunkircher
Eisenwerk  wird  zu  60%  von  der  französischen  Gruppe  "Nord  et  Lorraine"
übernommen,  die  ihrerseits  auch  den  gesamten  lothringischen  Erzfelderbesitz
und  das  Hochofenwerk  Ückingen  der  Familie  Stumm  erworben  hat  und  nun
Neunkirchen  mit  Erz  versorgt.  Die  rein  luxemburgischen  Eigentumsverhältnisse
der  Burbacher  Hütte  bleiben  unangetastet.  Hinsichtlich  dieser  vier  Betriebe
ändert  sich  also  hinsichtlich  der  Sicherheit  ihrer  Rohstoffversorgung  mit  Erz
kaum  etwas.
Der  Familie  Röchling  gelingt  es,  eine  französische  Beteiligung  an  der  Völklinger
  Hütte  abzuwehren.  Die  Erzfelder  in  Lothringen  und  die  Carlshütte  gehen
allerdings  verloren.87  Wegen  der  fehlenden  französischen  Kapitalbeteiligung  ist
die  Erzversorgung  der  Röchlingschen  Hütte  problematisch.
Aus  diesem  Grunde  erschließen  die  Völklinger  einen  neuen  Rohstoff.  Aus  dem
beim  Hochofenprozess  erzeugten  Gichtgas  muss  der  enthaltene  Staub  sorgfältig
ausgefiltert  w'erden,  wenn  es  z.B.  zur  Verbrennung  in  den  Gasmotoren  der
Gebläsemaschinen  verwendet  werden  soll.  Dieser  Gichtstaub  enthält  40%  Eisen.
In  Lothringen  und  Luxemburg  wird  er  vielfach  als  Abfall  auf  große  Halden
geschüttet.  Die  Völklinger  kaufen  einige  dieser  Halden  auf,  errichten  eine  spe¬84

  Reitel  (Anm.  60),  S.  30.
85  Latz  (Anm.  20),  S.  117.
86  Ebd.,  S.  121-123.
87  Reitel  (Anm.  60),  S.  30.

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