denhofen in Betrieb geht, während sechs Jahre später die Dillinger Hütte ein
neues Hochofenwerk in Dillingen baut.52
Das wechselnde Gewicht einzelner Standortvorzüge führt u.a. zu dem Ergebnis,
dass die saarländischen Hüttenunternehmungen,
- 1885 15% ihres Roheisens in Lothringen und Luxemburg erzeugen,
- 1900 bereits fast 45%,
- 1910 dagegen wieder nur unter 35%.53
Es gibt also keine systematische und kontinuierliche Verlagerung der Roheisenerzeugung
weg von der Saar hin zur Rohstoffbasis Erz nach Lothringen. Insgesamt
wird vielmehr an der Mosel eine die Produktion der Mutterwerke ergänzende
Erzeugung betrieben. Seit der Jahrhundertwende ist eine "Heranziehung"
zum historischen Kern unverkennbar.54
Seit dem Ende des Ersten Weltkrieges bis in die Gegenwart wird darüber spekuliert,
ob sich die Eisen schaffende Industrie des Saarlandes ganz zur Minette hin
verlagert hätte, wenn Elsass-Lothringen im Deutschen Reich verblieben wäre.55
Eines ist sicher: die räumliche Trennung von Roheisen-Produktion und
Roheisen-Weiterverarbeitung hätte sicher nicht mehr lange angehalten.
Dafür sind eine Reihe von technischen Innovationen verantwortlich:
1. Es ist energetisch von großem Vorteil, wenn das aus dem Hochofen
abgezogene Roheisen nicht erkaltet und vor dem Einsatz im Konverter
wieder aufgeschmolzen werden muss, sondern wenn es flüssig dem
Konverter zugeführt werden kann. Es besteht allerdings ein entscheidendes
Hemmnis im unterschiedlichen Arbeitsrhythmus von Hochöfen
und Konvertern. Ab 1889 wird in Deutschland durch die Einführung
des 1873 von dem Engländer Deighton als Patent angemeldeten Roheisensammlers
- des so genannten "Mischers", der noch weitere Vorteile
bietet - dem Problem abgeholfen.56 Damit wird das "Arbeiten in einer
Hitze" oder das "direkte Konvertieren", das erhebliche Energieeinsparungen
bedeutet, im Bereich Hochofenwerk-Stahlwerk möglich. Diese
Einsparmöglichkeiten können nur voll ausgeschöpft werden, wenn
Hochofenwerk und Stahlwerk räumlich beieinander liegen.
2. Eine ähnliche Beziehung besteht zwischen Stahlwerk und Walzwerk.
Das "Arbeiten in einer Hitze" in diesem Bereich wird seit den 1890er
Jahren durch die Einschaltung eines Speichers - der so genannten
"Gjerschen Ausgleichsgruben"57 - möglich, in denen sich die Tempera-52
Martin (Anm. 5), S. 216.
53 Ebd., S. 141.
54 Döring (Anm. 1), S. 181-182.
55 Z.B. spekuliert Latz (Anm. 20), S. 31.
56 Döring (Anm. 1), S. 150; Latz (Anm. 20), S. 31.
57 Döring (Anm. 1), S. 152-153.
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