Full text : Forschungsaufgabe Industriekultur

landesgeschichtliche  Unternehmungen  zur  Kenntnis  gebracht  und  besprochen
werden,  aber  auch  die  Qualität  von  eingereichten  Manuskripten  geprüft  und  zu
aktuellen  Fragen  kritisch  und  empfehlend  Stellung  bezogen  wird.
Auch  zur  Erhaltung  und  sinnvollen  Präsentation  von  Industriedenkmälern  hat
sich  die  Kommission  mehrfach  geäußert.  Da  nun  der  wirtschaftlich-soziale
Strukturwandel  im  Saarland  zu  Lasten  unrentabler  Industrien  in  vollem  Gange
ist,  anderseits  ein  industrielles  Weltkulturerbe  in  Gestalt  der  Völklinger  Hütte  zu
den  überregionalen  Anziehungspunkten  gehört,  lag  es  nahe,  dass  die  Kommission
  sich  in  die  wissenschaftliche  Begleitung  einschaltete.  Einem  Vorschlag
ihres  gerade  erst  zurückgetretenen  Geschäftsführers  Hans-Walter  Herrmann
folgend,  der  sich  hierin  mit  dem  Institut  für  Landeskunde  im  Saarland  und  dem
Historischen  Verein  für  die  Saargegend  einig  wusste,  hat  die  Kommission,
nachhaltig  vertreten  durch  ihren  Stellvertretenden  Vorsitzenden  Rainer  Hudemann,
  das  Thema  "Forsehungsaufgabe  Industriekultur"  zu  ihrem  eigenen  Anliegen
  anlässlich  ihres  50-jährigen  Bestehens  gemacht.
Dabei  sollte  das  Saarrevier  nicht  das  alleinige  Bearbeitungsfeld  sein,  und  so  ist
die  Kommission  glücklich,  dass  sie  für  Festvortrag  und  Tagungseröffnung
zugleich  einen  Gelehrten  gewonnen  hat,  der  umfassender  kaum  einführen  kann:
"Die  Ambivalenz  der  Moderne"  aufzuzeigen  am  Beispiel  von  "Fortschrittseuphorie
  und  Fortschrittskritik  um  1900",  verspricht  besonders  dann  erhellende
Gesichtspunkte,  wenn  der  Vortragende  nicht  nur  die  technischen  und  wirtschaftlichen
  Gegebenheiten  kennt,  sondern  auch  die  allgemeinen  kulturellen
Bewegungen  mite  inbezieht.  Jeder,  der  auch  nur  ein  wenig  den  "3.  Akt"  von
Jürgen  Reuleckes  Urbanisierungsdrama  miterlebt  hat,  weiß,  dass  hier  schon
1985  mit  einem  der  vielen  Aspekte  des  Themas  kenntnisreich  umgegangen
wurde,  nämlich  dem  "Anti-Urbanismus  im  Kaiserreich".214  Im  Nachwort  zu  "Stadt
und  Gesundheit"  von  1991  hat  Herr  Reulecke  dann  für  Deutschland  einen
Grundton  angeschlagen,  von  dem  wir  gespannt  sein  können,  wie  er  heute
weiterklingt:  Inhomogen  und  segmentiert,  wie  die  deutsche  Gesellschaft  "zwischen
  Kaiserreich  und  Weimarer  Republik"  war,  verfestigten  sich  auch  sehr
unterschiedliche  Vorstellungen  neben-  und  gegeneinander.  "Zukunftseuphorie
und  Fortschrittsglaube  standen  neben  tiefer  Skepsis  und  fast  schon  militanter
Zivilisationskritik":215  Der  Festredner  hat  das  Wort.216

214  Jürgen  Reulecke,  Geschichte  der  Urbanisierung  in  Deutschland.  Frankfurt  am  Main  1985
(=  Neue  Historische  Bibliothek,  =  edition  suhrkamp;  1249),  S.  139-146.
215  Stadt  und  Gesundheit.  Zum  Wandel  von  "Volksgesundheit"  und  kommunaler  Gesundheitspolitik
  im  19.  und  frühen  20.  Jh.  Stuttgart  1991  (=  Nassauer  Gespräche  der  Freiherr-vom-Stein-Gesellschaft;
  3),  S.  325.  Die  Rechnereingabe  verdanke  ich  Frau  Hochschulsekretärin
Judit  Ruff  (Historisches  Institut,  Saarbrücken).  -  Schluss  des  Manuskripts:  17.7.2003.  Briefliche
  Hinweise  vom  20.9.2003,  die  mir  Hans-Walter  Herrmann  dankenswerterweise  zukommen
  ließ,  sollen  in  anderweitiger  Publikationsform  berücksichtigt  werden.
216  Der  Autor  legt  Wert  auf  die  Feststellung,  dass  die  Redaktion  der  Fußnoten  und  die
Hinwendung  zur  neuen  Rechtschreibung  nicht  von  ihm  stammen.

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